Strategie: Stickstoffeinträge in den Boden vermeiden

Nitrateinträge in Böden vermeiden

Paddocks sind eine nicht zu unterschätzende Quellen für umweltschädliche Stickstoffeinträge.

Wie diese Nitratanreicherungen vermieden werden können, fand Frau Dr. Zeitler-Feicht (Lehrstuhl für Ökologischen Landbau und Pflanzenbausysteme der Technischen Universität München) heraus: Täglich abäpfeln.

Mit dieser Methode werden 90% der Stickstoffeinträge in den Boden vermieden. So einfach ist das. Entsprechendes gilt in abgeschwächter Form für Außenreitplätze.

Strategien: Trockenresistenz des Grünlands durch regelmäßige Kalkung erhöhen

Auch das ist kohlensaurer Kalk: Die Kreidefelsen von Rügen.

Ihre Nährstoffe nimmt die Pflanze in aller Regel durch die Wurzel auf. Dafür müssen die Pflanzennährstoffe als Ionen im Bodenwasser gelöst sein.

Ionen sind Molekülteile, die entweder elektrisch positiv+ (Kationen) oder negativ (Anionen) geladen sind.

  • Kationen sind Ca2+, Mg2+, K+, Al3+, H+, NH4+ und an negativ geladenen Bodenteilchen angeheftet, wie z.B. an Ton
  • Anionen sind PO43-, SO42-, NO3, Cl, die an positiv+ geladenen Verbindungen und Huminstoffen angelagert sind.

Damit die Pflanze nicht nur an frei im Bodenwasser verfügbare Nährstoffe gelangt, kann sie sich auch im Boden festgeheftete Nährstoffionen ablösen und für sich nutzbar machen.

Normalerweise ist es in der Chemie nicht möglich, dass zwei verschieden konzentrierte Lösungen nebeneinander existieren. Die Diffusion, also die selbständige Vermischung, würde dafür sorgen, dass es kein Konzentrationsgefälle eines bestimmten Nährstoffes geben würde. Es wäre also unmöglich, dass in der Pflanzenwurzel eine höhere Nährstoffkonzentration als im Bodenwasser sich befindet.

Um dennoch an eine höhere Nährstoffkonzentration als im Bodenwasser zu gelangen, bedarf es seitens der Pflanzenwurzel eines Kraftaktes, der natürlich Energie erfordert. Folglich muss die Pflanze einen Teil ihres durch Photosynthese erzeugten Traubenzucker in der Wurzel unter Zuhilfenahme von Sauerstoff verbrennen. Dabei entsteht, wie bei jedem Feuer, Abgase: Kohlendioxid (CO2) und Wasser (H2O).

Diese beiden Abgase werden nicht entsorgt, sondern trickreich genutzt: Aus zwei Verbrennungsrückständen wird eine neue Verbindung:

Kohlen-dioxidCO2+WasserH2O=>Kohlen-säureH2CO3
Kohlensäure und Wasser werden zu Kohlensäure

Es folgt Schritt zwei: Die Kohlensäure wird wieder aufgespalten in zwei neue Stoffe. Das sind jetzt Molekülreste und die sind nicht mehr elektrisch neutral wie die Moleküle, sondern elektrisch geladen.

WasserstoffH+Kation, elektrisch positiv
HydrogencarbonatHCO3Anion, elektrisch negativ

Damit hat die Pflanze in ihrer Wurzel die Möglichkeit, an zusätzliche Nährstoffionen zu gelangen. Sie bekommt im Tausch für ein HCO3 Ion ein anderes Anionen aus der Bodenlösung und für ein H+ Ion ein anderesKation aus der Bodenlösung.

H+ aus der Wurzelwird getauscht gegen
ein Nährstoffkation
Ca2+
Mg2+
K+
Al3+
NH4+
aus der Bodenlösung
HCO3– aus der Wurzelwird getauscht gegen
ein Nährstoffanion
PO43-
SO42-
NO3
Cl
aus der Bodenlösung
Gespräch zwischen Pflanzenwurzel und Boden: „Gibst Du mir ein H+, gebe ich Dir ein K+, brauchst Du noch ein NO3, dann bekomme ich ein HCO3 dafür.“

Durch den 1:1 Ionenaustausch bleibt das Verhältnis von negativen und positiven Ionen im Boden trotz der Tauscherei gleich. Das Verhältnis von Kationen und Anionen in Pflanze und Bodenlösung bleibt unverändert, geändert hat sich aber die Zusammensetzung der Nährstoffionen in der Pflanze und im Boden.

Der Boden enthält nach dem Tausch weniger Nährstoffionen, dafür aber mehr H+ und HCO3 Ionen, die Pflanze dafür mehr Nährstoffionen und weniger H+ und HCO3 Ionen.

Welche folgen hat der Ionen- Austausch für Pflanzen und Böden?

PflanzeBoden
Energieverlust durch TraubenzuckerverbrennungNährstoffverarmung
Höhere Nährstoffkonzentration als in der BodenlösungH- Ionenkonzentration steigt = Boden wird saurer
Fossiertes Wachstum/ FruchtbildungHöhere Bodensäure löst mehr Nährstoffe aus den Steinen
Wurzelatmung wird durch Bodenversäurung behindertBodenleben wird durch Bodensäure reduziert
Weniger Nährstoffe aus MineralisierungGeringere Umwandlung organischer Masse in mineralische Masse

Da Dauergrünland zu den biologisch aktivsten Kulturen mit der stärksten Pflanzendichte zählt, ist die Steigerung der Wasserstoffionenkonzentration im Boden nicht zu vernachlässigen. Das ist der Grund, warum bei nahezu jedem in Nutzung befindlichen Dauergrünland der pH- Wert reguliert werden muss.

Eine Kalkung ist für bewirtschaftetes Dauergrünland unumgänglich. Nur die regelmäßige Überprüfung und Abpufferung der Bodenlösung sorgt dafür, dass die Pflanze eine höhere Kalium- Ionenkonzentration als die der Bodenlösung speichern kann und damit die Wasserspeicherfähigkeit bei Trockenphasen deutlich höher als die des Bodens ist.
Fazit: Durch Kalkung wird die Trockenresistenz der Pflanze deutlich erhöht.

Strategien: Das Bodenleben stärken

Ein durchschnittlicher, mitteleuropäischer Wiesenboden besteht aus ca. 93% mineralischer Masse und 7% organischer Masse.

Die organische Masse des Bodens (7%) besteht ihrerseits aus 85% abgestorbener Pflanzenreste, 10% lebenden Pflanzenwurzeln und 5% Bodenorganismen.

Die Bodenorganismen sind Bakterien und Strahlenpilze (40%), Pilze und Algen (40%) und ganz viele verschiedene Bodentiere (20%).

Die Anzahl der aktiven Bodentiere (Bodenfauna) in den oberen 30 cm des Bodens ist gewaltig, so leben pro Quadratmeter etwa 120 Millionen Fadenwürmer, 120.000 Milben, 40.000 Springschwänze, 9.000 Schnecken, 2.000 Regenwürmer, 2.000 Vielfüßler, 1.000 Asseln, 1.000 Ameisen, 1.000 Käfer und Larven, 1.000 Spinnen, 1.000 Zweiflüglerlarven, usw.. Insgesamt finden Bodenbiologen 2.000 verschiedene Bodentierarten auf einem Quadratmeter.

Auf dieser „Weide“ gibt es kaum noch Bodenleben. Ein wertvolles Biotop wurde zur Wüste. Derartige Pferdehaltung ist nicht nachhaltig und auch nicht verantwortbar.

Warum hat das Bodenleben für den Boden und für die Wiese/Weide eine so große Bedeutung?

Die Gesamtheit des Bodenlebens baut unter Zuhilfenahme von Wasser und Luft die Organische Masse (tote Pflanzenreste) in mineralische Masse um. Erst dann können die Nährstoffe in der organischen Masse von der Pflanzenwurzel aufgenommen werden.

Merke: Die Nährstoffe der organischen Masse (Pflanzenreste, Mist, Kompost, usw.) sind nicht pflanzenverfügbar. Erst die Umwandlung der organischen Masse zur mineralischen Masse macht die Nährstoffe wurzeldurchgängig und somit pflanzenverfügbar.

Je aktiver das Bodenleben, also je besser ihre Lebenssituation, desto mehr organische Masse kann in mineralische Masse umgewandelt werden und steht den Pflanzen zur Verfügung. Je lebendiger das Bodenleben, desto mehr Dünger erhalten die Pflanzen und umso höher ist der Ertrag des Grünlandes. Mehr Pferde werden auf der selben Fläche satt.

Das Bodenleben verbessert durch seine Tätigkeit seinen eigenen Lebensraum. Ein Beispiel: Regenwürmer fressen zusammen mit der organischen Masse auch mineralische Masse. Sie scheiden Kotkrümel aus, das sind stabile Ton- Humuskomplexe, also großkörnige Bodenkrümel. Dadurch wird der Boden grobkörniger, bekommt größere Luftporen, kann Wasser gut in tiefere Bodenschichten leiten, verhindert Stauwasser und Bodenerosionen.

Wie kann das Bodenleben gefördert werden?

ZielMassnahmen
Bodenverdichtungen vermeidenKeine Pferdehaltung auf nassem Boden! Tor- und Futterbereich pflastern
Bodenleben mit genügend organischem Material „füttern“Mulch, Mist (nicht vom Pferd!!), Kompost, Pflanzenreste, Erntereste
Bodensäure vermeidenRegelmäßige Bodenprobe und Kalkung nach Düngeempfehlung.
Bodenüberhitzung vermeiden1. Narbenschäden konsequent nachsähen, unbewachsene und trockene Böden stressen das Bodenleben (Zelltod der meisten Bodenlebewesen bei ca. 40°C – 50°C)
2. Gras nicht <8cm kürzen, da nicht genug Schatten vor Hitzestress schützt und Wasser verdunsten lässt.
3. Idealtemperatur 20°C
Feuchtigkeit statt NässeNur ein krümeligere Boden lässt Wasser zur Speicherung in tiefere Bodenschichten gelangen.
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Strategien: Energienutzung der Pflanze fördern

Atmung (Dissimilation) der Pflanze verbessern

Die Pflanze verbrennt ihre Durch die Photosynthese gewonnene Energie, sozusagen der Treibstoff der Pflanze; ganz genau ist es Traubenzucker, und wandelt sie in Arbeit, wie Wachstum, Frucht und Blütenbildung, Wassertransport, Bewegung, Ernährung, usw. um.

Auch die Wurzeln müssen atmen!

Die Energieumwandlung in Arbeit findet nicht nur in den Blättern, sondern auch in den Wurzeln statt. Genannt wird sie Wurzelatmung (Wurzeldissimilation).

Für jede Verbrennung, auch der Verbrennung von Traubenzucker, wird zwingend Sauerstoff benötigt. Natürlich auch für die Wurzelatmung wird Sauerstoff benötigt, um den Traubenzucker zu verbrennen. Aus der durch die Verbrennung von Traubenzucker in der Wurzel wird Arbeit bei der Nährstoffaufnahme durch die Wurzel möglich.

Nur wenn genügend Sauerstoff für die Wurzelatmung im Boden zur Verfügung steht, können Pflanzen die maximal mögliche Nährstoffemenge aufnehmen. Verdichtete und vernässte Böden verhindern einen optimalen Sauerstoffgehalt in den Bodenporen und verhindern eine optimale Nährstoffaufnahme der Pflanze durch ihre Wurzeln.

Derartige Weiden sind das Ergebnis eines mangelndem Weidemanagement. Ökonomisch als auch ökologisch eine einzige Katastrophe. Dauergrünland ist in Deutschland ein schutzwürdiges Biotop, denn diese Flächen produzieren sind biologisch aktiver als der Wald. Dauergrünland produziert pro Hektar schätzungsweise 25% mehr Sauerstoff als ein Wald.

Nur lockere, luftige Böden mit stabilen Bodenporen garantieren eine maximal mögliche Wurzelatmung und einen maximal möglichen Ertrag.

ZielMassnahme
Bodenverdichtungen vermeidenKein Beweiden und Befahren nasser Böden. Wer Grünland durch Pferde beweiden lässt, benötigt immer einen Paddock, um sein Grünland zu schonen.
Grünland möglichst nicht befahren! Kein Schlupf!
Achslasten reduzieren, zwei Fahrten mit leichter sind weniger schädlich als eine Fahrt mit doppelter Last.
Reifendruck auf Grünland reduzieren, auf der Straße wieder erhöhen.
Nach Bodenprobe kalkenBodenteilchen bilden Bodenkrümel (Kolloide) und schaffen mehr Bodenporen. Bodenporen verhindern Staunässe und Sauerstoffabschluss durch Porenflutung.
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Strategien: Energieaufbau in der Pflanze fördern

Photosynthese (Assimilation) steigern

Die Pflanze baut Energie durch Kohlendioxid, Wasser und Tageslicht auf. Das gasförmige Kohlendioxid ist in der normalen Umgebungsluft ausreichend vorhanden:

Zusammensetzung der Umgebungsluftchemische FormelVolumen %
StickstoffN78,09
Sauerstoff O20,95
ArgonAr0,92
Kohlendioxid (CO2) CO20,003
Zusätzlich Spuren der Edelgase Neon, Helium, Krypton

Obwohl sich Kohlendioxid in nur kleinen Volumenanteilen in der Umgebungsluft befindet, ist die Konzentration für höchste Photosyntheseleistungen (Energieaufbau) der Pflanzen ausreichend. Allerdings kann der Kohlendioxidgehalt in dichten Pflanzenbeständen, wie im Grünland, sinken. Im Gewächshaus kann die sinkende CO2– Gaskonzentration durch eine zusätzliche Kohlendioxidgaseinleitung ausgeglichen werden. Beim Grünland ist das im Freien nicht möglich. Stattdessen kann eine zusätzliche CO2– Lieferung für die Photosynthese in dichten Beständen durch die Förderung des Bodenlebens ausgelöst werden. Das funktioniert deshalb, weil das Bodenleben Sauerstoff einatmet und Kohlendioxid ausatmet. Je intensiver das Bodenleben arbeitet, desto höher ist die bodennahe CO2– Gaskonzentration, ein Kohlendioxidmangel in den dichten Grünlandbeständen wird vermieden, die Photosyntheseleistung (Energieaufbau) bleibt auf höchstem Niveau.

Ein intaktes Bodenleben versorgt dichte Pflanzenbestände, wie beim Grünland, mit ausreichend Kohlendioxid

Welche Massnahmen im Grünlandmanagement fördern das Bodenleben?

Fördert das BodenlebenMassnahmen durch Pferdehalter*innen
Eintrag organischer Masse„Fütterung“ des Bodenlebens durch Kompost, Mulch, Mist, usw.
lockerer, luftiger BodenBodenverdichtungen vermeiden, kein Weidegang an nassen Tagen,
feuchter BodenNassen oder trockenen Boden vermeiden
Bodensäure regulierenBodenkalkung gemäß Bodenprobe
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Strategien: Kein „Kurzhaarschnitt“

Unter 8 cm geht gar nicht

Artenvielfalt erhalten, Beschattung des Bodens im Sommer verbessern und eine schnellere Regeneration ist das Ergebnis einer moderaten Mähwerktiefe bzw. frühzeitigem Umtriebs

Nur nichts umkommen lassen. Das gilt Vielerorts auch für die Ausnutzung des Grünlandes. Um möglichst viel zu ernten wird mit nur wenigen Zentimeter Abstand zum Boden gemäht und die Pferde nagen die Weiden bis auf wenige Millimeter ab: Golfrasen.

Das ist weder clever noch ökonomisch, denn die Geiz-ist Geil- Denkweise ist der Killer eines auskömmlichen Dauergrünlandes.

Zu kurzes Mähen oder Abfressen stresst das Grünland und ist die Garantie für geringere Erträge und schlechtere Futterqualität. Warum ist das so?

  • Zu tief geschnittenes bzw. zu tief gefressenes Gras bietet gerade im Sommer nicht mehr genügend Schatten. Die Sonne schein ungeschützt auf die Pflanzen und den Boden. Da deutlich wärmer als als schattierter Boden, verdunstet er wesentlich mehr Wasser als ein beschatteter Boden und trocknet mehr und mehr aus. Im Sommer ein rascher Schritt zur Dürre.
  • Auch die Pflanzen verdunsten mehr Wasser und müssen mehr Energie für den Wassertransport aufwenden. Da nur eine ganz bestimmte Energiemenge durch die Photosynthese der Pflanze zur Verfügung steht, steht wegen des Mehrbedarfes für den Wassertransport entsprechend weniger Energie für das Pflanzenwachstum zur Verfügung. Das Grünland reagiert gestresst, die Regeneration des Grünlandes ist eingeschränkt, die Nutzungspause wird größer, der Ertrag des Grünlandes sinkt ab. Weniger Pferde werden von der Fläche satt.
  • Zu tief eingestellte Mähwerke versetzen das Mähgut mit Erde. Das Heu ist staubig, die Pferde husten. Silage wird nicht hygienisch konserviert und ist ein ernstzunehmendes Risiko für die Pferde (Kolik).
  • Zu kurz gefressenes Gras ist eine mehrfache Gefahr: Hufrehe und Sandkolik.
  • Eines der wichtigen Organe der Pflanze, das Meristem, kurz gesagt die Wachstumszone (Bildungsgewebe), der meisten Grünlandpflanzen bei uns in Mitteleuropa wird durch zu kurzes Abfressen und/oder Mähen geschädigt. Die Grünlandpflanzen werden entweder zerstört oder wachsen wesentlich langsamer wieder auf. „Kurzhaarschnitte“ des Dauergrünlandes sind eine der wichtigsten Ursachen, neben der übertriebenen Stickstoffdüngung, des Verlustes der Artenvielfalt. Die ersten, die nicht wieder aufwachsen, sind die Kräuter.

Aus diesen Gründen ist die tiefe Mähwerkeinstellung und die überlange Beweidung gerade auch in Zeiten des Klimawandels unbedingt zu vermeiden.

Dauergrünland regeneriert sich am besten, wenn die Pflanzen nicht tiefer als 8 cm gemäht bzw. abgefressen werden.

Strategien: Beratung beim Grünlandmanagement

Jan B., 23.12.2020

ich schreibe Ihnen mit einer Bitte um Beratung bei unserem Pferdegrünland. Wir haben vor knapp drei Jahren einen kleinen Hof im übernommen. Auf der Weide wächst zum großen Teil eine Grassorte, die unsere Pferde weder dort, noch als Heu fressen. Wären Sie der richtige Ansprechpartner, oder könnten Sie uns an jemanden weiterverweisen, der uns beraten könnte, wie und womit wir am besten neu ansäen und danach pflegen, um das Grünland langfristig als Pferdeweide und Pferdeheuwiese nutzen zu können? Wie funktioniert eine solche Beratung? Die Weide befindet sich auf einer leichten Hanglage, relativ schweren Lehm-Ton-Steinboden, und in den letzten drei Sommern war das Grünland natürlich auch sehr trocken. Wir fahren nur den ersten Schnitt ein; danach lassen wir die Pferde, wenn genügend Aufwuchs da ist, nochmal im Spätsommer/Herbst auf die gemähten Teile. Ab November sind die Pferde nicht mehr auf der Weide. 

Dietbert Arnold, 02.01.21

Grünlandmanagement ist eine komplexe Angelegenheit und macht die Beschäftigung damit sehr spannend. Deshalb ist eine kompetente Beratung immer vorteilhaft, auch für mich gilt die Forderung zu lebensbegleitendem Lernen. Dabei habe ich erfahren, dass es im Bereich Grünlandwirtschaft keine Geheimtricks und Wundermittel gibt, sondern nur ein analytisches Vorgehen wirkliche Erfolge bringt. Und damit sind wir schon bei dem ersten Punkt: Totspritzen, Umbrechen und Neueinsaat sind keine nachhaltige Lösung, denn diese Methode ist ausgesprochen klimaschädlich und obendrein nicht wirklich zielführend, denn gegen die Natur, hier den Boden und das Klima, lässt sich Dauergrünland nicht halten. Als Beispiel nenne ich Dir die vielen Blumenwiesen, die in guter Absicht ausgesät werden und spätestens nach einem Jahr wieder verschwunden sind, weil die Wachstumsbedingungen nicht passen.

1.

Du beginnst mit der Erfassung der Ist- Situation. Das ist in diesem Fall eine Bodenprobe. Die muss fachlich korrekt genommen werden, denn ca. 300 g Boden repräsentieren am Ende Deine Weide/Wiese.

2.

Die Bodenprobe schickst Du zu einer zertifizierten Untersuchungsanstalt. Hier bietet sich auf jeden Fall eine Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt (LUFA) an. Bei Dir ist das die LUFA Hameln (LUFA Nord-West) der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Vorteilhaft ist immer der Kontakt zu einer lokalen Luft, weil die sich in Deiner Region sehr viel besser auskennen, denn Bayern und Norddeutschland unterscheiden sich auch bezüglich der Wachstumsbedingungen ein wenig. Eine Grunduntersuchung (P2O5, K2O, MgO, CaCO3 (über pH- Wert bestimmt)) ist zunächst völlig ausreichend. Wenn der Boden frostfrei ist, kannst Du das bereits jetzt im Januar schon machen.

3.

Nachdem Die nach ca. 2 Wochen die LUFA erstens eine Analyse und zweitens eine Düngeempfehlung zugeschickt hat, nimmst Du Kontakt zum Grünlandberater*in Deiner Region bei der Landwirtschaftskammer (HB, HH, Nds, SH, RhPf, SL, NRW) bzw. Landwirtschaftsamt (Rest. Bundesländer) auf und bittest um einen Beratungstermin. Für Dein Standort ist das die Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Dabei erfragst Du, was Du mitbringen kannst (Heu, Gräser, Bodenanalyse) oder ob ein Ortstermin vereinbart werden soll. Oft hilft ein vorheriger Kontakt zu einem erfahrenen Landwirt*in, die Dir bei der Pflanzenbestimmung helfen können und Dir auch sagen, ob Deine Fläche mehr oder weniger typisch für den Boden und das Klima ist. Dabei entscheidest Du, ob Du einen biologisch oder konventionell wirtschaftenden Betriebsleiter*in um Rat bittest.

4.

Wenn Du diese oben genannten Schritte bis zum Vegetationsbeginn erledigt hast, dann kannst Du schon für dieses Jahr eventuelle Düngungen und Reparaturen (Narbenlücken schließen und Schlitzsaat) vornehmen. Über die Auswahl des Saatgutes entscheidest Du. Je nach Bedingung rate ich immer dazu, Schlitzsaat und Düngung von Profis vornehmen zu lassen. Hier bietet sich der Nachbarlandwirt, ein Maschinenring oder ein Lohnunternehmen an. Wenn Du Dich für eine bestimmte Vorgehensweise entschieden hast, dann lasse Dich nicht von den Service- Anbietern umstimmen. Du als Auftraggeber bestimmst das Vorgehen. Der Idealfall ist natürlich ein Landwirt*in Deines Vertrauens, der/die Dich berät und dann die dazugehörige Arbeit leistet. Natürlich gehört die Entlohnung der Arbeit dazu. Damit wir uns richtig verstehen, es geht immer um Reparatur- bzw. Zwischensaat in den bestehende Grasbestand. Niemals Umbruch und Neusaat. Bei dem Reparatursaatgut kannst Du Dich dafür entscheiden, möglichst trockenresistente Sorten zu bevorzugen.

Wenn Du Dich jetzt an die Arbeit machst, dann bist Du so früh, dass Du auch noch Termine bekommst. Wenn es erst anfängt zu wachsen, dann stehen die Leute schlange.

Empfehlen kann ich Dir den Klassikerin der landwirtschaftlichen Berufsausbildung zum Bestimmen der Grünlandpflanzen: Deutsch, Anton: Bestimmungsschlüssel für Grünlandpflanzen während der ganzen Vegetationszeit, Verlagsunion Agrar (Österreichischer Agrarverlag), 2007

Im Übrigen wirst Du hier auf dieser Seite unter Basics bereits jetzt und in naher Zukunft die wichtigsten Infos z.B. zur Bodenbeprobung, usw. lesen können. Wir alle würden uns freuen, wenn Du uns von Deinen Erfahrungen schreiben würdest.

Strategien: Den April als Zeigermonat nutzen

Ein oder zwei Schnitte, zufüttern oder nicht zufüttern, das entscheidet sich meist schon im April eines Jahres.

Klimamodellierungen sowie Auswertung der Klimastatistiken bestätigen die in den letzten Jahren gemachten Beobachtungen: Das Wetter im April entscheidet, ob es einen Dürresommer geben wird. Sowohl die Forschungen des Alfred- Wegener- Instituts als auch des Helmholtz- Zentrum für Umweltforschung weisen auf den Zusammenhang des trockenen und warmen Aprilwetters mit nachfolgender Sommerdürre hin: Sommerliche Dürre wird im April bereits vorprogrammiert, da die durch den Klimawandel zunehmende Frühjahrstrockenheit bis zum Sommer fast nie ausgeglichen werden kann.

Durch den Klimawandel mit seinen abnehmenden Temperaturunterschieden zwischen der Arktis und Mitteleuropa wird die Wahrscheinlichkeit für ausgeprägte und ortsstabile, sogenannte blockierende Hochdrucklagen über Norddeutschland und der Nordsee zu einem früheren Vegetationsbeginn mit warmem und trockenem Aprilwetter deutlich größer. Die Vegetationsperiode beim Grünland beginnt deutlich früher und die Frühjahrserträge sind gut. Die Rechnung kommt später: Dürresommer. Pferdehalter müssen sich darauf einstellen, nur noch einen Schnitt in der Vegetationsperiode zu ernten und zum Ende des Sommers die Weidepferde mit zusätzlichem Grundfutter zufüttern zu müssen bzw. den Pferdebestand je Fläche zu verringern, wenn kein zusätzliche Grundfutter beschafft werden kann. Die Reduzierung des Grundfutters zugunsten des Kraftfutters ist nicht tiergerecht für die vierbeinigen Dauerfresser.

Der April ist sozusagen der Zeigermonat für das Grundfutterjahr. Damit der Futtermangel nicht unvorbereitet kommt.

Mehr Infos beim Helmholtzzentrum

Strategien: Grünlandumbruch – No-Go!

Grundlagen zur nachhaltigen Grünlandpflege durch Nachsaat anstelle des klimaschädlichen Narbenumbruchs

Landwirtschaftlich genutzte Böden bestehen aus Humus (= Organische Masse) und Mineralboden (= Mineralische Masse).

Pferdeweiden müssen gepflegt werden. Nur so bleiben sie für die Pferde und die Umwelt wertvolles Dauergrünland.

Zur Erinnerung: Organische Masse (Blätter, Pflanzenleichen, Wurzeln, Mist, Gülle, Stroh, usw.) ist nicht pflanzenverfügbar. Die Wurzeln der lebenden Pflanzen können Humus nicht aufnehmen und die im Humus enthaltenen Nährstoffe deshalb nicht verwerten. Erst wenn das Bodenleben (Bakterien, Viren, Pilze, Regenwürmer, Tausendfüssler, usw.) die Organische Masse in Mineralische Masse umgewandelt hat, können die Pflanzen die Nährstoffe aufnehmen und verwerten. Natürlich brauchen Lebewesen, also auch das Bodenleben, eine lebenswerte Umgebung mit Sauerstoff, Feuchtigkeit und Wärme. Je besser die Lebensbedingungen für das Bodenleben, und dazu gehört auch das ausreichende „Futterangebot“ mit Humus, desto höher ist die Umwandlung von Humus in Mineralische Masse. Einfach ausgedrückt: Das Bodenleben ernährt sich vom Humus und scheidet mineralische Nährstoffe aus. Je mehr Mineralisierung, desto besser werden die Pflanzen ernährt. Nehmen die auf der Fläche wachsenden Pflanzen wegen Überversorgung die Mineralische Masse nicht auf, sackt diese mit dem Regenwasser in Richtung Grundwasser. Das gilt besonders für Stickstoff und Magnesium. Andere mineralischen Nährstoffe sind nicht so stark auswaschungsgefährdet.

Organische Masse (nicht pflanzenverfügbar)—->
Bodenleben ernährt sich und wandelt um
Mineralische Masse (pflanzenverfügbar)
z.B. Eiweiß (Protein)—->
Bodenleben ernährt sich und wandelt um
Stickstoff (Nitrat NO3, Ammonium NH4)
Eiweißreiche Pflanzenreste (Humus) werden vom Bodenleben „gefressen“. Ausgeschieden wird mineralisches Eiweiß (Stickstoff in Form von Nitrat und Ammonium). Die Pflanze nutzt den mineralischen Nährstoff Stickstoff z.B. für ihr Wachstum und bildet Blätter. Sie enthalten dann wieder organisches Eiweiß. Der Kreislauf beginnt wieder bei den eiweißreichen Pflanzenresten.

Grünlandböden haben wesentlich mehr Humusanteile als Ackerböden.

GrünlandbodenAckerboden
30 – 80 dt/ha/p.a. Organische Trockenmasse5 – 30 dt/ha/p.a. Organische Trockenmasse
1 dt = Dezitonne = 1/10 Tonne = 100 kg ; 1 Hektar = 1 HektoAr = 100 Ar = 10.000 m2

Der Humusabbau beim Dauergrünland durch Mineralisierung ist unter landwirtschaftlicher Nutzung, auch der Pferdehaltung, schneller (2 – 4 Jahre) als der Humusaufbau. Im Durchschnitt werden 1 – 5% der Organische Masse des Bodens im Jahr minimalisiert. Um den Humusgehalt konstant halten zu können, muss deshalb als Ausgleich ebenfalls 1 – 5% Organische Masse pro Jahr dem Boden wieder zugeführt werden (Stroh, Gülle, Mist, Mulch, Kompost, usw.). Durchschnittszahlen veranschaulichen die notwendigen Massen: 1 dt – 4 dt (100 kg – 400 kg) Organische Trockenmasse je Hektar (10.000 m2) müssen dem Boden jedes Jahr zugeführt werden, um den Anteil der Organischen Masse im Boden zu erhalten . Das entspricht etwa 100 dt Rindermist je Hektar. Gleichzeitig ist mit dieser Menge auch die durch die Pflanzen entzogene Stickstoffmenge dem Boden wieder zugeführt.

Warum ist der Nährstoffkreislauf Organische Masse -> Mineralische Masse -> Organische Masse defizitär?

Dafür gibt es mehrere Gründe: Zunächst einmal fressen die Pferde Gras (Organische Masse). Einen Teil scheiden sie wieder mit den Pferdeäpfeln aus, haben allerdings vorher Nährstoffe für sich selber verbraucht, wie Eiweiß zum Muskelaufbau und Zucker und Stärke zur Bewegung und Heizung. Wenn dann der Pferdeapfel in den Boden gelangt, nutzt zunächst das Bodenleben die ausgeschiedenen, restlichen Nährstoffe zur eigenen Ernährung, Bewegung und Heizung. Der Energiebedarf des aktiven Bodenleben ist deshalb nicht zu vernachlässigen, denn bei der Umwandlung von organischer zu mineralischer Masse entstehen z.T. hohe Temperaturen, die durchaus 70°C erreichen können und nicht selten zur Selbstentzündung führen. Aschenester in Heuballen dokumentieren einen stattgefunden Schwelbrand in dem Ballen, dem aber glücklicherweise der Sauerstoff ausging. Wäre dieser Ballen während des Schwelbrandes geöffnet worden und Sauerstoff eingedrungen, hätte der zugeführte Sauerstoff ein Feuer entfacht.

Übrigens: Nach diesem Prinzip heizt ein Pferd seinen Körper und übersteht locker den harten Winter in der Steppe. Diese „Heizung“ funktioniert allerdings nur auskömmlich, wenn genügend Grundfutter (Heu, Stroh, Gras, Silage) gefüttert wird ( 2 -2,5 kg Raufutter/ 100 kg Lebensmasse). Erst dann befindet sich genügend organische Masse („Futter“) für die Verdauungsbakterien in den Dickdärmen, um genügend Wärme zu produzieren und das Pferd ausreichend zu erwärmen. Also: Heu statt Decke!

Dauergrünland hat teilweise die selbe Menge Organische Masse unterirdisch als auch überirdisch. Gräser, die besonders trocken- und kälteunempfindlich sind, wie z.B. das Federgras, aber sogar mehr Organische Masse unterirdisch als überirdisch. Etwa 80% – 90% der Pflanzenwurzeln werden jährlich im Grünland erneuert. Die abgestorbenen Wurzeln erhöhen den Humusgehalt des Bodens und ernähren das Bodenleben.

Das Dauergrünland trägt nicht unerheblich zur Kohlenstoffreduzierung in der Atmosphäre bei, denn der Grünlandboden hält hohe Kohlenstoffdioxidmengen (humifizierte Wurzeln) im Boden und verhindert die Abgabe des gasförmigen Kohlenstoffs (Kohlenstoffdioxid CO2) in die Atmosphäre. Da das gasförmige Kohlenstoffdixid (CO2) ganz wesentlich als Treibhausgas am Klimawandel beteiligt ist, kann das Dauergrünland, ebenso wie der Wald, einen wesentlichen Beitrag zur Vermeidung klimaschädlicher Gase in der Atmosphäre beitragen.

Weil Dauergrünland große Mengen Kohlenstoff im Boden bindet (gebundenes CO2), sinkt der Kohlenstoffgasgehalt (CO2) der Atmosphäre, bzw. steigt nicht so stark an.

Mehr Infos zu dem komplexen Vorgängen findest Du hier

Dauergrünland spielt eine wichtige Rolle bei der Bewältigung des menschengemachten Klimawandels.

Immer wieder wird propagiert, das Grünland zur Sanierung umzupflügen (umzubrechen) und neu anzusäen. Teilweise wird der Umbruch des Dauergrünlandes standardmäßig alle 7 – 10 Jahre vorgeschlagen. Vor dem Grünlandumbruch muss dringend gewarnt werden, denn mit dem Belüften (Sauerstoffzuführung) und der Erwärmung des umgebrochenen Bodens vermehrt sich das Bodenleben explosionsartig. Es findet reichlich die im Boden gebundenen Kohlenstoffe (humifizierte Wurzelreste), nimmt sie massenhaft auf und scheidet entsprechend große Mengen mineralische Masse wieder aus. Die dabei entstehenden mineralischen Stickstoffmengen sind übermäßig hoch und können von den wenigen Pflanzen der zerstörten Grünlandnarbe gar nicht restlos aufgenommen werden. Die Überschüsse gehen mit dem Regen in Richtung Grundwasser und reichern dieses mit Nitrat an. Bei einem Grünlandumbruch versichern durchschnittlich 5 t Nitrat je Hektar in das Grundwasser. Die Bakterien atmen, wie alle Lebewesen, Sauerstoff ein und Kohlendioxid aus. Da sich die Bakterien derartig rasant vermehren konnten, werden ungewöhnlich große Mengen klimaschädliche Gase, wie Kohlenoxid-, Methan- und Lachgas, frei und gelangen in die Atmosphäre. Der Treibhauseffekt durch die Klimagase nimmt zu, der Klimawandel verstärkt sich.

Neben der schädlichen Belastung des Grundwassers mit Nitrat und der Anreicherung der Atmosphäre mit dem klimaschädlichem Lachgas (N2O) und Kohlendioxidgas (CO2), ist auch aus praktischer Sicht ein Grünlandumbruch nicht zielführend, denn die neu eingesäte Fläche ist erst nach frühestens 3, meist aber erst nach 5 Jahren überhaupt trittfest genug für die Pferdehaltung. In dieser Übergangszeit eignet sich die Fläche lediglich zur Heuproduktion. Kurz und knapp: Das Grünland wird erst in etwa 5 Jahren zur Weide. Auch ist das Risiko relativ groß, dass ein teurer Umbruch und die Neuaussaat nicht zum gewünschten Erfolg führen. Verantwortlich für das nicht kalkulierbare, hohe Risiko sind unter anderem das Klima, die Saatgutwahl, die Saatgutqualität, die Saatgutzusammensetzung, Aussaatzeitpunkt, Fachkenntnis, Sorgfalt der ausgeführten Arbeitsgänge, usw.. Merke: Nicht jeder Grünlandsanierung durch Umbruch wird gelingen.

Die Zerstörung der alten Narbe durch einen Grünlandumbruch hat neben den schädlichen Auswirkungen auf das Klima und das Grundwasser viele ernstzunehmende Nachteile für die Qualität des Pferdegrünlandes:

  • Direkt nach dem Umbruch zunächst starke Bodenlockerung und Bodenbelüftung
  • extrem schneller Abbau der Organischen Masse durch das Bodenleben
  • Bodenleben steigt rasant, explosionsartig an
  • Anstieg des Bodenlebens führt zur erhöhten Reduzierung der Organischen Masse
  • Mit der Reduzierung der Organischen Masse nimmt das Bodenleben wieder deutlich ab
  • Bodenkrümelung (Bodenkolloide) wird zerstört
  • Bodenporen werden kleiner
  • Stauwasser, Wasser verdunstet oberflächlich und steht den Pflanzen nicht zur Verfügung
  • Erosion durch Wasser und Wind
  • Boden verdichtet sich
  • Unterboden bekommt weniger Wasser durchgeleitet
  • Bodenleben immer stärker nimmt ab
  • Ausgebrachte Grünlandsaat wurzelt schlecht und weniger tief und findet schwer Wasseranschluss

Der Grünlandumbruch ist aus Sicht des Klimaschutzes und des Grundwasserschutzes eine wirkliche Katastrophe. Pferdehalter haben deshalb die Verpflichtung, das Pferdegrünland so zu pflegen, dass es dauerhaft Dauergrünland ist und bleibt. Nur dann ist die Pferdehaltung weitgehend klimaneutral. Da auch das Bundesverfassungsgericht die rasche und verbindliche Entwicklung von Deutschland zur Klimaneutralität einfordert, werden sich Pferdehalter in gar nicht ferner Zeit fragen lassen müssen, wie sie zur Klimaneutralität beitragen. Wenn diese Antworten nicht stichhaltig ausfallen, könnte die Akzeptanz der Bevölkerung mit der Pferdehaltung, ähnlich wie derzeit mit der Massentierhaltung, verloren gehen.

Methode der Wahl ist die Vermeidung des Grünlandumbruches durch geschickte Grünlandverbesserung:

Bodenprobe – Nährstoffbalancierung – Humuseintrag -oberflächliche Bodenbearbeitung und Einbringung von Saatgut (Schlitzsaat bzw. Striegelsaat) erwünschter Gräser und Kräuter in die alte Narbe: Anstelle eines Umbruches wird die Narbe nur bearbeitet. Bei der Auswahl des Saatgutes sollten sich Pferdehalter gut informieren und die ortstypischen Gräser und Kräuter bestimmen. Das gelingt besonders gut auf Randstreifen und wenig intensivierten Grünlandflächen. Nichtregionales Saatgut, das nicht an einen bestimmten Standort (Boden, Klima, Höhenlage, usw.) angepasst ist, stellt sich nach kurzer Zeit schon als absolute Fehlinvestition dar. Bei der Reparatursaat sollten besonders trockenheitstolerante, lokale Sorte ausgewählt werden. Mehr erfahrt Ihr hier. Auf Weidelgras sollte im Regelfall komplett verzichtet werden. Hilfreich vor der Saat ist ein scharfes Striegeln der Fläche zur Entfernung des Grasfilzes und danach die anschließende Saat im Strichabstand von ca. 4 – 7 cm und einer Tiefe von 2 cm. Zum Einsatz bei der Reparatursaat kommt die Technik Schlitzsaat ( Schlitze (Saatrillen) oder Perforationen (ca. 500 Saatlöcher je Quadratmeter) oder die Striegelsaat mit der Zinkensaattechnik. Bei der Reparatursaat sind ca. 12 kg Saatgut je Hektar (10.000m2) einzuplanen und preislich zu kalkulieren. Großzügige Kalkulation sollte vermieden werden, denn Saatgut ist relativ teuer. Eine Stickstoffdüngung zur Aussaat ist in aller Regel nicht notwendig und auch kontraindiziert, denn dann wurzeln die keimenden Gräser nicht tief genug und finden nur schwer Wasser- und Nährstoffanschluss.

Dabei muss allen Pferdehaltern klar sein, dass das biologisch so wertvolle Dauergrünland, bis auf wenige Ausnahmen, in Deutschland immer anthropogen beeinflusst ist und einer ständigen Pflege bedarf: Die Weidepflege. Ohne diese gibt es kein Dauergrünland in Deutschland, auch nicht für unsere Pferde. Laissez faire beim Grünland wird weder unserer Landschaft, unseren Pferden noch der Umwelt gerecht. Umso mehr in Zeiten des fortschreitenden Klimawandels.

Tipp zur Jahreszeit der Reparatursaat

Der günstigste Zeitpunkt für eine notwendige Reparatursaat ist der Spätsommer, Mitte August bis Mitte September. Das sind Gründe für eine Grünlandsanierung im Frühherbst:

  • günstige Feuchtigkeitsgehalte des Bodens,
  • Tauwasser verhindert Trockenschäden,
  • gemäßigte Temperaturen sowie
  • relativ wenig Konkurrenzdruck durch die Altnarbe und Verminderung des Verkrautungsproblem .

Diese günstigen Faktoren erhöhen die Chance einer erfolgreichen Grünlandsanierung.

Achtung: Ein Grünlandumbruch ist mittlerweile (auch für private Pferdehalter!) verboten und nur noch erlaubt, wenn die Untere Naturschutzbehörde dazu die Erlaubnis erteilt. Erst dann (!) darf die vorhandene Grünlandnarbe zerstört werden. Einige Bundesländer, so z.B. Niedersachsen, haben noch schärfere Auflagen, die auch von den Pferdehaltern einzuhalten sind. In Niedersachsen ist der Narbenumbruch erosionsgefährdeter Hänge, Überschwemmungsgebiete und Moore >30% Organische Masse ausnahmslos verboten. Liegt keine Genehmigung für einen Grünlandumbruch vor, drohen hohe Bußgelder.

Wer nachhaltig Pferde halten will, muss sich auch mit dem Grünlandmanagement auseinandersetzen.

Strategien: Das Wasser in der Landschaft behalten

Es ist ein ständiges Tauziehen: Naturschützer wollen das Wasser in der Landschaft behalten damit es in den Boden eindringt und als Wasserspeicher fungiert und Landwirte drängen auf Drainage ihrer Anbauflächen, um auch Moore, Feuchtgebiete, Auen und Überflutungsflächen, die früher lediglich eingeschränkt als Grünland nutzbar waren, landwirtschaftlich zum Getreide- oder Maisanbau nutzen zu können.

Mit einer intelligenten Wasserführung lässt sich das Wasser in der Landschaft halten. Die nächste Dürrezeit kommt bestimmt. Im Boden gespeichertes Wasser hilft in der Trockenzeit.

Im Zeichen des fortschreitenden Klimawandels kann die über Jahrzehnte praktizierte Entwässerung der Landschaft so nicht mehr verantwortet werden. War es bisher üblich, dass die Entwässerungsverbände/ Wasserwirtschaftsverbände oft dem Wunsch der Landwirtschaft nach Entwässerung weitgehend nachkamen, so konnte auch auf feuchten Böden intensive Landwirtschaft betrieben werden. Durch die Entwässerung werden die Bodenporen belüftet und die durch das hohe Grundwasser konservierte organische Masse wird durch das auflebende Bodenleben mineralisiert. Große Mengen nicht von Pflanzen aufgenommener Stickstoff sickern in das Grundwasser und gleichzeitig wird klimaschädliches Gas, vorrangig Kohlenstoffdioxid und Lachgas, frei und gelang in die Atmosphäre. Besonders kritisch sind die Lachgaseinträge in die Atmosphäre, weil sie ca. 300 x klimaschädlicher als Kohlenstoffdioxid sind. Weitere Folge ist, dass der nunmehr mineralisierte Boden deutlich dichter ist als ein Boden mit hohem organischen Anteilen: der Boden sinkt in Richtung Grundwasser. Die Landwirte stellen fest, dass ihre Böden wieder zu nass werden und drängen auf vermehrte Entwässerung. Eine Schraube ohne Ende. Wer diesen Effekt direkt beobachten möchte, der/die kann gut geologische Karten aus verschiedenen Zeitabschnitten vergleichen. Die Flächen sinken immer tiefer ab.

Wenn organische Masse, wie z.B. Torf oder Wurzelgeflechte, belüftet werden, wandelt das sich entwickelnde Bodenleben die organische Masse in mineralische Masse (Mineralboden) um. Die Dichte des Mineralbodens ist größer, der Boden sinkt zusammen und in Richtung Schwerpunkt. Die Landschaft fällt tiefer. Bis zu 3 – 4 cm pro Jahr. Die ursprüngliche Landschaftshöhe kann man/frau jederzeit an unten Brücken erkennen, die auf den ortsstabilen Sand gegründet werden.

Besonders eindrucksvoll sind z.B. Brücken über Entwässerungsgräben auf Feldwegen. Diese sind meist tief bis in den Sand oder auf den Fels gegründet und senken sich, im Gegensatz zu den Feldwegen und der umgebenden Landschaft, nicht ab, sie stehen immer höher in der Landschaft. Jetzt wisst Ihr, warum manche Brücken zu Ölwannenkillern werden und deshalb alle Jahre die Anfahrten immer wieder angeflickt werden müssen.

Moore und Feuchtgebiete sind wertvolle Wasserspeicher. Deren Trockenlegung verhindert nicht nur Wasserspeicher für sommerliche Dürrezeiten, sondern produziert das klimaschädigende Treibhausgase, wie Kohlenstoffdioxidgas und und das besonders klimaschädigende Lachgas.

Neben der Vermeidung der Nitratanreicherung und dem Eintrag von klimaschädigendem Treibhausgase (CO2 und N2O) verbietet der Klimawandel mit seinem deutlichen Temperaturanstieg das Ableiten des Oberflächenwassers aus der Landschaft. Die Folgen der Dürresommer in den letzten Jahren lassen sich nur noch durch eine intelligente Wasserhaltestrategie in der Landschaft abmildern. Wasser steht in Deutschland bereits jetzt nicht mehr grenzenlos zur Verfügung, der Verteilungskampf hat bereits begonnen. Neben der vermehrten Anstauung des Oberflächenwassers in Gräben, der Wiederbelebung von Teichen, Seen, Überflutungsflächen und Auen müssen Feuchtgebiete, Moore und Flussläufen mit Pegelpendelraum renaturalisiert werden. Das Wasser muss in der Landschaft bleiben und darf nicht entsorgt werden, um die zunehmende Frühjahrs- und Sommerdürre abfedern zu können.

Das bedeutet aber auch, dass nicht an jedem Tag das Grünland von den Pferden beweidet werden kann. Wenn in der vegetationsfreien Winterzeit der Boden vermehrt Wasser speichern soll, dann hat das natürlich Auswirkungen auf die Trittfestigkeit des Grünlandes.

Wir müssen uns entscheiden: Dauernde, konsequente Entwässerung und Trittfestigkeit über das ganze Jahr mit dem Nachteil einer Futtermittelknappheit im Sommer oder aber ein Beweidungsstopp im Winter mit der Möglichkeit der Wasserspeicherung des Bodens und einer auskömmlichen Futterproduktion für unsere Pferden.

Beides, konsequente Entwässerung mit Allwetterweiden und ausreichende Futterproduktion gibt es heute und zukünftig nicht mehr.