Strategien: Dauergrünland erhalten und pflegen

Pferde und Klima im Fokus

Obwohl das Dauergrünland von Menschenhand in Mitteleuropa geschaffen und unterhalten werden muss, hat es sich im Laufe von mehreren tausend Jahren zu einem wertvollen Biotop entwickelt. Flora und Fauna haben sich an den vom Menschen stark beeinflussten Landschaftstyp angepasst. Viele Arten haben sich so exakt auf das Dauergrünland und die damit verbundenen mechanischen Eingriffe des Menschen angepasst, dass sie komplett darauf angewiesen sind.

Das Dauergrünland ist die Heimat vieler tausend Arten und damit biologisch vielfältiger als der Wald. Auch in seiner biologischen Produktivität schafft es das Dauergrünland vor den Wald. Damit ist das Dauergrünland wichtig für den Naturschutz.

Dauergrünland hat eine wichtige Funktion in der Pferdehaltung. Ohne Dauergrünland werden die Pferde nicht mit ausreichend Grundfutter versorgt und nicht tiergerecht, der Art entsprechend (Steppentier, Lauftier, Herdentier, usw.) gehalten. Die Verfütterung von Kraftfutter anstelle von Grundfutter (Gras, Silage, Heu, Stroh) ist nicht nur überflüssig, sondern auch nicht tiergerecht. Ein Großteil der Pferde in Europa leidet unter erheblicher Fettleibigkeit und Dauerstress. Eine tiergerechte Pferdehaltung erfordert ein Maximum an Weidehaltung. Lediglich aus klimatischen Gegebenheiten, zum Schutze des Bodens, ist eine Haltung in Einzelboxen überhaupt noch vertretbar. Das Grünland garantiert bei fachgerechtem Grünlandmanagement die tiergerechte Pferdehaltung entsprechend ihren genetisch festgelegten Bedürfnissen nach Fressen, Sozialverhalten, Ruhephasen, Bewegung. Können Pferden diesen Bedürfnissen nicht nachkommen, reagieren sie mit Verhaltensstörungen und/oder pathologischen Veränderungen.

Wer Pferde tiergerecht halten will, muss über eine erhebliche Sachkunde und ausreichend große Dauergrünland- und Paddockflächen verfügen. Mindestvoraussetzungen werden in den Leitlinien Pferdehaltung des Landwirtschaftsministeriums genannt und haben Richtwertcharakter. Zur Interpretation der Werte aus den Leitlinien: Die Leitlinien beschreiben die Grenze zur Tierschutzrelevanz. Sachverständige und Richter halten sich in aller Regel an diese Grenzwerte. Ein Mangel an Flächen rechtfertigt keine Überbelegung mit Pferden. Auch Massentierhaltung bei Pferden, nicht nur in der Schweinemast, schädigt die Tiere und belastet die Umwelt.

Dauergrünlandflächen begrenzen die Anzahl der gehaltenen Pferde.

Dauergrünland ist nicht nur für Pferde da. Es hat vielfältige Funktionen in der Landwirtschaft, ist Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen, Freizeit- und Erholungsraum für die Menschen und wirkt ausgesprochen landschaftsprägend. In den letzten Jahren ist das Dauergrünland sehr stark unter Druck geraten. Es wurde Vierorts umgebrochen für Verkehrsprojekte, Wohngebiete, Industrieflächen sowie Ackerschläge. Vielerorts sind die landschaftsprägenden Grünlandflächen in Maiskulturen umgewandelt worden. Das Grünland wird weniger und hat heute schon den Status „schützenswert“. Mit dem Grünland verschwinden zahlreiche Tier- und Pflanzenarten: Rund 40% aller in Deutschland gelisteten gefährdeten Pflanzenarten haben ihren Lebensraum im Dauergrünland. Mit der Verringerung der Arten ist die Biodiversität unseres Lebensraumes deutlich verringert.

Daten : Umweltbundesamt u. Schmidt 1979

Dauergrünland ist mittlerweile schützenswert und förderungswürdig

Nicht nur die zahlenmäßig verringerte Dauergrünlandfläche schafft vermehrt Probleme. Durch die abnehmende Dauergrünlandflächen in Deutschland werden die verbleibenden, geringer werdenden Flächen wesentlich intensiver bewirtschaftet, um den Ertragsrückgang ausgleichen zu können. Intensivierung bedeutet: Mehr Wachstumsdünger, schnell wachsende Gräser, wenig Wurzelmasse, Grasmonokulturen, Ackergrasbestände, höherer Pflanzenschutzeinsatz, Optimierung der Flächen durch Nutzung der Randstreifen, usw.. Für Pferde ist derartiges Grünland bzw. Futterkonserven von diesen Flächen nicht mehr tiergerecht, es ist zu eiweißhaltig, besitzt zu viel Energie und zu hohe Wassergehalte bei zu geringem Rohfasergehalt.

Am Beispiel Niedersachsen: Die Anzahl der Pferde steigt stark an, die Grünlandflächen verringern sich deutlich..

Dabei ist das Dauergrünland so wichtig für die Böden und einen wirksamen Klimaschutz

Das Dauergrünland leistet, besser noch als der Wald, einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz, denn durch seine hohe unterirdische Organische Masse (lebende und abgestorbene Wurzeln) speichert der Grünlandboden Kohlenstoff, reduziert also den Kohlenstoffgehalt der Atmosphäre. Zusätzlich kann Dauergrünland die Folgen des Klimawandels kompensieren zu helfen, indem Wasser im Boden gespeichert, Boden vor Erosion geschützt und die steigenden Temperaturen abgepuffert werden.

Wer Dauergrünland umbricht, sei es zur Sanierung oder zur Umnutzung, belastet die Natur sehr Stark mit Nitrat (NO3), Lachgas (N2O) und Kohlendioxid (CO2). Dieses sind exakt die „Klimakiller“, die für den deutlichen Klimawandel verantwortlich sind.

Die Begrenzung des Klimawandels gelingt Pferdehaltern*innen nur, wenn sie die Anzahl ihrer Pferde an die vorhandene Grünlandflächen koppeln* und gleichzeitig einen umfassenden Dauergrünlandschutz betreiben. Dann, nur dann, ist Pferdehaltung nachhaltig: tiergerecht, klimaneutral, sozial und ökologisch verantwortbar.

*Als Faustzahl kann gelten: Je Pferd und Jahr wird 1 Hektar (10.000 m2) Dauergrünland benötigt ( Weide und Winterheu).

Beobachtungen zum Klimawandel: Deutschlandwetter April 2021

Kalt, sonnig, trocken

Der kälteste April seit 40 Jahren: Der Osterhase mit Frostbeulen

Offenbach, 29. April 2021 – Die sommerliche Rekordwärme Ende März 2021 und der warme Start in den April ließen auf einen weiteren warmen Frühling hoffen. Doch die Strömung drehte rasch auf nördliche Richtungen, so dass der April 2021 mit den eingeflossenen kühlen und trockenen Luftmassen einen merklich kühleren Verlauf nahm. Unter dem Strich gab es seit 1980, also 40 Jahren, keinen so kühlen April mehr. Uwe Kirsche, Pressesprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD): „Auch in Zeiten der Erderwärmung ist ein deutlich zu kühler Monat zwar seltener, aber immer möglich. Dieser April ändert nichts am Trend. Seit Aufzeichnungsbeginn 1881 hat sich die Monatsmitteltemperatur im April in Deutschland um knapp zwei Grad erhöht.“ Zugleich war der April 2021 deutlich zu trocken und recht sonnig. Das meldet der DWD nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2 000 Messstationen.

Ein deutlich zu kühler April mit außergewöhnlich vielen Frosttagen
Der Temperaturdurchschnitt lag im April 2021 mit 6,1 Grad Celsius (°C) um -1,3 Grad unter dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Im Vergleich zur aktuellen und wärmeren Vergleichsperiode 1991 bis 2020 betrug die Abweichung -2,9 Grad. Die Wärme im Übergang zum April brachte am 1. dem Südwesten des Landes noch frühsommerliche Temperaturen. In Müllheim, südlich von Freiburg, gab es mit 25,9°C den Monatshöchstwert. Das war nur ein kurzes sommerliches Intermezzo. Schnell übernahmen kühle Nordwinde die Vorherrschaft und drückten das Temperaturniveau deutlich herab. Nach Jahren sehr warmer Aprilmonate war der diesjährige Ostermonat am Ende der kühlste seit 1980. Auch die Frosthäufigkeit nahm ein ungewöhnliches Ausmaß an. Mit knapp 13 Frosttagen im Mittel aller DWD-Stationen war es nach 1929 hierzulande der zweitfrostreichste April. Am eisigsten wurde es am 6. mit -13,6 °C auf der Schwäbischen Alb in Meßstetten. Am 11. trennte eine Luftmassengrenze über Deutschland den Spätwinter im Nordwesten vom Frühsommer im Südosten des Landes. Während dabei an der Nordsee Höchstwerte von 5 °C gemessen wurden, stieg das Quecksilber in Ober- und Niederbayern über 22°C.

Seit 2009 war jeder April in Deutschland zu trocken
Im April fiel mit rund 35 Litern pro Quadratmeter (l/m²) knapp 40 Prozent weniger Niederschlag als im Mittel der Referenzperiode 1961 bis 1990 mit 58 l/m². Verglichen mit der Periode 1991 bis 2020 lag das Minus bei fast 25 Prozent. Damit war seit 2009 jeder April in Deutschland zu trocken. 2008 waren im April noch 80 l/m² gefallen. Ausgeprägte Niederschlagsaktivitäten waren vor allem in der ersten Monatshälfte vorzufinden. Schnee- und Graupelschauer verwandelten das Bergland und Flachland vorübergehend noch einmal in eine Winterlandschaft. In Oberstdorf im Allgäu lagen beispielsweise am 7. 40 cm Schnee, der Kahle Asten im Sauerland meldete am 8. 34 cm. Aber auch Gewitter waren mit von der Partie. So meldete Waldeck-Alraft, westlich von Kassel, aufgrund eines Starkregengewitters am 20. mit 32 l/m² den bundesweit höchsten Tagesniederschlag. Die größte Monatssumme wurde an der Station Kreuth-Glashütte im oberbayerischen Landkreis Miesbach mit nahezu 100 l/m² beobachtet. Am trockensten blieb es unter anderem im Donauumfeld. Hier fielen stellenweise keine 15 l/m².

Weitgehend sonniger April, nur in östlichen Regionen recht trüb
Mit 185 Stunden überragte die Sonnenscheindauer im April ihr Soll von 154 Stunden (Periode 1961 bis 1990) um rund 20 Prozent. Im Vergleich zu 1991 bis 2020 war die Sonnenscheindauer mit 185 Stunden ausgeglichen. Mehr als 200 Stunden bekamen die Küsten und der Südwesten des Landes die Sonne zu Gesicht. In den östlichen Regionen zeigte sie sich dagegen teilweise nur halb so lang.

Das Wetter in den Bundesländern im April 2021
(In Klammern finden Sie die vieljährigen Mittelwerte der internationalen Referenzperiode 1961-1990. Der Vergleich aktueller mit diesen vieljährigen Werten ermöglicht eine Einschätzung des längerfristigen Klimawandels)

Baden-Württemberg: Im südwestlichsten Bundesland ermittelte der DWD eine Monatsmitteltemperatur von 6,6 °C (7,4 °C). In Müllheim, südlich von Freiburg, wurde am 1. mit 25,9°C die bundesweit höchste Temperatur gemessen. Schnell kühlte es aber ab und im weiteren Monatsverlauf wurde der April mit im Mittel 15 Frosttagen der frostreichste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Am 6. ging die Temperatur auf der Schwäbischen Alb in Meßstetten sogar auf -13,6 zurück. Es war der bundesweit tiefste Wert. 30 l/m² (78 l/m²) Niederschlag fielen in der Fläche und 200 Stunden (151 Stunden) zeigte sich die Sonne.

Bayern: Der Freistaat kam auf 6,0 °C (7,0 °C). Im frostreichsten April seit 1938 sank die Temperatur im Mittel an fast 15 Tagen unter den Gefrierpunkt. Bad Königshofen in Unterfranken meldete sogar 21 Frosttage. Rund 30 l/m² (70 l/m²) Niederschlag erfassten die Stationen des DWD. Bayern war damit ein trockenes Bundesland. Gleichwohl wurde die höchste Monatssumme an der Station Kreuth-Glashütte im oberbayerischen Landkreis Miesbach mit etwa 100 l/m² datiert. Am 8. erreichte die Schneedecke dort sogar nochmal 65 cm. Die Sonne schien in der Fläche fast 195 Stunden (154 Stunden).

Berlin: Die Bundeshauptstadt war mit 7,0 °C (8,4 °C) und aufgerundet 25 l/m² (40 l/m²) Niederschlag die zweitwärmste und trockenste Region. Mit gut 160 Sonnenstunden (161 Stunden) war Berlin darüber hinaus ein sonnenscheinarmes Bundesland.

Brandenburg: Hier registrierten die Wetterbeobachter 6,3 °C (7,8 °C) und rund 30 l/m² (41 l/m²) Niederschlag. Mit rund 155 Stunden (163 Stunden) war Brandenburg das zweitsonnenscheinärmste Bundesland.

Bremen: Die Hansestadt ermittelte 6,7 °C (7,6 °C). Neben 40 l/m² (48 l/m²) Niederschlag schien die Sonne fast 200 Stunden (155 Stunden).

Hamburg: Die Hafenmetropole meldete 6,4 °C (7,5 °C), als nassestes Bundesland rund 45 l/m² (50 l/m²) Niederschlag und rund 200 Stunden (156 Stunden) Sonnenschein.

Hessen: Hier erreichte die Temperatur 6,1 °C (7,5°C). Damit war es der kälteste April seit 1977 und seit 1938 sogar der frostreichste. Einige Stationen meldeten sogar eine neue Höchstzahl an Frosttagen. Gießen/Wettenberg registrierte erstmals in seiner 82-jährigen Aufzeichnungsreihe 12 Frosttage. Fast 40 l/m² (59 l/m²) Niederschlag wurden gemessen. Waldeck-Alraft, westlich von Kassel, meldete aufgrund am 20. mit 32 l/m² die bundesweit höchste Tagesmenge. Der Sonnenschein summierte sich auf 190 Stunden (152 Stunden).

Mecklenburg-Vorpommern: Im nordöstlichen Bundesland erreichte die Apriltemperatur im Mittel 5,8 °C (6,7 °C) und die Niederschlagsmenge rund 25 l/m²(42 l/m²). Mecklenburg-Vorpommern war die zweittrockenste Region. 200 Stunden (167 Stunden) lachte die Sonne.

Niedersachsen: Niedersachsen meldete mit 6,2 °C (7,5 °C) den kältesten April seit 1977. Neben 40 l/m² (52 l/m²) schien die Sonne 175 Stunden (151 Stunden).

Nordrhein-Westfalen: NRW erlebte mit 6,1 °C (7,9°C) den kältesten April seit 1977. Mit einer mittleren Anzahl von fast 12 Frosttagen war es darüber hinaus dort der frostreichste Ostermonat seit Messbeginn. Als zweitniederschlagsreichstes Bundesland ermittelte NRW knapp 45 l/m² (62 l/m²). Dazu zeigte sich die Sonne fast 175 Stunden (148 Stunden).

Rheinland-Pfalz: Hier brachte der April eine Temperatur von 6,5 °C (7,8 °C) und gilt so als kältester seit 1986 und zweitfrostreichster seit Messbeginn. 35 l/m² (57 l/m²) Niederschlag und gut 215 Sonnenstunden (151 Stunden) wurden erfasst.

Saarland: Das Saarland war mit 7,3 °C (8,2 °C) die wärmste Region in Deutschland. Dennoch ging der April 2021 als drittfrostreichster in die Geschichte ein. Es fielen niederschlagsarme 35 l/m² (64 l/m²) und mit 225 Sonnenstunden (155 Stunden) war es das zweisonnigste Bundesland.

Sachsen: Sachsen war mit 5,3 °C (7,3 °C) das zweitkälteste Bundesland. Fast 35 l/m² (57 l/m²) Niederschlag kamen zusammen und mit nahezu 145 Sonnenstunden (150 Stunden) war Sachsen die mit Abstand sonnenscheinärmste Region.

Sachsen-Anhalt: Sachsen-Anhalt erlebte mit 6,0 °C (7,8°C) den kältesten April seit 1977 und den mit den meisten Frosttagen seit Messbeginn. Etwa 30 l/m² (43 l/m²) und rund 165 Sonnenstunden (152 Stunden) wurden gemessen.

Schleswig-Holstein: Das nördlichste Bundesland erreichte im April 6,0 °C (6,6 °C) und 35 l/m² (49 l/m²) Niederschlag. Gut 225 Sonnenstunden (164 Stunden) wurden gemessen. Schleswig-Holstein war damit das sonnigste Bundesland.

Thüringen: Thüringen war mit 5,1 °C (6,8 °C) das kühlste Bundesland und verkündete darüber hinaus den kältesten April seit 1980. 35 l/m² (58 l/m²) Niederschlag und 160 Stunden (147 Stunden) Sonnenschein wurden registriert.

Quelle: DWD

Strategie: Knicks anlegen

Knicks sind Hecken, aber nicht vergleichbar mit Hecken, die in Vorgärten stehen. Im Gegensatz zur Gartenhecke bestehen Knicks aus einer Vielzahl von Bäumen und Büschen. Damit die Hecken als Windschutz fungieren können, ist ein dichter Bewuchs notwendig. Damit ein Knick seine klimatische Heckenfunktion nicht verliert, wird er etwa alle 8 -10 Jahre komplett heruntergeschnitten. In Norddeutschland sagt man/frau „auf-den-Stock-setzen“.

Ein Knick wirkt weit in das Grünland herein. Das gilt für das Klima als auch für die Fauna und Flora. Wissenschaftler haben beobachten können, dass sich die Artenvielfalt sowohl bei den Pflanzen als auch den Tieren um ein Vielfaches erhöht, es wurden bis zu 1800 Tier- und Pflanzenarten gezählt.

Der klimatische Einfluss auf das Grünland ist beachtlich und kann auch ein Pfeiler bei der strategischen Adaption an den menschengemachten Klimawandel sein. Besonders in trockenen, semiariden Regionen in Deutschland lässt sich der Wasserhaushalt verbessern, da die Hecke ihrerseits Wasser hält, Schatten als Verdunstungsschutz bietet und, ganz wesentlich, der Wind und somit die Verdunstung deutlich abgeschwächt wird. Hecken verhindern Bodenerosionen und bieten den Pferden einen guten Witterungs- und Sonnenschutz. Besonders wirksam sind Hecken, die die Hauptwindrichtung brechen. Nicht immer besteht die Notwendigkeit alle vier Seiten einer Grünlandfläche mit einer Hecke zu umrunden. Hecken müssen grundsätzlich gegen Verbiss der Pferde abgezäunt werden. Die den Zaun überwachsene Zweige können von den Pferden durch Verbiss in Form gehalten werden, sofern es sich um pferdegerechte Arten handelt. Anstelle von sehr hohen Laubbäumen eignen sich als Solitärbäume auch Obstgehölze. Falls notwendig, kann auch auf Solitärgehölze verzichtet werden.

Dann klappt es auch mit dem Knick

  1. Einen Knick regelmäßig etwa alle 10 bis 15 Jahre „Auf-den-Stock-setzen“.
  2. Dabei werden alle Gehölze etwa 15 cm über dem Boden abgeschnitten/ abgesägt.
  3. Alle Pflanzen bleiben im Boden und sollen neu austreiben.
  4. Etwa alle 50 m bleibt ein Baum ungekürzt und kann sich zum Solitärgehölz entwickeln.
Alle 8 – 10 Jahre wird die Hecke/Knick auf den Stock gesetzt. Wird das nicht gemacht, wird aus einer dichten Hecke eine luftige Baumreihe, die einen weitaus geringeren Klimaeinfluss und auch geringere Artenvielfalt hat.

Je artenreicher ein Knick, desto wertvoller die Lebensgemeinschaften, die dort heimisch werden. Klar, dass Knicks im Bereich der Pferdeweide tiergerecht sein müssen, für Pferde giftige Pflanzen, wie z.B. Eiben, Robinien, Rhododendron aber auch aus dem Garten entnommene Exoten, wie Oleander oder Kirschlorbeer sind nicht geeignet. Der frühere Professor des Lehrstuhls Ökologie der Universität Kiel, Wolfgang Tischler, beschreibt kurz und prägnant, warum Knicks/ Hecken besonders wertvoll, nachhaltig und nicht nur eine Naturschwärmerei sind:

Vernünftigen wirtschaftlichen Belangen gegenüber aufgeschlossen zu sein, sich die ökologischen Erkenntnisse bei der Gestaltung der Landschaft nutzbar zu machen und gleichzeitig die Schönheit und Vielfalt der Natur nicht aus den Augen zu verlieren, diese drei Gesichtspunkte brauchen sich nicht auszuschließen, sondern lassen sich durchaus miteinander vereinen.

Tischler: Biologie der Kulturlandschaft, Stuttgart, New York 1980, S. 173

Nachhaltigkeit

Die Anlage eines Knicks, Hecke, gleich ob mit oder ohne Wall, ist ein Vorzeigeprojekt für Nachhaltigkeit. Wer das oben stehende Zitat von Tischler gelesen hat, der erkennt den ökonomischen, den ökologischen und den sozialen Aspekt. Und genau das ist Nachhaltigkeit, die scheinbar unmögliche Verzahnung von Ökonomie, Ökologie und Sozialem. Und deshalb kann eine Pferdeanlage mit einem Heckenprojekt ohne schlechtes Gewissen eine nachhaltige Bewirtschaftung in diesem Bereich herausstellen und auch bewerben, ohne sich dem Vorwurf des Greenwashings auszusetzen. Für Pensionsbetriebe eignet sich ein Knick- Projekt als Alleinstellungsmerkmal im Werben um Kundschaft.

Werben mit der Nachhaltigkeit – Warum nicht?

Nachhaltige Projekte kosten Geld. Das muss verdient werden. Deshalb ist es moralisch gut zu vertreten, dass mit Nachhaltigkeit Kunden geworben werden. Auch im Pferdebereich ist Massentierhaltung billiger, auch im Pferdebereich sind verschlurte Weiden, die ökologisch nur noch als Ausläufe bezeichnet werden können, natürlich billiger. Also – Warum nicht mit Nachhaltigkeit werben.

Geeignete Pflanzen für einen Knick um das Pferdegrünland

Weide
Haselnuss
Felsenbirne
Quitte
Sommerlinde
Kornelkirsche
Weißdorn
Forsythie
Schlehe (Schwarzdorn)
Mehlbeere
Johannisbeere
Holunder
Flieder
Spiräen
Weigelie
Hortensie
Johannisbeere
Eberesche
Feuerdorn
Flieder
Linde
Holzapfel
Erle
Ulme
Pappel
Birke
Fingerstrauch
Himbeere
Brombeere
Hartriegel
Hagebutte
Wildrosen (z.B. Hundsrose , Syltrose)
Wildapfel
Wildbirne
alle Obstbäume
Diese Liste ist nicht auf ein bestimmtes Biotop abgestimmt. Regionale Besonderheiten (Klima, Boden, Höhenlage, usw.) können andere Zusammensetzungen erfordern. Besondere Beachtung sollten immer heimische Sorten bekommen.

Weitere Infos zur Knickanlage

Nabu, Wallhecke, Kreis Plön, Deula, Niedersachsen

Strategie: Phänologischen Garten anlegen

Der Vorfrühling hat endlich den Winter abgelöst. Zeit für eine Bodenprobe.

Um das aktuelle Wirtschaftsjahr für das Pferdegrünland zielgerichteter planen und führen zu können, ist ein sog. Phänologischer Garten ausgesprochen hilfreich. Da viele Maßnahmen der Grünlandpflege sehr stark abhängig vom Klima sind, wie z.B. Aussaat, Düngung, Weidebeginn, Grasschnitt, kann ein Phänologischer Garten durchaus hilfreich sein. Dieser kann als eingezäunte Insel auf der Weide, als windschützende Hecke (Knick) und gleichzeitig wertvoller Biotop neben der Weide oder im Bereich des Betriebes im Stile eines botanischen Gartens angelegt werden. Letzterer muss aber ähnliche klimatische Bedingungen wie die Grünlandflächen aufweisen.

Die ersten Äpfel, der Spätsommer hat begonnen.

Folgende Pflanzen sind nach dem Standard des Deutschen Wetterdienstes auszuwählen:

phänologische JahreszeitLeitpflanzeErsatzleitpflanze
VorfrühlingHasel (Blüte)Schneeglöckchen (Blüte)
ErstfrühlingForsythie (Blüte)Stachelbeere (Blattentfaltung)
VollfrühlingApfel (Blüte)Stiel-Eiche (Blattentfaltung)
FrühsommerSchwarzer Holunder (Blüte)Robinie (Blüte)
Achtung: Giftpflanze +++ für Pferde.
Diese Pflanze nicht nutzen!
HochsommerSommer-Linde (Blüte)Rote Johannisbeere (Früchte)
SpätsommerApfel, frühreifendEberesche (Früchte)
FrühherbstSchwarzer Holunder (Früchte)Kornelkirsche (Früchte)
VollherbstStiel-Eiche (Früchte)Rosskastanie (Früchte)
SpätherbstStiel-Eiche (Blattverfärbung) Eberesche (Blattfall)
WinterStiel-Eiche (Blattfall)Apfel, spätreifend (Blattfall)
+Europäische. Lärche (Nadelfall) 
Apfelblüte, der Vollfrühling ist da.

Durchaus überlegenswert ist, einen Phänologischen Garten so anzulegen und zu beschriften, dass Stallgemeinschaften, Reiterinnen und Reiter, Kunden, Besucher, Spaziergänger usw. erkennen können, welche Funktion ein Phänologischer Garten hat und so für das Klima, die Klimabeobachtung und den Klimawandel zu sensibilisieren. Professionell wirtschaftende Pensionsställe und Reitschulen haben so die Möglichkeit, sich mit einem positiv besetzten Alleinstellungsmerkmal am Markt zu positionieren.

Ideal ist natürlich die Kombination Hecke (in Norddeutschland Knick genannt) am Weiderand anzulegen. Mehr Infos hierzu findet Ihr hier.

Mal sehen, wer mir die ersten Fotos eines eigenen Phänologischen Garten zuschickt?

Der Blattfall der Stileiche hat begonnen, der Winter ist da.

Der Deutsche Wetterdienst sucht ehrenamtliche phänologische Beobachterinnen und Beobachter

Das phänologische Grundnetz des DWDwird von ehrenamtlichen Pflanzenbeobachtern getragen. Es sind Idealisten und Naturliebhaber, die während der gesamten Vegetationsperiode die gefragten Daten der Pflanzenentwicklung notieren. Ein Teil der Ehrenamtlichen ist für diese Aufgabe bereits beruflich prädestiniert, z.B. als Landwirt, Gärtner, Biologe, Pflanzenschutzberater, Biologielehrer oder Forstbediensteter. Andere Beobachter arbeiten sich engagiert in die für sie neue schwierige Materie ein. Allen gemeinsam ist das Interesse am Umweltgeschehen und das Wissen um die heimische Flora. Die phänologischen Beobachter werden von Mitarbeitern der Abteilung Agrarmeteorologie telefonisch und schriftlich betreut und erhalten regelmäßig das Phänologie-Journal. Eine persönliche Einweisung der Beobachter durch Bedienstete des DWDerfolgt nicht. Arbeitsgrundlage für die ehrenamtlichen Beobachter ist die ausführliche „Anleitung für die phänologischen Beobachter des Deutschen Wetterdienstes“, in der die Pflanzen sowohl von ihrer Biologie als auch von den Hauptanforderungen an die Umwelt, den Boden und die Kultur beschrieben werden. Jede Pflanze ist durch ein Habitus-Foto und jede Phase durch eine Aufnahme des jeweiligen Entwicklungsstadiums dargestellt. Diese Anleitung wird ebenso wie der “Farbatlas Obstsorten“ (Ulmer-Verlag) sowie weiteres Informationsmaterial zur Phänologie kostenlos zur Verfügung gestellt und verbleibt auch nach Beendigung der Tätigkeit beim Beobachter.

Für die Erhebung der Beobachtungsdaten bekommen die ehrenamtlichen phänologischen Beobachter/innen eine jährliche Aufwandsentschädigung von anfänglich € 250 (Teilnehmer am Sofortmelderprogramm erhalten einen Aufschlag).

Das phänologische Beobachtungsnetz ist kein statisches Gebilde, sondern ganz normalen Fluktuationen unterworfen. Es sind daher auch laufend phänologische Beobachtungsstellen wieder zu besetzen. Das erklärte Ziel des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ist, lange Beobachtungsreihen fortzuführen, denn gerade die langen Beobachtungsreihen sind so aussagekräftig für die Wissenschaft. Dort wo es die Netzstruktur erfordert, werden manchmal auch neue Reihen eröffnet.

Mehr Infos:

Deutscher Wetterdienst
Phänologie
Postfach 100465
63004 Offenbach

Telefon: 069/8062-2946
E-Mail: phaenologie@dwd.de

www.dwd.de > Klimaumwelt > Klimaüberwachung > Phänologie > Daten Deutschland DWD

Basics: Magnesiumdüngemittel für das Pferdegrünland

Foto: AMAZONE

Im Boden wird Magnesium nur in Verbindung mit Sauerstoff (Magnesiumoxid), Kohlendioxid (Magnesiumcarbonat MgCO3), Schwefel (Magnesiumsulfat MgSO4), Chlor (Magnesiumchlorid MgCl2) gefunden. Magnesium unterliegt der Auswaschung und ist meist schnell für die Pflanze verfügbar.

Magnesiumdüngemittel werden überwiegend aus Kalirohsalz oder Abbau aus Dolomitgestein oder weiteren Magnesiumkalklagerstätten gewonnen.

Übliche Magnesiumdünger für das Pferdegrünland

NameNährstoffeHinweiseWirkgeschwindigkeit
Kieserit25 MgO
+ 20 S
Kieserit wird aus Kalirohsalz natürlichen Ursprungs gewonnen. Gemäß den Verordnungen (EU) 2018/848 und (EG) Nr. 889/2008 zur Verwendung im ökologischen Landbau zugelassen.schnell
auswaschungsgefährdet
Magnesiumkalk Dolomit

34 CaO
+ 10 MgO
Dolomit Magnesiumkalk wird aus Dolomitgetein hergestelltGemäß den Verordnungen (EU) 2018/848 und (EG) Nr. 889/2008 zur Verwendung im ökologischen Landbau zugelassen. auswaschungsgefährdet
Kalimagnesia (Patentkali)30 K2O
+10 MgO
+17 S
schnell
auswaschungsgefährdet
Magnesiumkalke werde z.B. auch als Okerkalk, Harzer Dolomitkalk, Großtagebau Karlsdorf, Rüdersdorfer Kalk, Ostrauer Kalk, usw. angeboten. Die Nährstoffgehalte können bei Naturprodukten variieren, massgeblich ist immer die individuelle Deklaration. – Genannt werden hier die durchschnittlichen Nährstoffgehalte. Da nach Düngeverordnung die Gehalte in bestimmten Grenzen variieren dürfen, gibt immer nur der Deklarationszettel/Lieferschein die tatsächlichen Nährstoffgehalte an.

Basics: Kalidüngemittel für das Pferdegrünland

Untertagebau der Rohsalze. Entstanden aus verdunsteten Meeren vor mehr als 200 Mio Jahren. Foto: K+S

Kalium ist in vielen heimischen Steinen, wie Feldspat, Gneis, Granit, Feldspat, Glimmer und steht durch Verwitterung den Pflanzen zur Verfügung. Zusätzlich Millionen Jahre alte Meeresablagerungen unterbrach abgebaut. Diese Kalisalzlagerstätten befinden sich in Mitteldeutschland und Erstecken sich über die Bundesländer Niedersachsen, Sachsen- Anhalt, Thüringen und Hessen. Das Kalirohsalz besteht aus Salz (NaCl), Kaliumchlorid (KCl) , wasserhaltiges Kalium-Magnesium-Chlorid (KMgCl3) und wasserhaltiges Magnesiumsulfat (MgSO4). Nachdem es fein gemahlen wird, schließt sich die Trennung in die verschiedenen Nährstoffe durch Heißverlösung, Flotation und elektrostatische Verfahren an.

Die gebräuchlichen Kalidüngemittel für das Pferdegrünland

NameK2O- Gehalt (%)andere Bestandteile (%)cloridfrei
40iger Kali40+Na
+Mg
Universaldünger für Frühjahr- und/oder Herbstdüngung des Grünlandes
50iger Kali50+Na
+Mg
Universaldünger für Frühjahr- und/oder Herbstdüngung des Grünlandes
Kornkali40 K2O +6 MgO 
+1,5 Na 
+5 S
Gleichzeitige Kalium und Magnesiumdüngung.
Magnesiakainit12 K2O+6 MgO
+9 Na
Wegen des Salzgehaltes für küstenferne (salzarme) Weiden geeignet.
Kalimagnesia30 K2O+10 MgOxBei gleichzeitigem Magnesiummangel nutzen.
Genannt werden hier die durchschnittlichen Nährstoffgehalte. Da nach Düngeverordnung die Gehalte in bestimmten Grenzen variieren dürfen, gibt immer nur der Deklarationszettel/Lieferschein die tatsächlichen Nährstoffgehalte an.

Basics: Phosphordüngemittel für das Pferdegrünland

Foto: RAUCH

Der Pflanzennährstoff Phosphor ist, neben anderen Wirkungen, der Blüh- und Fruchtdünger (generative Phase)

Merke: Vegetative Phase ist die Blattwachstumszeitspanne, in der generativen Phase entsteht die Blüte und die Frucht.

Phosphor begrenz den Ertrag auf den meisten Böden deutlich, weil aus der Verwitterung unserer Gesteine nur wenig Phosphor für die Pflanzen zur Verfügung gestellt wird.

Phosphorlagerstätten enthalten etwa weicherdige Rohphosphate (Meeresablagerungen) oder harterdige Rohphosphate (phosphathaltige Gesteine). Die EU selber verfügt über keine eigenen Rohphosphatlagerstätten und ist komplett auf Importe angewiesen. Das Problem ist, dass Rohphosphate ein kritischer Stoff hinsichtlich der Versorgungssicherheit ist. Derzeit laufen Forschungsvorhaben, Phosphor zu recyclen. P- Rückgewinnung ist derzeit ein großes Thema.

Rohphosphate sind nur schwer wasserlöslich und haben eine geringe Wirkgeschwindigkeit. Aufgeschlossene Rohphosphate sind besser wasserlöslich und haben eine deutlich höhere Wirkungsgeschwindigkeit. Lediglich gemahlene, weicherdige Rohphosphate (Hyperphosphat) sind in der biologischen Landwirtschaft zugelassen

Phosphate sind im Gegensatz zum Stickstoff und dem Schwefel im Boden ortsstabil, da an Calcium gebunden und deshalb nicht auswaschungsgefährdet. Mineralischer Phosphordünger kann für mehrere Ernten im Vorrat ausgebracht werden.

Folgende Phosphordüngemittel sind für das Pferdegrünland geeignet:

BezeichnungP2O5– Gehalt (%)Wirk-
Geschwindigkeit
weitere
Bestandteile (%)
Superphosphat
18
wasserlöslich
hoch34 CaO + 12 S
Triple- Superphosphat
(Triplephosphat)
46
wasserlöslich
hoch
Novaphos
23
1/2 wurzelsäurelöslich
1/2wasserlöslich
mäßig8 S + 34 CaO
Hyperphos
27 – 30
wurzelsäurelöslich
gering40 CaO
Hyperphos ist als weicherdiges Naturphosphat lediglich mehlig gemahlen oder zusätzlich gekörnt und somit für den biologischen Landbau geeignet. – Genannt werden hier die durchschnittlichen Nährstoffgehalte. Da nach Düngeverordnung die Gehalte in bestimmten Grenzen variieren dürfen, gibt immer nur der Deklarationszettel/Lieferschein die tatsächlichen Nährstoffgehalte an.

Basics: Stickstoffdüngemittel für das Pferdegrünland

N- Dünger

Foto: AMAZONE

Stickstoff (N) ist in seiner mineralischen Form (Nmin) nur in geringen Mengen im Boden pflanzenverfügbar vorhanden. Erst das Bodenleben sorgt dafür, dass aus dem organischen Stickstoff (Eiweiß der Pflanzenreste) und dem Luftstickstoff mineralischer, also pflanzenverfügbarer Stickstoff wird.

Obwohl alle Pflanzennährstoffe gleich wichtig für den Ertrag sind, kommt dem mineralischen Stickstoff im Boden eine wesentliche Rolle als Wachstumsdünger zu. Kurz gesagt: Stickstoff (N) ist der Wachstums- und der Eiweißdünger. Hohe Erträge und hohe Eiweißgehalte sind für die ertragsorientierte Landwirtschaft von großer Bedeutung. Eine Verdopplung der Stickstoffgabe kann den Ertrag durchaus um das Dreifache steigern. Weitere Stickstoffgaben sind dann allerdings nicht mehr so effektiv. Da das Futter deutlich mehr Eiweiß als bei geringerer Stickstoffdüngung enthält, macht sich die N- Düngung durch deutlich höhere Milchmengen (Milchkühe) bzw. Muskelzuwachs (Fleischmast) bemerkbar.

Organisch/mineralischer Kreislauf

Drei mineralische Stickstoffformen haben beim Stickstoffkreislauf eine große Bedeutung (Harnstoff hat eine Sonderrolle):

AmideAmmonifizierende Bakterien wandeln Amide in Ammonium um.Amide müssen erst ammonifiziert und dann nitrifiziert werden. Dazu brauchen die Bakterien deutlich mehr Zeit.nach Monaten pflanzenverfügbar (Langzeitdünger), geringe Auswaschungsgefahr
Ammonium NH4Bodenleben wandelt Humus in Ammonium um. Ebenso wandeln ammonifizierende Bakterien die Amide in Ammonium um.deutlich geringere Pflanzenverfügbarkeit, da NH4 sich an die Bodenkolloide heftet und nach der Umwandlung durch nitrifizierende Bakterien kann die Wurzel dann das NO3 aus dem NH4 leichter aufnehmennach Wochen pflanzenverfügbar (Mittelfristdünger), mittlere Auswaschungsgefahr
Nitrat NO3Nitrifizierende Bakterien wandeln Ammonium in Nitrat um.höchste Pflanzenverfügbarkeit, da NO3 im Boden nahezu frei beweglich ist.nach Tagen pflanzenverfügbar (Sofortdünger), hohe Auswaschungsgefahr
HarnstoffDie Pflanze kann durch die Blattöffnungen den Stickstoff in Form von Harnstoff aufnehmen (Blattdüngung) Blattdüngersofort pflanzenwirksam

Die Wahl der Stickstoffform hat einen großen Einfluss auf die Wirkgeschwindigkeit, Wirkdauer und Auswaschungsgefährdung:

N- FormWirkgeschwindigkeitWirkdauerAuswaschungsgefahr
Humus (organisch)sehr langsam, nach Monaten und Jahren
(Langzeitdünger)
2 Vegetationsperiodengering
Amidlangsam, nach Monaten
(Langzeitdünger)
1 Vegetationsperiodegering
Ammonium NH4mäßig, nach Wochen
(Mittelfristdünger)
1/2 Vegetationsperiodemäßig
Nitratschnell, nach Tagen
(Sofortdünger)
1/4 Vegetationsperiodehoch

Der Nitratgehalt

Die wichtigsten N- Dünger als Handelsdünger für Pferdegrünland

NameN- Gehalt (%)Zusatz-
nährstoffe (%)
Hinweise
Kalksalpeter15,5
Nitratform
28 CaOSofortdünger
Natronsalpeter16,0
Nitratform
26 NaSofortdünger
Kalkammonsalpeter
(KAS)
26 – 28
1/2
Nitratform
1/2 Ammoniumform
22 – 36 CaCO3
5 – 6 MgCO3
Sofort- und Mittelfristdünger
Ammonsulfatsalpeter
(ASS)
26
1/4
Nitratform
3/4 Ammoniumform
14 – 15 SSofort- aber vorrangig Mittelfristdünger
Harnstoff (Urea)46
Amidform
Langzeitdünger
Genannt werden hier die durchschnittlichen Nährstoffgehalte. Da nach Düngeverordnung die Gehalte in bestimmten Grenzen variieren dürfen, gibt immer nur der Deklarationszettel/Lieferschein die tatsächlichen Nährstoffgehalte an.

Basics: Düngemitteletikett und Verpackung

Foto: amazon

Die Düngemittelverordnung DüMv regelt in Deutschland das Inverkehrbringen von Düngemitteln. Diese Verordnung sollt Ihr jetzt nicht auswendig lernen. Der Vorteil dieser gesetzlichen Vorgaben garantiert Euch aber einheitliche, genormte Beschriftungen (Deklaration), die Euch die Orientierung im Düngemittelmarkt erleichtert. Wer sich in diesem Bereich halbwegs fehlerfrei bewegen kann, signalisiert dem Verkäufe eine gewisse Fachkunde. Die führt dazu, dass Ihr nicht als Amateure, sondern als Profis beraten werdet und, das ist das Wichtigste, auch die Preise der Profis bezahlt. Als Amateure bekommt Ihr leicht den Apothekenpreis. Und vermeidet das Wort Pferd. Dann wird es noch teurer.

Düngemittel in Deutschland dürfen nur verpackt und ordnungsgemäß deklariert (beschriftet) verkauft werden. Dabei muss die Deklaration unablösbar und unveränderbar an der Verpackung befestigt sein. Ein loser Verkauf, z.B. direkt in den Düngerstreuer muss ebenfalls komplett deklariert sein, dann aber auf den Begleitpapieren.

Auf dem Etikett bzw. Begleitpapieren müssen sowohl der der Düngemitteltyp sowie alle Nährstoffe in festgelegter Reihenfolge und festgelegter Schreibweise deutlich sichtbar und in Deutscher Sprache angegeben sein:

Nährstoff in WortenNährstoff in chemischem Symbol und FormelElementform
StickstoffN
PhosphatP2O5x0,436 = P
KaliumoxidK2Ox0,83 = K
CalciumCa
CalciumoxidCaOx0,715 = Ca
CalciumcarbonatCaCO3x0,56 = Ca
MagnesiumMg
MagnesiumoxidMgOx0,6 = Mg
MagnesiumcarbonatMgCO3x0,478 = MgO
x0,288 = Mg
NatriumNa
SchwefelS
BorB
EisenFe
KobaltCo
KupferCu
ManganMn
MolybdänMo
ZinkZn
Nicht vorhandene Nährstoffe werden ausgelassen und nicht genannt.
  • Nicht fehlen dürfen die der Norm entsprechenden Gefahrstoffkennzeichen und Gefahrstoffgruppe
  • äußere Merkmale (z.B. Korngröße)
  • Gewicht und Volumen
  • Name der Firma (Inverkehrbringer)
  • Hinweise zur sachgerechten Lagerung und Behandlung
  • Nährstoffverfügbarkeit
  • Nährstoffformen
  • Wirkung von Nebenbestandteilen.

Spezielles zu Mehrnährstoffdüngern

Bei den Mehrnährstoffdüngern ist das wie beim Tanken. Da die Qualität des Produktes gesetzlich festgelegt ist, ist es völlig gleich, ob Ihr bei Esso, Aral, Shell oder einer Nonametankstelle tankt. Und genauso ist es bei den Düngemitteln. Deshalb kaufen Profis nicht Nitrophoska, sondern einen N P K- Dünger mit Magnesium und Schwefel in genau der selben Zusammensetzung der 5 Pflanzennährstoffe. Und wie das bei den Tankstellen so ist, es kommt nicht auf den Namen, sondern auf den Preis an. Um diesen Vorteil nutzen zu können, müssen wir uns noch mit den Düngemitteltypen und deren firmeneutrale Deklaration beschäftigen. Diese Investition lohnt sehr oft.

Ein Kürzelsystem nennt die Inhaltsstoffe (Kernnährstoffe) und deren Nährstoffgehalt (%).

  • 1. Regel

Die Nährstoffe werden immer in folgender Reihenfolge genannt: N-P-K-Mg + (andere). N bedeutet N, P entspricht P2O5, K entspricht K2O und Mg entspricht MgO.

  • 2. Regel

Die Inhaltsstoffe in Prozent (%) werden in der selben Reihenfolge genannt. Deshalb nennen Profis, die keine Vorträge beim Einkauf halten wollen, lediglich die Prozentangaben. Ein 10-15-20 Dünger ist also ein Dreinährstoffdünger mit einem Gehalt von 10% N, 15% P2O5 und 20% K2O.

  • Düngemitteltypen

Es gibt Mehrnährstoffdünger N P, N K, P K, N P K, N P K Mg, N P K Mg+(andere aus der Liste der Deklarationsvorschrift)

  • Beispiele
24-8-8 DüngerN P K-Dünger mit 24% N, 8% P205, 8% K2O
20-0-20 DüngerN K- Dünger mit 20% N, 20% K2O
20-20-0 DüngerN P- Dünger mit 20% N, 20% P2O5
13-9-16-4 +7S DüngerN P K Mg-Dünger +Schwefel mit 13% N, 9%P2O5, 16% K2O, 4% MgO + 7% S
20-20-O+2S DüngerN P+S-Dünger mit 20% N, 20% P2O5, 2% S
9-4+35+9 DüngerK Mg- Dünger+Na+S mit 9 % K2O, 4 % MgO + 26 % Na + 3,6 % S

Da mit vorgefertigten Nährstoffzusammensetzungen es oft schwierig ist, die durch eine Bodenprobe erstellte Düngeempfehlung zu erfüllen, bietet der Landhandel immer öfter persönlich gemischte Düngemittel entsprechend der Düngeempfehlung an, vergleichbar mit der Farbmischanlage im Baumarkt. Düngeempfehlung mitbringen und die Mitarbeiter im Landhandel mischen das Düngemittel zu. Üblicherweise gleich in einen Düngestreuer, der teilweise im Landhandel ausgeliehen werden kann.

Basics: Düngemittel sortieren

Wenn Ihr die in die für die Pflanzenernährung relevanten Düngemittel nicht einordnen könnt, kommt Ihr leicht ins Schleudern. Deshalb hier ein paar Hilfen, wie Düngemittel sortiert werden können. Mehrere Methoden stehen zur Verfügung:

1.

HandelsdüngemittelWirtschaftsdünger
Stickstoffdünger (N)Festmist (Stallmist)
Phosphordünger (P2O5)Gülle (Kot + Urin)
Kalidünger (K2O)Jauche (Urin)
Kalkdünger (CaO)Ernterückstände (Nebenprodukte), z.B. Stroh
Magnesiumdünger (MgO)Kompost (Laub, Mulch, Hackschnitzel, Strauchschnitt, …)
Mehrnährstoffdünger (N-P-K)Biogassubstrat
Volldünger (N-P-K-Mg-+)Klärschlamm
SteinmehlPilzsubstrat
Knochen-, But- und Hornmehl
Düngemittel unterliegen dem Düngemittelgesetz und der Düngeverordnung, dort wird auch Kennzeichnung und Verpackung vorgeschrieben.

2.

Mineralischer DüngerOrganischer Dünger
Stickstoffdünger (N)Festmist (Stallmist)
Phosphordünger (P2O5)Gülle (Kot + Urin)
Kalidünger (K2O)Jauche (Urin)
Kalkdünger (CaO)Ernterückstände (Nebenprodukte), z.B. Stroh
Magnesiumdünger (MgO)Kompost (Laub, Mulch, Hackschnitzel, Strauchschnitt, …)
Mehrnährstoffdünger (N-P-K)Knochen-, But- und Hornmehl
Volldünger (N-P-K-Mg-+)Biogassubstrat (Biogasgülle)
SteinmehlKlärschlamm
Pilzsubstrat
Mineralischer Dünger ist wurzeldurchgängig und steht der Pflanze rasch zur Verfügung. Anders Organischer Dünger, denn der muss erst durch das Bodenleben in Mineralischen Dünger umgewandelt werden. Das dauert länger und auch nur dann, wenn die Lebensbedingungen (Sauerstoff, Wärme, Feuchtigkeit, …) für das Bodenleben garantiert sind. Faustzahl: Die Nährstoffe eines Organischer Düngers werden im ersten Jahr nur zu 50% und im zweiten Jahr ebenso zu 50% pflanzenverfügbar.

3.

EinnährstoffdüngerMehrnährstoffdünger
Stickstoffdünger (N)Mehrnährstoffdünger (N-P-K)
Phosphordünger (P2O5)Volldünger (N-P-K-Mg-+)
Kalidünger (K2O)Steinmehl
Kalkdünger (CaO)Festmist (Stallmist)
Magnesiumdünger (MgO)Gülle (Kot + Urin)
Jauche (Urin)
Ernterückstände (Nebenprodukte), z.B. Stroh
Kompost (Laub, Mulch, Hackschnitzel, Strauchschnitt, …)
Knochen-, But- und Hornmehl
Biogassubstrat (Biogasgülle)
Klärschlamm
Pilzsubstrat
Alle drei Listen haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, behandeln aber die gebräuchlichen Düngemittel.

Merke:

Mancher*e von Euch wird jetzt den Begriff „Kunstdünger“ vermissen. Stimmt, den gibt es auch gar nicht, denn nicht jedes im Sack abgefüllte Düngemittel ist künstlich, wie z.B. der Kalidünger, fachlich besser als Kalisalz bezeichnet. Das wird nämlich im Untertagebau gefördert und ist ein reines Naturprodukt aus der Erdgeschichte. Reines Naturprodukt. Ähnlich Kalziumcarbonat. Das ist der Stoff aus den Kreidefelsen von Rügen. Fossile Muschelbänke. Reine Natur. Und natürlich gibt es auch industriell gefertigte Düngemittel, die durch chemische Prozesse hergestellt werden, wie z.B. Kalkammonsalpeter, ein Stickstoffdüngemeittel.

Mein Rat: Wenn Ihr Düngemittel einsetzen wollt und dann diese im Landhandel, z.B. bei einer Genossenschaft einkaufen wollt, dann signalisiert durch eine landwirtschaftliche Fachsprache, dass Ihr keine Amateure seid dann auch noch Pferdefreunde seid. Dann nämlich hört der Händler schon das Rattern der Kasse in seiner Vorstellung und Ihr befindet Euch innerhalb weniger Sekunden nicht mehr im Landhandel, sondern in einer Apotheke. Jedenfalls preislich. Zieht Eure alten Klamotten an, kommt mit dem Wagen Eurer Kinder und benutzt die Begriffe, die die Fachleute da immer benutzen. Ihr wollt nur die Weiden düngen. Welche Tiere da draufstehen, das müssen die gar nicht wissen. Und bekehren muss die im Landhandel auch keiner. Einen guten Preis, den sollen sie machen. Und da dürft Ihr schon fragen, ob es günstigere Alternativen gibt.

Und genau das ist der Grund, warum ich Euch auch ein wenig die Fachsprache nahebringen möchte. Natürlich nur, wer von Euch möchte.