Strategie: Knicks anlegen

Knicks sind Hecken, aber nicht vergleichbar mit Hecken, die in Vorgärten stehen. Im Gegensatz zur Gartenhecke bestehen Knicks aus einer Vielzahl von Bäumen und Büschen. Damit die Hecken als Windschutz fungieren können, ist ein dichter Bewuchs notwendig. Damit ein Knick seine klimatische Heckenfunktion nicht verliert, wird er etwa alle 8 -10 Jahre komplett heruntergeschnitten. In Norddeutschland sagt man/frau „auf-den-Stock-setzen“.

Ein Knick wirkt weit in das Grünland herein. Das gilt für das Klima als auch für die Fauna und Flora. Wissenschaftler haben beobachten können, dass sich die Artenvielfalt sowohl bei den Pflanzen als auch den Tieren um ein Vielfaches erhöht, es wurden bis zu 1800 Tier- und Pflanzenarten gezählt.

Der klimatische Einfluss auf das Grünland ist beachtlich und kann auch ein Pfeiler bei der strategischen Adaption an den menschengemachten Klimawandel sein. Besonders in trockenen, semiariden Regionen in Deutschland lässt sich der Wasserhaushalt verbessern, da die Hecke ihrerseits Wasser hält, Schatten als Verdunstungsschutz bietet und, ganz wesentlich, der Wind und somit die Verdunstung deutlich abgeschwächt wird. Hecken verhindern Bodenerosionen und bieten den Pferden einen guten Witterungs- und Sonnenschutz. Besonders wirksam sind Hecken, die die Hauptwindrichtung brechen. Nicht immer besteht die Notwendigkeit alle vier Seiten einer Grünlandfläche mit einer Hecke zu umrunden. Hecken müssen grundsätzlich gegen Verbiss der Pferde abgezäunt werden. Die den Zaun überwachsene Zweige können von den Pferden durch Verbiss in Form gehalten werden, sofern es sich um pferdegerechte Arten handelt. Anstelle von sehr hohen Laubbäumen eignen sich als Solitärbäume auch Obstgehölze. Falls notwendig, kann auch auf Solitärgehölze verzichtet werden.

Dann klappt es auch mit dem Knick

  1. Einen Knick regelmäßig etwa alle 10 bis 15 Jahre „Auf-den-Stock-setzen“.
  2. Dabei werden alle Gehölze etwa 15 cm über dem Boden abgeschnitten/ abgesägt.
  3. Alle Pflanzen bleiben im Boden und sollen neu austreiben.
  4. Etwa alle 50 m bleibt ein Baum ungekürzt und kann sich zum Solitärgehölz entwickeln.
Alle 8 – 10 Jahre wird die Hecke/Knick auf den Stock gesetzt. Wird das nicht gemacht, wird aus einer dichten Hecke eine luftige Baumreihe, die einen weitaus geringeren Klimaeinfluss und auch geringere Artenvielfalt hat.

Je artenreicher ein Knick, desto wertvoller die Lebensgemeinschaften, die dort heimisch werden. Klar, dass Knicks im Bereich der Pferdeweide tiergerecht sein müssen, für Pferde giftige Pflanzen, wie z.B. Eiben, Robinien, Rhododendron aber auch aus dem Garten entnommene Exoten, wie Oleander oder Kirschlorbeer sind nicht geeignet. Der frühere Professor des Lehrstuhls Ökologie der Universität Kiel, Wolfgang Tischler, beschreibt kurz und prägnant, warum Knicks/ Hecken besonders wertvoll, nachhaltig und nicht nur eine Naturschwärmerei sind:

Vernünftigen wirtschaftlichen Belangen gegenüber aufgeschlossen zu sein, sich die ökologischen Erkenntnisse bei der Gestaltung der Landschaft nutzbar zu machen und gleichzeitig die Schönheit und Vielfalt der Natur nicht aus den Augen zu verlieren, diese drei Gesichtspunkte brauchen sich nicht auszuschließen, sondern lassen sich durchaus miteinander vereinen.

Tischler: Biologie der Kulturlandschaft, Stuttgart, New York 1980, S. 173

Nachhaltigkeit

Die Anlage eines Knicks, Hecke, gleich ob mit oder ohne Wall, ist ein Vorzeigeprojekt für Nachhaltigkeit. Wer das oben stehende Zitat von Tischler gelesen hat, der erkennt den ökonomischen, den ökologischen und den sozialen Aspekt. Und genau das ist Nachhaltigkeit, die scheinbar unmögliche Verzahnung von Ökonomie, Ökologie und Sozialem. Und deshalb kann eine Pferdeanlage mit einem Heckenprojekt ohne schlechtes Gewissen eine nachhaltige Bewirtschaftung in diesem Bereich herausstellen und auch bewerben, ohne sich dem Vorwurf des Greenwashings auszusetzen. Für Pensionsbetriebe eignet sich ein Knick- Projekt als Alleinstellungsmerkmal im Werben um Kundschaft.

Werben mit der Nachhaltigkeit – Warum nicht?

Nachhaltige Projekte kosten Geld. Das muss verdient werden. Deshalb ist es moralisch gut zu vertreten, dass mit Nachhaltigkeit Kunden geworben werden. Auch im Pferdebereich ist Massentierhaltung billiger, auch im Pferdebereich sind verschlurte Weiden, die ökologisch nur noch als Ausläufe bezeichnet werden können, natürlich billiger. Also – Warum nicht mit Nachhaltigkeit werben.

Geeignete Pflanzen für einen Knick um das Pferdegrünland

Weide
Haselnuss
Felsenbirne
Quitte
Sommerlinde
Kornelkirsche
Weißdorn
Forsythie
Schlehe (Schwarzdorn)
Mehlbeere
Johannisbeere
Holunder
Flieder
Spiräen
Weigelie
Hortensie
Johannisbeere
Eberesche
Feuerdorn
Flieder
Linde
Holzapfel
Erle
Ulme
Pappel
Birke
Fingerstrauch
Himbeere
Brombeere
Hartriegel
Hagebutte
Wildrosen (z.B. Hundsrose , Syltrose)
Wildapfel
Wildbirne
alle Obstbäume
Diese Liste ist nicht auf ein bestimmtes Biotop abgestimmt. Regionale Besonderheiten (Klima, Boden, Höhenlage, usw.) können andere Zusammensetzungen erfordern. Besondere Beachtung sollten immer heimische Sorten bekommen.

Weitere Infos zur Knickanlage

Nabu, Wallhecke, Kreis Plön, Deula, Niedersachsen

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