Beobachtungen zum Klimawandel: Deutschlandwetter Dezember 2020

Offenbach, 30. Dezember 2020 – Nach dem sonnigen Vormonat gestaltete sich die Witterung im Dezember sehr wolkenreich und trüb. Das charakteristische „Schmuddelwetter“ wurde dabei mal von mäßig kalten, mal von ungewöhnlich milden Temperaturen begleitet. Ein landesweiter Temperatursturz von gut 10 Grad sorgte zum 1. Weihnachtsfeiertag in den Mittelgebirgen für ei-ne weiße Überraschung. Am 27. brachte Tief „Hermine“ dem Westen Sturm und dem Bergland weiteren Schnee. Alles in allem verabschiedete sich das Jahr 2020 mit einem zu warmen, trockenen und sehr sonnenscheinarmen Dezember. Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2 000 Messstationen.

Vor Weihnachten ungewöhnlich mild, dann Temperatursturz
Der Temperaturdurchschnitt lag im Dezember 2020 mit 3,0 Grad Celsius (°C) um 2,2 Grad über der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Gegenüber der wärmeren Vergleichsperiode 1981 bis 2010 betrug die Abweichung 1,8 Grad. Die erste Monatsdekade zeigte sich mäßig kalt mit frostigen Nächten. Dann wurde es zunehmend milder. Am 23. erreichte die Temperaturkurve ihren Höhepunkt. In der Westhälfte Deutschlands wurde es mit über 15 °C sogar ungewöhnlich mild. Die höchste Temperatur erfasste Müllheim, südwestlich von Freiburg, mit 16,6 °C. Am Heiligen Abend drehte die Strömung auf Nord und landesweit gingen bis zum 2. Weihnachtsfeiertag die Temperaturen nach und nach um gut 10 °C zurück. Schließlich kam die Kaltluft auch im Süden des Landes an: Am 27. wurde in Oberstdorf mit -15,0 °C der niedrigste Wert, abseits der Berggipfel, gemessen.

Viel Niederschlag in den Weststaulagen, in der Osthälfte häufig erheblich zu trocken 
Mit rund 55 Litern pro Quadratmeter (l/m²) erreichte der Dezember 2020 nur 80 Prozent seines Solls von 70 l/m². Tiefs brachten immer wieder Niederschläge, die sich jedoch schwerpunktmäßig auf die Westhälfte des Landes konzentrierten. Insbesondere in Staulagen der dortigen Mittelgebirge kamen im Monatsverlauf über 150 l/m² zusammen. Spitzenreiter war Baiersbronn-Ruhestein, nordwestlich von Freudenstadt im Nordschwarzwald, mit über 220 l/m². Die höchste Tagessumme erfasste am 22. die Station Hoherodskopf im Vogelsberg mit 46,2 l/m². Deutlich trockener blieb es im Lee der zentralen Mittelgebirge sowie in den östlichen Landesteilen. Hier und da fielen keine 15 l/m². Schneefälle, die hauptsächlich im Bergland für Winterfeeling sorgten, gab es vor allem in der ersten Dekade und zum Monatsende. Besonders im Südschwarzwald und Allgäu konnte man über 20 Schneetage zählen. Lenzkirch-Ruhbühl im Südschwarzwald meldete zum Jahresende mit gut 28 cm die höchste Schneedecke abseits der Berggipfel.

Ein vielerorts sehr wolkenverhangener Dezembermonat
Mit etwa 35 Stunden verfehlte der Sonnenschein sein Soll von 38 Stunden um 10 Prozent. Am häufigsten lachte die Sonne mit über 70 Stunden Richtung Allgäu, in Sachsen sowie in der Nie-derlausitz. Der Norden Bayerns und die mittleren Landesteile kamen teilweise nur auf gut 15 Sonnenstunden.

Das Wetter in den Bundesländern im Dezember 2020
(In Klammern stehen jeweils die vieljährigen Mittelwerte der intern. Referenzperiode)

Schleswig-Holstein und Hamburg: Schleswig-Holstein kam im Dezember auf 4,3 °C (1,8 °C) sowie rund 64 l/m² (73 l/m²) Niederschlag. Hamburg erreichte 4,3 °C (2,0 °C) und erfasste abgerundet 62 l/m² (70 l/m²). Im nördlichsten Bundesland schien die Sonne 22 Stunden (35 Stunden), in der Hansestadt waren es knapp 25 Stunden (31 Stunden). Am 27. brachte Tief „Hermine“ den Küsten schweren Sturm und in der Nacht zum 29. den südlichen Regionen gebietsweise den ersten Schnee.

Niedersachsen und Bremen: Niedersachen erreichte 4,3 °C (1,9 °C), etwa 60 l/m² (70 l/m²) und gut 30 Sonnenstunden (32 Stunden). Bremen war mit 4,7 °C (2,2 °C) die wärmste und mit rund 74 l/m² (64 l/m²) eine nasse Region. Die Sonne zeigte sich 32 Stunden (33 Stunden).

Mecklenburg-Vorpommern: Hier meldete der DWD eine Temperatur von 3,1 °C (1,1 °C), knapp 48 l/m² (52 l/m²) Niederschlag und 26 Sonnenstunden (37 Stunden). Am Morgen des 29. gab es zeit- und gebietsweise die erste dünne Schneedecke des Winters.

Brandenburg und Berlin: Brandenburg erzielte 3,0 °C (0,9 °C) und trockene 25 l/m² (50 l/m²). Berlin erreichte 3,3 °C (1,2 °C) und als niederschlagsärmstes Bundesland spärliche 21 l/m (53 l/m²). Besonders trocken war es auch in der Niederlausitz. Cottbus meldete im gesamten Monat keine 15 l/m². Die Sonne zeigte sich in Berlin mit knapp 50 Stunden (35 Stunden) und in Bran-denburg mit etwa 54 Stunden (36 Stunden) recht häufig. Nach Sachsen waren diese Länder die sonnigsten Gebiete.

Sachsen-Anhalt: Sachsen-Anhalt registrierte 3,3 °C (1,2 °C). Mit etwa 25 l/m² (47 l/m²) war es ein sehr trockenes Bundesland. Bad Lauchstädt (Saalekreis) erfasste gerade einmal 13 l/m². Knapp 48 Stunden (36 Stunden) schien die Sonne.

Sachsen: Sachsen erfasste 2,5 °C (0,3 °C). Mit mageren 25 l/m² (60 l/m²) und fast 64 Stunden (41 Stunden) war der Freistaat ein niederschlagsarmes und das sonnenscheinreichste Gebiet. Um den 21. verzauberten Eisnebelschleier die Wälder im Erzgebirge in eine Winterlandschaft.

Thüringen: Thüringen war im Dezember mit 2,2 °C (0,0 °C) ein vergleichsweises kühles Gebiet und mit rund 37 l/m² (64 l/m²) in der Fläche deutlich zu trocken. Stauniederschläge brachten le-diglich im Thüringer Wald viel Nass. In Neuhaus-Steinheid gab es dabei über 120 l/m². Die Sonne schien im Mittel knapp 37 Stunden (36 Stunden).

Nordrhein-Westfalen: Im Dezember war NRW mit 4,6 °C (2,3 °C) nach Bremen das zweitwärmste Bundesland. Die Niederschlagstöpfe sammelten aufgerundet 70 l/m² (88 l/m²) ein. Zudem schien die Sonne knapp 35 Stunden (37 Stunden). Am 27. brachte Tief „Hermine“ vielerorts stürmischen Wind. Böen erreichten 75 bis 90 km/h. Aachen-Orsbach erfasste sogar 91,4 km/h.

Hessen: Hier betrug die Mitteltemperatur 3,1 °C (0,8 °C). Dazu brachten viele Wolken etwa 72 l/m² (77 l/m²). Bis auf den äußersten Norden wurden am 1. verbreitet um 5 cm Schnee gemessen. In Oberzent-Beerfelden (Odenwaldkreis) fielen sogar 10 cm. Zur Wintersonnenwende setze Dauerregen ein, der allein am 22. in Mittel- und Südhessen örtlich mehr als 40 l/m² brachte. Die deutschlandweit höchste Tagessumme meldete dabei der Hoherodskopf im Vogelsberg mit 46,2 l/m². Hessen war mit rund 23 Stunden (32 Stunden) das sonnenscheinärmste Bundesland.

Rheinland-Pfalz: Der Dezember brachte eine Temperatur von 3,7 °C (1,3 °C) und niederschlagsreiche 87 l/m² (76 l/m²). Damit war Rheinland-Pfalz die zweitnasseste Region. In der Vulkaneifel, wie in Densborn, fielen sogar über 150 l/m². Die Sonne zeigte sich in Rheinland-Pfalz gut 27 Stunden (38 Stunden).

Saarland: Hier verbuchte der DWD eine Temperatur von 4,3 °C (1,5 °C). Mit einer Niederschlagssumme von rund 130 l/m² (98 l/m²) war das kleinste Flächenland die mit Abstand nasseste und mit aufgerundet 25 Stunden (40 Stunden) eine der sonnenscheinärmsten Regionen.

Baden-Württemberg: Mit 2,6 °C (0,3 °C) war Baden-Württemberg im Dezember das zweitkühlste Bundesland. Dazu wurden 70 l/m² (82 l/m²) Niederschlag und 35 Sonnenstunden (45 Stunden) gemessen. Am 22. und 23. stiegen die Höchstwerte am Oberrhein auf ungewöhnlich milde 14 bis 17 °C. Müllheim, südlich von Freiburg, registrierte dabei mit 16,6 °C die bundesweit höchste Temperatur. Oberhalb von 700 m lag dagegen an über 20 Tagen Schnee. Lenzkirch-Ruhbühl (Südschwarzwald) meldete zum Jahresende mit gut 28 cm Schnee die höchste Schneedecke abseits der Berggipfel. Baiersbronn-Ruhestein, nordwestlich von Freudenstadt, übermittelte mit knapp über 220 l/m² den bundesweit höchsten Dezemberniederschlag.

Bayern: Der Freistaat war mit 1,2 °C (-0,6 °C) die kühlste Region. Oberstdorf meldete am 27. mit -15,0 °C nicht nur die deutschlandweit niedrigste Dezembertemperatur, sondern auch gleichzeitig den tiefsten Wert im gesamten Jahr 2020. Gerundete 48 l/m² (76 l/m²) Niederschlag fielen in Bayern vom Himmel. Im Allgäu gab es mit über 120 l/m² nicht nur höhere Mengen, sondern auch die meisten Tage mit Schnee. Hier sticht Oberstdorf hervor und meldete 27 Tage mit der weißen Pracht. Daneben zeigte sich die Sonne in Bayern rund 39 Stunden (44 Stunden). In Franken und der Oberpfalz schien sie mit unter 15 Stunden ungewöhnlich selten. Im Unterschied dazu präsentierte sich die Sonne im Alpenvorland 50 bis 70 Stunden.

(Text: DWD)

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