Standwetter

In einem Gespräch in der Sendung Markus Lanz am 19.08.2020 nimmt der Meteorologe Sven Plöger Stellung zum derzeitigen Dürresommer. Bemerkenswerte Aussagen, die es lohnen, von mir aufgeschrieben zu werden:

Das Gespräch mit Markus Lanz wurde von mir zusammengefasst und die mir wichtig erscheinenden Stellen in meinen Worten wiedergegeben.

Beginnend mit 2018 ist es die größte Dürreperiode seit 254 Jahren.

Seit Januar 2018 bis August 2020 hat es zwar 9 Monate gegeben die zu nass waren, wie z.B. der Februar 2020, aber 23 Monate, in denen viel zu wenig Niederschlag gemessen wurde. Die Gesamtbilanz der vergangenen 32 Monate: historische Trockenheit.

In den tieferen Bodenschichten fehlen, je nach Region, 300 l bis 500 l/m2 Wasser. Es fehlt praktisch ein ganzes Jahr mit durchschnittlichem Niederschlag.

Warum ist die Dürre klimabedingt?

Erklärt werden kann das durch den Strahlstrom, oder auch Jetstream genannt. Normalerweise ist es am Äquator heiß und am Nordpol kalt: Eine große Temperaturdifferenz. Je größer diese Temperaturdifferenz, desto größer ist das Bestreben, diese auszugleichen. Aus diesem Grund war bisher der Strahlstrom bei uns in Deutschland für häufige Wechsel zwischen Hoch- und Tiefdruckgebieten verantwortlich. Das Wetter war dadurch gekennzeichnet durch rasche Wetterwechsel. Hitze und Kälte, Trockenheit und Niederschläge im dauernden Wechsel. Wirkliche Dürreperioden waren sehr selten.

Sven Plöger erklärt das „Standwetter“ in der Sendung Markus Lanz am 19.08.2020

Jetzt aber wird es durch den menschengemachten Klimawandel am Nordpol deutlich wärmer. Folglich nimmt die Temperaturdifferenz zwischen Pol und Äquator ab, der Jetstream (Strahlstrom) wird geringer, das Wettersystem mit seinen rasch wechselnden Wetterlagen wird träger: Das Ergebnis ist, so nennt es Plöger, „Standwetter“. Hochs und Tiefs bleiben lange bestehen. Und wenn so ein Frühjahrs- und Sommerhoch nicht nur tage- sondern wochenlang bei uns bleibt, dann dominiert Dürre. Und wenn es einmal ein anhängliches Tiefdruckgebiet ist, so wie im Februar 2020, dann regnet es ohne Ende. Das Entscheidende ist, dass diese Regenperioden die Sommerdürre nicht kompensieren können.

Und genau das sehen wir jetzt, im Sommer 2020.

Derartige Dürren am Stück werden durchaus normal sein.

Tipp: Die gesamte Sendung kann in der ZDF Mediathek angesehen werden

Eine Antwort auf „Standwetter“

  1. Und ein solches Standwetter, die Experten sagen bei Tiefdruckgebieten auch Trogwetter, mit dem Stillstand eines Tiefdruckgebietes über Nordwesteuropa hat es im Juli 2021 gegeben. Die recht warme Sommerluft mit ihrem hohen Wasseraufnahmevermögen (20°C – 17g Wasserdampf/ m3 Luft, und bei 30°C sind es bereits 30g Wasserdampf/ m3 Luft) regnete tagelang an der selben Stelle ab. Die Folge: Die gesamte Niederschlagsmenge eines “normalen” Sommers ergoss sich in wenigen Tagen auf Westdeutschland. Das Ergebnis ist fürchterlich.

    Wir alle müssen uns darauf einstellen, dass derartige Standwettersituationen immer öfter auftreten werden, entweder Hochdruck mit Dürre oder Tiefdruck mit Wassermassen. Und wer das immer noch nicht glaubt, dem zeigt es der Deutsche Wetterdienst schwarz auf weiss: Die Standwetterlagen haben sich seit den 1970iger Jahren mehr als verdoppelt.

    So erklärt der Fernsehmeteorologe Sven Plöner das Standwetter ganz anschaulich: „Wir haben aktuell oft Wetterlagen, die ich gerne „Standwetter“ nenne. Das bedeutet, dass die Hochs und Tiefs nicht weiterkommen. Der Jetstream, unser Starkwindband in der oberen Troposphäre, verändert sich. Das Windband mäandert, lange Wellen, sogenannte Rossby-Wellen, wandern um den Planeten und bestimmen die Bewegung der Hochs und Tiefs am Boden, die unser Wetter erzeugen. Doch diese Wellen bleiben derzeit oft stehen und mit ihnen unsere Hochs und Tiefs – „Standwetter“ eben. Wenn das Tief lange bei uns bleibt, fällt aller Regen an dieselbe Stelle: Hochwassergefahr. Bleibt das Hoch, so drohen Dürre, im Sommer Hitzewellen.“

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