Strategien: Beratung beim Grünlandmanagement

Jan B., 23.12.2020

ich schreibe Ihnen mit einer Bitte um Beratung bei unserem Pferdegrünland. Wir haben vor knapp drei Jahren einen kleinen Hof im übernommen. Auf der Weide wächst zum großen Teil eine Grassorte, die unsere Pferde weder dort, noch als Heu fressen. Wären Sie der richtige Ansprechpartner, oder könnten Sie uns an jemanden weiterverweisen, der uns beraten könnte, wie und womit wir am besten neu ansäen und danach pflegen, um das Grünland langfristig als Pferdeweide und Pferdeheuwiese nutzen zu können? Wie funktioniert eine solche Beratung? Die Weide befindet sich auf einer leichten Hanglage, relativ schweren Lehm-Ton-Steinboden, und in den letzten drei Sommern war das Grünland natürlich auch sehr trocken. Wir fahren nur den ersten Schnitt ein; danach lassen wir die Pferde, wenn genügend Aufwuchs da ist, nochmal im Spätsommer/Herbst auf die gemähten Teile. Ab November sind die Pferde nicht mehr auf der Weide. 

Dietbert Arnold, 02.01.21

Grünlandmanagement ist eine komplexe Angelegenheit und macht die Beschäftigung damit sehr spannend. Deshalb ist eine kompetente Beratung immer vorteilhaft, auch für mich gilt die Forderung zu lebensbegleitendem Lernen. Dabei habe ich erfahren, dass es im Bereich Grünlandwirtschaft keine Geheimtricks und Wundermittel gibt, sondern nur ein analytisches Vorgehen wirkliche Erfolge bringt. Und damit sind wir schon bei dem ersten Punkt: Totspritzen, Umbrechen und Neueinsaat sind keine nachhaltige Lösung, denn diese Methode ist ausgesprochen klimaschädlich und obendrein nicht wirklich zielführend, denn gegen die Natur, hier den Boden und das Klima, lässt sich Dauergrünland nicht halten. Als Beispiel nenne ich Dir die vielen Blumenwiesen, die in guter Absicht ausgesät werden und spätestens nach einem Jahr wieder verschwunden sind, weil die Wachstumsbedingungen nicht passen.

1.

Du beginnst mit der Erfassung der Ist- Situation. Das ist in diesem Fall eine Bodenprobe. Die muss fachlich korrekt genommen werden, denn ca. 300 g Boden repräsentieren am Ende Deine Weide/Wiese.

2.

Die Bodenprobe schickst Du zu einer zertifizierten Untersuchungsanstalt. Hier bietet sich auf jeden Fall eine Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt (LUFA) an. Bei Dir ist das die LUFA Hameln (LUFA Nord-West) der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Vorteilhaft ist immer der Kontakt zu einer lokalen Luft, weil die sich in Deiner Region sehr viel besser auskennen, denn Bayern und Norddeutschland unterscheiden sich auch bezüglich der Wachstumsbedingungen ein wenig. Eine Grunduntersuchung (P2O5, K2O, MgO, CaCO3 (über pH- Wert bestimmt)) ist zunächst völlig ausreichend. Wenn der Boden frostfrei ist, kannst Du das bereits jetzt im Januar schon machen.

3.

Nachdem Die nach ca. 2 Wochen die LUFA erstens eine Analyse und zweitens eine Düngeempfehlung zugeschickt hat, nimmst Du Kontakt zum Grünlandberater*in Deiner Region bei der Landwirtschaftskammer (HB, HH, Nds, SH, RhPf, SL, NRW) bzw. Landwirtschaftsamt (Rest. Bundesländer) auf und bittest um einen Beratungstermin. Für Dein Standort ist das die Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Dabei erfragst Du, was Du mitbringen kannst (Heu, Gräser, Bodenanalyse) oder ob ein Ortstermin vereinbart werden soll. Oft hilft ein vorheriger Kontakt zu einem erfahrenen Landwirt*in, die Dir bei der Pflanzenbestimmung helfen können und Dir auch sagen, ob Deine Fläche mehr oder weniger typisch für den Boden und das Klima ist. Dabei entscheidest Du, ob Du einen biologisch oder konventionell wirtschaftenden Betriebsleiter*in um Rat bittest.

4.

Wenn Du diese oben genannten Schritte bis zum Vegetationsbeginn erledigt hast, dann kannst Du schon für dieses Jahr eventuelle Düngungen und Reparaturen (Narbenlücken schließen und Schlitzsaat) vornehmen. Über die Auswahl des Saatgutes entscheidest Du. Je nach Bedingung rate ich immer dazu, Schlitzsaat und Düngung von Profis vornehmen zu lassen. Hier bietet sich der Nachbarlandwirt, ein Maschinenring oder ein Lohnunternehmen an. Wenn Du Dich für eine bestimmte Vorgehensweise entschieden hast, dann lasse Dich nicht von den Service- Anbietern umstimmen. Du als Auftraggeber bestimmst das Vorgehen. Der Idealfall ist natürlich ein Landwirt*in Deines Vertrauens, der/die Dich berät und dann die dazugehörige Arbeit leistet. Natürlich gehört die Entlohnung der Arbeit dazu. Damit wir uns richtig verstehen, es geht immer um Reparatur- bzw. Zwischensaat in den bestehende Grasbestand. Niemals Umbruch und Neusaat. Bei dem Reparatursaatgut kannst Du Dich dafür entscheiden, möglichst trockenresistente Sorten zu bevorzugen.

Wenn Du Dich jetzt an die Arbeit machst, dann bist Du so früh, dass Du auch noch Termine bekommst. Wenn es erst anfängt zu wachsen, dann stehen die Leute schlange.

Empfehlen kann ich Dir den Klassikerin der landwirtschaftlichen Berufsausbildung zum Bestimmen der Grünlandpflanzen: Deutsch, Anton: Bestimmungsschlüssel für Grünlandpflanzen während der ganzen Vegetationszeit, Verlagsunion Agrar (Österreichischer Agrarverlag), 2007

Im Übrigen wirst Du hier auf dieser Seite unter Basics bereits jetzt und in naher Zukunft die wichtigsten Infos z.B. zur Bodenbeprobung, usw. lesen können. Wir alle würden uns freuen, wenn Du uns von Deinen Erfahrungen schreiben würdest.

2 Antworten auf „Strategien: Beratung beim Grünlandmanagement“

  1. Vielen Dank für die ausführliche Antwort! Und gleich die Zusage meinerseits: Ja natürlich berichte ich, wie es mit der Weide weitergeht.

    Ich hatte schon der LUFA Nordwest Heuproben unseres eigenen Heus geschickt. Das Heu ist mikrobiologisch völlig OK. Ich nehme deshalb also an, daß es an der Grassorte liegt, warum die Pferde das Heu nicht fressen.

    Zur Idee der Neuansaat: Unsere Vorgänger hier hatten 15 Jahre lang permanent gemulcht und die Weide kurz gehalten. Außerdem haben sie wohl teilweise neu angesät. Das Ergebnis ist bei Feuchtigkeit sehr viel Moos, und ansonsten nur das Obergras, das die Pferde nicht fressen, Untergräser und Leguminosen gibt es praktisch keine. Wir haben nun im Herbst (Ende September 2020, nach Regen) nachgesät (Schlitzsaat), aber leider mit wenig Erfolg– es kommt so gut wie nichts. Der Grund ist wohl, daß die Feuchtigkeit, die man zur Nachsaat braucht, leider auch das Moos zum Explodieren bringt, weshalb die Nachsaat nicht durchkommt. Letzten Herbst mit der Schleppe das Moos zu reduzieren hatte auch nichts gebracht.

    Wenn ich eine Neuansaat vermeiden kann, ist mir das natürlich lieber! Ich werde mich also an die LUFA zwecks Boden- und Grasanalyse wenden.

    Vielen Dank und herzliche Grüße,

    Jan

  2. Hallo Jan,

    zwei Dinge fallen mir hier aus der Ferne auf und könnten Ansatzpunkte für Dich sein:

    1. Moos hängt in vielen Fällen mit Bodenverdichtung, Staunässe und zu hohen Säuregehalt zusammen.

    2. Eine misslungene Aussaat kann natürlich auch durch Fehler zu begründen sein. Relativ häufig gibt es Probleme mit mangelnder Feuchtigkeit, immerhin benötigt das Gras bis zu 20 Tage bis zum Keimen. Nur eine kurze Trockenheit, und die Aussaat ist tot. Weiterhin sind die Bedingungen für diese drei Wochen zu beachten: Minimalbodentemperatur 8° – 10°C, Lufttemperatur 15°- 20°C.

    3. Der Boden ist zu hart und zu trocken gewesen. Das ist durchaus wahrscheinlich nach diesem Dürresommer. Der durchgetrocknete Boden wirkt praktisch wie eine imprägnierte Haut und leitet kein Wasser nach unten durch. Wahrscheinlich war im Schlitzbereich der Boden staubtrocken.

    Ganz sicher kann Dir erstens die Bodenanalyse Auskunft über den pH- Wert (Säure des Bodens) geben und mit dem Spaten kannst Du ja einmal ein kleines Bodenprofil machen, um zu sehen, wie hart und feucht der Boden auch in der Tiefe ist und, ganz wichtig, ob die bestehenden Gräser teilweise 20 – 30 cm gerade in die Tiefe gehen oder wegen der Bodenverdichtungen abknicken. Du kannst auch einmal dieses Profilloch dazu nutzen, es mit Wasser zu verfüllen und beobachtest, wie und ob das Wasser versickert.

    Es könnte die Bodenanalyse ergeben, dass die Fläche gekalkt werden muss. Das würde erstens die Bodensäure regulieren, Moos reduzieren und den Boden mit mehr Bodenporen ausstatten, also den Boden besser belüften und drainieren.

    Achte pingelig darauf, dass der Boden nicht durch Befahren und durch die Tiere zusätzlich verdichtet wird. Gerade Hanglagen leiden oft unter Schlupf und Pferde, die bergab bremsen, tun nichts anderes, als Schlupfspuren legen. Unter Basics findest Du noch mehr Infos: https://pferdegruenland.de/?p=292 zum Schlupf und, gerade fertiggestellt, über Bodenproben und Bodenartbestimmung.

    Wie gesagt, das alles sind Ferndiagnosen und deshalb nur Anregungen.

    Gerne hören wir wieder von Dir

    Und im zeitigen Frühjahr solltest Du einige kleinere Probeflächen anlegen, um zu testen, ob eine Aussaat gelingt. Das ist einfach preiswerter, als Aussaatversuche auf der ganzen Fläche.

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