Beobachtungen zum Klimawandel: Dürresommer 2022

Fehlende Niederschläge lassen Böden stark austrocknen

Dürre im Sommer 2022: Der Boden speist viele Bäche und Flüsse nicht mehr

Offenbach, 12. August 2022 – Seit Mai 2022 ließ deutlich zu trockene Witterung in Verbindung mit überdurchschnittlichen Temperaturen und Sonnenstunden die Böden stark austrocknen. Dabei nahm die Bodenfeuchte in Deutschland einen ähnlichen Verlauf wie im Dürrejahr 2018. Folglich verursachte die Trockenheit auch wieder zunehmende Auswirkungen auf die Landwirtschaft, wenngleich diese bisher noch nicht ganz so gravierend wie im Jahr 2018 sind. Außerdem herrschte häufig hohe Wald- und Graslandbrandgefahr. Das berichtet der Deutsche Wetterdienst (DWD) über die Auswirkungen der Witterung im bisherigen Sommer 2022.

Austrocknung begann bereits im Frühling
Nach einem großteils überdurchschnittlich nassen Winter waren die Startbedingungen in die Vegetationsperiode 2022 von der Bodenfeuchte her gut. Doch bereits der ungewöhnlich sonnige und niederschlagsarme März sorgte für eine deutlich unter das Mittel sinkende Bodenfeuchte. Im anfangs nasskalten April entspannte sich die Situation vorübergehend, ehe im trockenen und teils schon sommerlich warmen Mai eine zunehmend tieferreichende Austrocknung der Böden begann. Diese setzte sich über den Sommer hinweg mit wenigen Unterbrechungen bis zum jetzigen Zeitpunkt fort. Dabei nahm die Bodenfeuchte der obersten 60 cm im Deutschlandmittel schon seit Mitte April einen ähnlichen Verlauf wie 2018. Die negative Abweichung zum vieljährigen Mittel der Bodenfeuchte wurde in diesem Zeitraum immer größer. Im Monatsmittel für Mai 2022 lag die Bodenfeuchte für sandigen Lehmboden noch bei 58 Prozent nutzbarer Feldkapazität (% nFK) bei einem vieljährigen Mittel von 74 % nFK. Im Juli 2022 waren es nur noch 28 % nFK, das Mittel liegt bei 51 % nFK. Besonders stark trockneten die Böden im Osten und in den Beckenlagen des Südwestens aus, im äußersten Norden und Süden erreichte die Bodenfeuchte hingegen nicht ganz so niedrige Werte.

Der Boden ist teils bis in tiefe Wurzelbereiche komplett ausgetrocknet: Steppenklima in Deutschland

Auswirkungen auf die Pflanzen
Bereits ab Mai machten sich zunehmend Auswirkungen auf die Landwirtschaft und allgemein auf die Pflanzenwelt bemerkbar: Trockenheit und Wärme beeinträchtigten gebietsweise die Blüte und Kornentwicklung bei Getreide. Die kurze, aber extreme Hitze im Juni führte besonders bei Winterweizen zu Schädigungen. Hitze und Trockenheit bewirkten teils auch eine deutlich verfrühte Abreife des Getreides, die sogenannte Notreife. Für die früh reifende Wintergerste und den Raps mit seinem tiefreichenden Wurzelwerk reichte die aus dem Winter stammende Bodenfeuchte meist noch aus, so dass die Ernte teils sogar überdurchschnittlich ausfiel. Späte Getreidesorten wie Winterweizen wurden hingegen gebietsweise stark in Mitleidenschaft gezogen, so dass der Ertrag regional deutlich unter dem mehrjährigen Durchschnitt liegen dürfte. Die Ernte erfolgte rund eine Woche früher als üblich.
Ab Juli hatte die weiter zunehmende Trockenheit zwar kaum noch Auswirkungen auf Getreide, dafür umso mehr auf Mais und Zuckerrüben, deren Wasserbedarf im Laufe des Sommers deutlich ansteigt. Bei diesen Pflanzen wurden in den letzten Wochen immer deutlicher teils irreversible Schäden sichtbar. Inzwischen wird in einigen Regionen der erste Körnermais als Silomais gehäckselt, um wenigstens die Grünmasse noch retten zu können, denn der Kornertrag wäre erheblich zu niedrig. Auch Grünland verdorrte zusehends und wird seinem Namen vielerorts nicht mehr gerecht; gebietsweise fiel einer der üblichen Grünlandschnitte aus. Auch bei vielen Bäumen und Sträuchern wurde der Trockenstress immer deutlicher sichtbar. Im Obstbau kamen teils Schäden durch Überhitzung der Früchte bei gleichzeitigem Wassermangel hinzu – sogenannter Sonnenbrand. Mitunter zeigten aber auch die Blätter von Laubbäumen Sonnenbrandschäden. „Wir haben aktuell einen sehr ähnlichen Verlauf der Bodenfeuchte wie im Jahr 2018“, so Dr. Udo Busch, Leiter der Abteilung Agrarmeteorologie beim DWD. „Die Böden zeigen in weiten Teilen Deutschlands eine extreme Trockenheit, die nicht nur der Landwirtschaft große Probleme bereitet. Auch Verkehrsträger wie die Schifffahrt sind aufgrund von Niedrigwasser betroffen. Die Folgen, unter anderem für die Wälder, die eventuell ein viertes Trockenjahr innerhalb von fünf Jahren überstehen müssen, können wir heute noch gar nicht abschätzen.“ 

Schon ab März überdurchschnittlich hohe Waldbrandgefahr
Während sich eine für die Pflanzenwelt relevante Trockenheit über einige Wochen aufbaut, führt schon eine Reihe sonniger und warmer Tage zu hoher Waldbrandgefahr. Dies liegt daran, dass die auf dem Waldboden aufliegende Streuschicht, bestehend aus abgestorbenen Blättern und Nadeln, innerhalb weniger Tage austrocknen kann und damit reichlich zündfähiges Material vorhanden ist. So stieg der 5-stufige Waldbrandgefahrenindex des DWD bereits im anhaltend trockenen März häufig auf die Stufe 4 (hohe Gefahr) – im Deutschlandmittel so oft wie in keinem März der letzten Jahrzehnte. Ab Mai bestand regional und zeitweise wieder hohe (Stufe 4), gelegentlich auch sehr hohe Waldbrandgefahr (Stufe 5). Ab etwa Mitte Juli bis jetzt wurde gehäuft und teils für einige Tage am Stück sowie für weite Teile Deutschlands eine hohe bis sehr hohe Waldbrandgefahr berechnet. In diesem Zeitraum entstanden dann auch vermehrt Waldbrände, vor allem in den östlichen Bundesländern brannten sogar mehrere 100 Hektar Wald. Auch der Graslandfeuerindex, der die Brandgefahr von offenem Grasland mit einem abgestorbenen Grasanteil einschätzt, erreichte häufig großflächig Stufe 4 (hoch) und an den besonders heißen Tagen auch Stufe 5 (sehr hoch). Besonders bei der Getreideernte kam es durch Funkenflug zu einigen Bränden reifer und damit trockener Getreide- oder Stoppelfelder.

Quelle: Deutscher Wetterdienst DWD

Beobachtungen zum Klimawandel: Die aktuelle Datenlage in Deutschland (SPIEGEL- Klimabericht)

Der Spiegel bietet auf spiegel.de die sehr informativen Daten zum Klimawandel. Ich gebe sie hier wieder, weil die Daten recht anschaulich zeigen, ob unsere Bemühungen zur Reduzierung des Klimawandels ausreichen. Ich werde diese Daten kontinuierlich aktualisieren, damit Entwicklungen in die eine oder andere Richtung sichtbar machen.

Die Energiewende zum klimafreundlichen Ökostrom ist im November 2021 in Deutschland erst zu knapp 37% gelungen. Der Norden hat den Wind und der Süden in Deutschland will den Windstrom nicht haben.
Immer öfter läuft das Meerwasser höher auf. Eine weitere Zunahme von 25 cm würde hier in der tideabhängigen Weser schon reichen und der „Blanke Hans“ ist da. So viel zu der Bemerkung: Was machen denn +25 cm schon aus.

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MerkmalNov. 2021*Dez. 2021*Jan
2022*
Feb
2022*
März 2022*April
2022*
Mai
2022*
Juni
2022*
Juli
2022*
August
2022*
September 2022*Oktober 2022*November 2022*Dezember 2022*
Temperaturanstieg seit Industrialisierung
in D
1,2°C1,2°C1,2°C1,2°C1,2° C1,2°C1,2°C1,2°C1,2°C
Veränderung Meeresspiegel
seit 188o
+25 cm+25 cm+25 cm+25 cm+25 cm+25
cm
+25 cm+25
cm
+25
cm
Anteil erneuerbare Energien in D36,9 %43,8 %35,7 %67,6 %47,5
%
50,2
%
53,8
%
53,7
%
44,1
%
67
%
+1,5°C- Grenze wird bei derzeitiger, globaler CO2-Emission erreicht in 7,67 Jahre7,61 Jahre7,52 Jahre7,44 Jahre7,37 Jahre7,19
Jahre
7,09
Jahre
7,03
Jahre
6,95 Jahre
Anzahl Wetterstationen
in D mit außergewöhnlich hohen Wärmemessdaten in vergangener Woche
24%0%5%48%0%82%91%0%98%
Anteil trockener, dürrer Böden
in D
31%40%42%37%30%46%76%87%95%
Masse arktisches Meereis im Vergleich 1981 – 2010-6,5%-6,6%-3,8%-5,4%-4,9%-3,2%-9,2%12,2%14,9%
Datenquelle: * jeweils Monatsmitte, SPIEGEL- Klimabericht
Im Jahr 2019 war die deutsche Landwirtschaft für die Emission von rund 61,8 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalenten verantwortlich. Das sind 7,6 Prozent der deutschen Treibhausgas-Emissionen (Quelle: Thünen Institut)

Basics: Warum leben wir (bald) nicht mehr in einer gemäßigten Klimazone?

Warum kommt es bei uns vermehrt zu Dürre- und Starkregenereignissen?

Obwohl es anders aussieht, das Wetter entsteht nicht zufällig. Verantwortlich für das Wetter- und Klimageschehen sind globale Windzirkulationen, die klaren Gesetzmäßigkeiten unterliegen. Direkt beeinflussen uns die Windzirkulationen der Nordhalbkugel. Welche Gesetzmäßigkeiten gibt es hier bei uns?

Polarwirbel und Jetstream steuern unser Wetter

Hellgrüne Linie: Jetstream, hellblaue Linie: Polarwirbel

Wettermotor auf der Nordhalbkugel ist der Polarwirbel. Seine Energie erhält er aus der Temperaturdifferenz zwischen dem kalten Nordpol und dem warmen Süden. Dieser sehr schnelle und kräftige Polarwirbel treibt wiederum den in 10 km Höhe und ca. 500 km/h schnellen Jetstream an. Der umkreist in Wellenlinien unsere Nordhalbkugel.

In einem Wellental des Jetstream bilden sich auf seiner Nordseite Tiefdruckgebiete aus. Entsprechend befinden sich im Wellenberg auf der Südseite Hochdruckgebiete. Der Jetstream transportiert also immer abwechselnd Hochdruck- und Tiefdruckgebiete über uns hinweg. Bisher war die Lage und Geschwindigkeit des Jetstreams so justiert, dass durchschnittlich 3 Tage Hochdruck und danach 3 Tage Tiefdruck unser Wetter dominierten. Gemäßigtes Klima eben. Sonne und Regen im harmonischen Verhältnis.

Diese Zeiten sind vorbei

Es ist kein Geheimnis, dass die Temperaturen im nordpolaren Bereich drastisch steigen. Der hohe Norden wird an manchen Tagen mediterran. In Grönland kann der Salat im Freiland wachsen, die Permafrostböden tauen auf und die ersten Flaschen Wein werden auf Island abgefüllt. Die Eisberge am Nordpol schmelzen schneller als prognostiziert. Was hat das mit dem Wetter zu tun? Eigentlich ganz einfach: Der Polarwirbel wird langsamer, weil die deutlich geringere Temperaturdifferenz zwischen Polkappe und dem Süden zu einer geringerer Energielieferung an den Polarwirbel führt. Dem Polarwirbel droht die Energie auszugehen. Als Folge wird der durch den Polarwirbel angetriebene Jetstream ebenfalls träger. Die Amplituden werden höher, gleichzeitig breiter und bewegen sich auch noch deutlich langsamer. Und genau das hat Auswirkungen auf unser Wetter und Klima.

Polarwirbel und Jetstream geht die Puste aus

Hellgrüne Linie: Jetstream, hellblaue Linie: Polarwirbel

Der Wechsel von Hochdruck- und Tiefdruckgebieten vollzieht sich nicht mehr in Tagen, sondern im Wochenrhythmus. Wochenlang tiefdruckbedingtes Regenwetter oder wochenlang hochdruckbedingte Saharahitze. Der Jetstream verliert seinen früheren Schwung, nicht ohne Grund hören wir von den Meteorologen immer öfter den Begriff „Standwetter“. In manch Wetterbericht wird vermerkt, dass eigentlich die Wettervorhersage vom Band kommen könne, da immer gleich.

Mal Saharahitze, mal Polarkälte

Die größere Amplitude des heutigen Jetstream sorgt dafür, dass Tiefdruckgebiete bis an den Äquator und Hochdruckgebiete bis in die polaren Bereiche gelangen können. Wenn sich dann aber polare Kaltluft und äquatoriale Warmluft treffen, kommt es durch die massiven Temperaturdifferenzen zu kräftigen Energieentladungen (Gewitter) mit bei uns bisher nicht für möglich gehaltenen Regenmengen in kurzer Zeit. Warum das? Ganz einfach: Warme Luft kann mehr Wasser speichern als kalte Luft.

Das Meer entlädt sich über uns

Ein derzeit häufig zu beobachtendes Beispiel: äquatoriale, 30°C warme Luft nimmt über dem Mittelmeer und oder dem Atlantik bis zu 30 g Wasserdampf je m3 auf. Prallt diese feuchtwarme, wassergesättigte Luft auf polare Kaltluft von z.B. 10°C, steigt sie in die Höhe, kühlt ab und dann muss sie ca. 20 g Wasser je m3 Luft abregnen, denn diese erkaltete Luft kann nur noch 9,5 g Wasser je m3 Luft halten.

Bereits ein Temperaturanstieg von nur 1°C ermöglicht eine 7% gesteigerte Wasserdampfaufnahme. Die vergrößerte Amplitude des die Nordhalbkugel umschlingenden, immer träger werdenden Jetstreams sorgt für teilweise monsunartige Regenereignisse in unserer ehemals gemäßigten Klimazone , die wir bisher nur aus dem Fernsehen in weit entfernten Ländern kannten.

Strategien: Kein „Kurzhaarschnitt“

Unter 8 cm geht gar nicht

Artenvielfalt erhalten, Beschattung des Bodens im Sommer verbessern und eine schnellere Regeneration ist das Ergebnis einer moderaten Mähwerktiefe bzw. frühzeitigem Umtriebs

Nur nichts umkommen lassen. Das gilt Vielerorts auch für die Ausnutzung des Grünlandes. Um möglichst viel zu ernten wird mit nur wenigen Zentimeter Abstand zum Boden gemäht und die Pferde nagen die Weiden bis auf wenige Millimeter ab: Golfrasen.

Das ist weder clever noch ökonomisch, denn die Geiz-ist Geil- Denkweise ist der Killer eines auskömmlichen Dauergrünlandes.

Zu kurzes Mähen oder Abfressen stresst das Grünland und ist die Garantie für geringere Erträge und schlechtere Futterqualität. Warum ist das so?

  • Zu tief geschnittenes bzw. zu tief gefressenes Gras bietet gerade im Sommer nicht mehr genügend Schatten. Die Sonne schein ungeschützt auf die Pflanzen und den Boden. Da deutlich wärmer als als schattierter Boden, verdunstet er wesentlich mehr Wasser als ein beschatteter Boden und trocknet mehr und mehr aus. Im Sommer ein rascher Schritt zur Dürre.
  • Auch die Pflanzen verdunsten mehr Wasser und müssen mehr Energie für den Wassertransport aufwenden. Da nur eine ganz bestimmte Energiemenge durch die Photosynthese der Pflanze zur Verfügung steht, steht wegen des Mehrbedarfes für den Wassertransport entsprechend weniger Energie für das Pflanzenwachstum zur Verfügung. Das Grünland reagiert gestresst, die Regeneration des Grünlandes ist eingeschränkt, die Nutzungspause wird größer, der Ertrag des Grünlandes sinkt ab. Weniger Pferde werden von der Fläche satt.
  • Zu tief eingestellte Mähwerke versetzen das Mähgut mit Erde. Das Heu ist staubig, die Pferde husten. Silage wird nicht hygienisch konserviert und ist ein ernstzunehmendes Risiko für die Pferde (Kolik).
  • Zu kurz gefressenes Gras ist eine mehrfache Gefahr: Hufrehe und Sandkolik.
  • Eines der wichtigen Organe der Pflanze, das Meristem, kurz gesagt die Wachstumszone (Bildungsgewebe), der meisten Grünlandpflanzen bei uns in Mitteleuropa wird durch zu kurzes Abfressen und/oder Mähen geschädigt. Die Grünlandpflanzen werden entweder zerstört oder wachsen wesentlich langsamer wieder auf. „Kurzhaarschnitte“ des Dauergrünlandes sind eine der wichtigsten Ursachen, neben der übertriebenen Stickstoffdüngung, des Verlustes der Artenvielfalt. Die ersten, die nicht wieder aufwachsen, sind die Kräuter.

Aus diesen Gründen ist die tiefe Mähwerkeinstellung und die überlange Beweidung gerade auch in Zeiten des Klimawandels unbedingt zu vermeiden.

Dauergrünland regeneriert sich am besten, wenn die Pflanzen nicht tiefer als 8 cm gemäht bzw. abgefressen werden.

Strategien: Das Wasser in der Landschaft behalten

Es ist ein ständiges Tauziehen: Naturschützer wollen das Wasser in der Landschaft behalten damit es in den Boden eindringt und als Wasserspeicher fungiert und Landwirte drängen auf Drainage ihrer Anbauflächen, um auch Moore, Feuchtgebiete, Auen und Überflutungsflächen, die früher lediglich eingeschränkt als Grünland nutzbar waren, landwirtschaftlich zum Getreide- oder Maisanbau nutzen zu können.

Mit einer intelligenten Wasserführung lässt sich das Wasser in der Landschaft halten. Die nächste Dürrezeit kommt bestimmt. Im Boden gespeichertes Wasser hilft in der Trockenzeit.

Im Zeichen des fortschreitenden Klimawandels kann die über Jahrzehnte praktizierte entwässerungsbasierte Wirtschaftsweise der Landwirtschaft so nicht mehr verantwortet werden. War es bisher üblich, dass die Entwässerungsverbände/ Wasserwirtschaftsverbände oft dem Wunsch der Landwirtschaft nach Entwässerung weitgehend nachkamen, so konnte auch auf feuchten Böden, die früher als reine Grünlandstandorte galten, intensive Landwirtschaft betrieben werden. Durch die Entwässerung werden die Bodenporen belüftet und die durch das hohe Grundwasser konservierte organische Masse wird durch das auflebende Bodenleben mineralisiert. Die so entstandenen mineralischen Stickstoffe sind so hoch, dass große Mengen nicht von Pflanzen aufgenommen werden können und so sickern das überschüssige Nitrat (NO3) der Schwerkraft folgend in das Grundwasser. Bei diesem Mineralisierungsprozess wird neben dem Nitrat gleichzeitig klimaschädliche Gase, vorrangig Kohlenstoffdioxid (CO2) und Lachgas (N2O), frei und gelang in die Atmosphäre. Besonders kritisch sind die Lachgaseinträge in die Atmosphäre, weil sie ca. 300 x klimaschädlicher als Kohlenstoffdioxid sind. Weitere Folge ist, dass der nunmehr mineralisierte Boden deutlich dichter ist als ein Boden mit hohem organischen Anteilen: der Boden sinkt in Richtung Grundwasser. Die Landwirte stellen fest, dass ihre Böden wieder zu nass werden und drängen auf vermehrte Entwässerung. Eine Schraube ohne Ende. Wer diesen Effekt direkt beobachten möchte, der/die kann gut geologische Karten aus verschiedenen Zeitabschnitten vergleichen. Die Flächen sinken immer tiefer ab.

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist durch die durch ständige Entwässerung minimalisierte (zerstörte) Organische Bodenmasse der Boden um nahezu einem Meter gesackt. Dabei wurden große Mengen der Klimagase Kohlenstoffdioxid (CO2) und Lachgas (N2O) in die Atmosphäre sowie gleichzeitig bedeutende Mengen Nitrat (NO3) in das Grundwasser freigesetzt.

Wenn organische Masse, wie z.B. Torf oder Wurzelgeflechte, belüftet werden, wandelt das sich entwickelnde Bodenleben die organische Masse in mineralische Masse (Mineralboden) um. Die Dichte des Mineralbodens ist größer, der Boden sinkt zusammen und in Richtung Schwerpunkt. Die Landschaft fällt tiefer. Bis zu 3 – 4 cm pro Jahr. In den letzten 100 Jahren ist der Oberboden über organischen Bodenhorizonten (z.B. Niedermoor) um 1 Meter abgesunken. Die ursprüngliche Landschaftshöhe kann man/frau jederzeit an unten Brücken erkennen, die auf den ortsstabilen Sand gegründet werden.

Besonders eindrucksvoll sind z.B. Brücken über Entwässerungsgräben auf Feldwegen. Diese sind meist tief bis in den Sand oder auf den Fels gegründet und senken sich, im Gegensatz zu den Feldwegen und der umgebenden Landschaft, nicht ab, sie stehen immer höher in der Landschaft. Jetzt wisst Ihr, warum manche Brücken zu Ölwannenkillern werden und deshalb alle Jahre die Anfahrten immer wieder angeflickt werden müssen.

Moore und Feuchtgebiete sind wertvolle Wasserspeicher. Deren Trockenlegung verhindert nicht nur Wasserspeicher für sommerliche Dürrezeiten, sondern produziert das klimaschädigende Treibhausgase, wie Kohlenstoffdioxidgas und und das besonders klimaschädigende Lachgas.

Neben der Vermeidung der Nitratanreicherung und dem Eintrag von klimaschädigendem Treibhausgase (CO2 und N2O) verbietet der Klimawandel mit seinem deutlichen Temperaturanstieg das Ableiten des Oberflächenwassers aus der Landschaft. Die Folgen der Dürresommer in den letzten Jahren lassen sich nur noch durch eine intelligente Wasserhaltestrategie in der Landschaft abmildern. Wasser steht in Deutschland bereits jetzt nicht mehr grenzenlos zur Verfügung, der Verteilungskampf hat bereits begonnen. Neben der vermehrten Anstauung des Oberflächenwassers in Gräben, der Wiederbelebung von Teichen, Seen, Überflutungsflächen und Auen müssen Feuchtgebiete, Moore und Flussläufen mit Pegelpendelraum renaturalisiert werden. Das Wasser muss in der Landschaft bleiben und darf nicht entsorgt werden, um die zunehmende Frühjahrs- und Sommerdürre abfedern zu können.

Das bedeutet aber auch, dass nicht an jedem Tag das Grünland von den Pferden beweidet werden kann. Wenn in der vegetationsfreien Winterzeit der Boden vermehrt Wasser speichern soll, dann hat das natürlich Auswirkungen auf die Trittfestigkeit des Grünlandes.

Wir müssen uns entscheiden: Dauernde, konsequente Entwässerung und Trittfestigkeit über das ganze Jahr mit dem Nachteil einer Futtermittelknappheit im Sommer oder aber ein Beweidungsstopp im Winter mit der Möglichkeit der Wasserspeicherung des Bodens und einer auskömmlichen Futterproduktion für unsere Pferden.

Beides, konsequente Entwässerung mit Allwetterweiden und ausreichende Futterproduktion gibt es heute und zukünftig nicht mehr.

Merke:

Humusaufbau im Boden entzieht der Atmosphäre das Klimagas CO2

Humusabbau reichert die Atmosphäre mit dem Klimagas CO2 an.

Schon 2015 hatte der französische Agrarminister Stephane le Foll beim Klimagipfel in Paris die Initiative „4 Promille“ vorgestellt. Seine Idee: Wenn weltweit jährlich vier Promille mehr organische Bodenmasse in den Böden gespeichert würde, so könnten damit alle globalen, vom Menschen gemachten Treibhausgasemissionen kompensiert werden. Der durch die Erhöhung der Organischen Masse gespeichert Kohlenstoff im Boden sollte, so die einhellige Meinung der Fachleute, ein großer Beitrag zum Abbremsen des Klimawandels werden. Immerhin ist die Landwirtschaft für 20% der klimaschädigenden Treibhausgase verantwortlich. Deshalb hat auch Deutschland sich durch Unterschrift verpflichtet, die „4 Promille- Initiative“ zu unterstützen. Einen wesentlichen Beitrag zur decarbonisierenden Pferdehaltung leisten diejenigen Tierhalter*innen, die auf Grundwasserabsenkungen und Grünlandumbrüche verzichten und stattdessen dem Boden kontinuierlich Organische Masse (z.B. Rindermist, Pilzsubstrat, Mulch, usw.) zuführen und gleichzeitig eine bodenschonende Beweidung (kein Werdegang auf wassergesättigten Böden, Weidewechsel, keine Überweidung, usw.) vornehmen.