Strategien: Stickstoffdüngung reduzieren

Aus dem mineralischen Stickstoff im Boden bildet die Pflanze organisches Eiweiß. Das ist der Baustoff der Pflanzenzellen. Eine Erhöhung der Stickstoffversorgung steigert den Ertrag beim Grünland erheblich, das Gras hat eine wesentlich größere Blattmasse. Damit die Pflanze schneller wächst, entwickelt sie größere Pflanzenzellen und gleicht die abnehmende Stabilität durch einen höheren Wassergehalt der Zelle aus.

Federgras trotzt der Trockenheit durch eine reduzierte oberirdische Blattmasse und verhindert übermäßige Verdunstung. „Bezahlt“ wird diese Strategie durch einen niedrigeren Ertrag.

Großzügig mit Stickstoff versorgte Pflanzen haben einen wesentlich höheren Wassergehalt als Pflanzen auf stickstoffärmeren Flächen. Der höhere Ertrag mit dem einhergehenden höherem Wassergehalt hat aber auch Nachteile:

  • Schadinsekten, Viren und Pilze bevorzugen wasserhaltige Pflanzen > Erhöhter Schadbefall (1. Beispiel Rosen: Hohe N- Düngung provoziert Mehltau und Lausbefall. 2. Beispiel: Hohe N- Einträge aus der Luft lassen den Wald schneller wachsen, das Holz ist aber feuchter und weniger stabil sowie vermehrt von Schädlingen befallen. Stickstoffeinträge aus der Luft (NOx) aus den Autoabgasen trägt zum Waldsterben bei)
  • Verminderte Halmstabilität > Kultur liegt nach Regen und Wind leicht am Boden >Schimmel, Verschmutzung und Fäulnisbildung
  • Deutlich verringerte Trockenresistenz > Pflanze verbraucht und verdunstet viel Wasser
  • Weniger Strukturstoffe, weicher Griff
  • Hoher Eiweißgehalt der Pflanze > vielfach Überversorgung der Pferde > Abbau über die Nieren > erhöhte Nierenbelastung > reduzierte Energie für Arbeitsleistung

Merke: Eiweiß = Baustoff , Energie = Treibstoff

Wegen des bereits einsetzenden Klimawandels sind die bisherigen Düngeempfehlungen für Stickstoff beim Pferdegrünland nicht mehr zeitgemäß, weil zu hoch!

Warum die Stickstoffdüngung reduzieren?

  • Durch längere Dürreperioden findet im Hochsommer kaum noch Graswachstum statt. Folglich benötigt die Pflanze im Einfluss des Klimawandels wesentlich weniger Stickstoff, also Wachstumsdünger. Da vielerorts es keinen zweiten Aufwuchs mehr gibt (Hitze und Wassermangel) benötigt das Grünland oftmals ca. 30% weniger Stickstoff.
  • Da Stickstoff stark auswaschungsgefährdet ist und ins Grundwasser gelangt (Nitratbelastung!), muss zielgenau der Wachstumsdünger ausgebracht werden. Wird z.B. in eine Dürreperiode herein gedüngt, wird die Stickstoffmenge nicht von der Pflanze aufgenommen und kann bereits bei einem heftigen Gewitterregen in Oberflächengewässer oder ins Grundwasser gespült werden.
  • Durch hohe Stickstoffeinträge aus der Luft (z.B. Straßenverkehr (NOx)) wird heute wesentlich mehr Wachstumsdünger wirksam und muss von dem Düngebedarf abgezogen werden.

    Merke: Was wegen Hitze und Trockenheit nicht wächst, darf auch nicht mit Stickstoff gedüngt werden! Pferde profitieren übrigens von dem stickstoffreduzierten Grundfutter.

Exakte Düngeempfehlungen des Wachstumsdüngers Stickstoff sind nicht möglich, da stark abhängig vom Klima, dem Boden, der Jahreszeit, dem Tierbesatz, dem Ökosystem, usw.)

Folgende Düngemengen für das Nährelement Stickstoff (N) können aber beispielhaft für das Pferdegrünland empfohlen werden:

1. Teilgabe2. Teilgabe
Düngeempfehlung (Reinnährstoff)
pro Jahr und Hektar* (kg/a/ha)
Wachstumsbeginn2. Aufwuchs bzw. 2. Schnitt
40 kg N30 kg N10 kg N
* 1 Hektar = 10.000 m2nur, wenn noch Wachstum stattfindet!

Eines muss aber jedem Pferdehalter*in klar sein: Durch den Klimawandel und die notwendige Düngerreduzierung wird es weniger Ertrag geben und somit wird der Flächenbedarf zur Sicherstellung des Grundfutters mindestens auf durchschnittlich 1 Hektar je Pferd (10.000 m2) steigen.

Merke: Dauergrünland ist in Mitteleuropa fast immer anthropogen beeinflusst und überwiegend auf eine nachhaltige Stickstoff- Düngung angewiesen. Das kann durch mineralischen Stickstoff (z.B. NH4 oder NO3) bzw. durch organischen Stickstoff (Mist, Gülle, Humus, Mulch, usw.) vorgenommen werden. Ohne Stickstoffversorgung wird es, bis auf wenige Ausnahmen, bei uns in Deutschland kein Dauergrünland geben können. Es gehört mittlerweile zu den gefährdeten Kulturflächen in Deutschland.

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