Basics: Bodenreaktion

Kalkabbau (Muschelkalk, Kohlensaurer Kalk) an der Dänischen Ostseeküste.

Die Bodenreaktion ist die Wirkung der Säure bez. der Base (Lauge) auf den Boden. Fachlich ausgedrückt: Die Wirkung der Azidität bzw. Alkalität (Basizität) auf den Boden. Ausgedrückt wird die Azidität bzw. Alkalität mit dem pH- Wert.

Der pH- Wert hat große Auswirkungen auf den Boden, besonders auf das Bodenleben, denn Säure dezimiert das Bodenleben, es wirkt desinfizierend und reduziert die im Boden lebenden wertvollen Bodenbakterien, Viren und Pilze. Je saurer ein Boden, desto geringer die Bodenaktivität. Bodensäure neutralisiert Kalk und behindert dadurch die Fähigkeit des Bodens stabile Krümel (Bodenkolloide) zu bilden.

Saure Böden sind in aller Regel weniger belüftet, weniger wasserdurchlässiger und -aufnahmefähig, besitzen ein reduziertes Bodenleben mit geringerer Umwandlung von organischen Materialien in pflanzenverfügbaren mineralischen Boden.

Generell kann gesagt werden, dass die Pflanzenverfügbarkeit von Mikronährstoffen und auch Schwermetallen deutlich zunimmt. Damit enthält auch das Futter höhere Schwermetallgehalte. Das gilt auch für das für Planzen sehr toxisch wirkende Aluminium. Ebenfalls gilt die vermehrte Wurzelaufnahme bei sauren Böden auch für Eisen. Das ist übrigens der Grund, warum Pflanzen, die an saure Standorte angepasst sind, in aller Regel dunkelgrüne Blattfarbe haben, wie z.B. Rhododendron, Eibe, Ilex, Sauergräser (das sind die runden, schaumgefüllten, dunkelgrünen Gräser), usw., weil Eisen die Produktion des grünen Blattfarbstoffes (Chlorophyll) steigert. Das ist übrigens der Grund, warum Rasen durch die Düngung mit Eisen-II-Sulfat satter grün wird.

Sauerer Boden macht Eisen pflanzenverfügbar und das färbt die Blätter dunkelgrün. Sauergräser sind deshalb immer auch Zeigerpflanzen für saure Standorte.

Das Pferdegrünland ist in Mitteleuropa in aller Regel menschenbeeinflusstes Kulturland, also anthropogen beeinflusst. Ohne Bewirtschaftung würde bei uns immer Wald entstehen.

Weil in Mitteleuropa die Böden von Wiesen und Weiden grundsätzlich immer saurer werden, muss der Boden in regelmäßigen Abständen abgepuffert werden, also die Säure reduziert werden.

Gründe für die normale Bodenversäurung sind:

  • Wurzelsäureausscheidung. Diese entsteht bei der Nährstoffaufnahme und der Energieumwandlung (Dissimilation). Die ausgeschiedene Säure hilft der Pflanze im übrigen bei der Verwitterung von Steinen und Nutzung der dann freiwerdenden Nährstoffe.
  • Wiesen und Weiden haben die größte Pflanzendichte aller Kulturen und somit die mengenmäßig größte Wurzelsäureausscheidung.
  • Verlust von Kalzium wegen zunehmender Bodenversäurung
  • Saurer Regen
  • Säureeintrag durch Mineralisierung und Nitrifikation
  • Schädigende Stickstoffeinträge (Wachstumsdünger). Derartige Anreicherungen (Eutrophierungen) mit Stickoxiden (NOx) stammen aus Abgasen, die bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe, wie Kohle oder Öl (z.B. Autoverkehr) entstehen. Die Wirkung der „Düngung“ bewirkt vermehrtes Wachstum des Grünlandes und somit vermehrte Wurzelsäureausscheidung

Wie stark die Versäurung des Bodens ist, beantwortet die Messung des pH- Wertes. Die LUFA misst nicht nur den pH- Wert, sondern ermittelt einen Zielwert, der abhängig ist von der Lage, der Bodenart, dem Humusgehalt, dem Ertrag, der Nutzung, dem Bewuchs. Zielwerte können zwischen pH 4 – 7 liegen.

Merke: Wegen der unvermeidlichen Bodenversäurung des Dauergrünlandes ist eine Abpufferung der Bodensäure, in aller Regel mit Kalk, regelmäßig notwendig. Die zielgenaue Kalkung sorgt auch dafür, dass die Pflanzen Dürrezeiten wesentlich besser überstehen können und obendrein das Futter für die Pferde genügend Kalzium für harte Knochen enthält, besonders für trächtige, taktierende und wachsende Tiere.

Basics: pH- Wert

Der pH- Wert ist ein wichtiger Indikator bei der Beurteilung der Bodeneigenschaften

Die Anzahl der freien, also im Bodenwasser gelösten Wasserstoffionen H+ ist ein wesentlich verantwortlich für die Bodenqualität (Bodenreaktion) . Deshalb wird der Gehalt an freien H+-Ionen bei einer Bodenprobe gemessen und der sog. pH- Wert bestimmt.

Merke: pH ist die Abkürzung für pondus (Gewicht) Hydrogenium (Wasserstoff)

1 Liter neutral reagierendes Wasser, also weder Säure (sauer) noch Lauge (alkalisch) ist, enthält genau 0,000 000 1 g freie Wasserstoffionen H+. Weil das sehr unhandlich zu lesen und zu schreiben ist, wird es 1 durch 107 benannt. Und auch das ist ein Dilemma auch hier bei mir, ich kann in einer Zeile nicht einen Bruch schreiben. Folglich hat man sich vereinbart 10-7 einzutippen. Genau, wie früher im Matheunterricht. Und weil das immer noch zu unbequem beim Eintippen millionenfacher Untersuchungsergebnisse ist, hat man sich weltweit vereinbart stattdessen nur pH 7 zu schreiben.

Und jetzt kommt die weitverbreitete Falle: pH 6 bedeutet, 1 Liter Wasser enthält 0,00 001 g freie H+– Ionen, also also 10 mal mehr Wasserstoffionen als pH 7. Entsprechend pH 8, da sind es 10 mal weniger Wasserstoffionen.

Merke: Wasser, welches mehr als 10-7 g lösliche Wasserstoffionen je Liter hat, reagiert sauer und ist für einen sauren Boden verantwortlich. Wasser, welches weniger als 10-7 g lösliche Wasserstoffionen hat, reagiert alkalisch (= Lauge) und ist für einen alkalischen Boden verantwortlich.

Der Messbereich bei der pH- Bestimmung geht von 1 bis 14. Dabei ist pH 1 eine 99%ige Säure (wirkt sauer) und pH 14 eine 99%ige Lauge (wirkt alkalisch). pH 7 ist neutral, weder Lauge (alkalisch) noch Säure (sauer).

Folgende pH- Werte geben Euch eine erste Einordnung:

StoffpH- Wert (Mittelwert)
Zitronensaft2 – 3
Essig2 – 3
Silage3 – 4
Blut Pferd 7,3 – 7,5
Kernseife10 – 11
Magensaft Pferd2,5
Blinddarm Pferd7
Speichel Pferd7,31 -7,80
Haut Pferd4,5 – 6,5
Haut Mensch4,7 -5,7
Pferdeäpfel6,5 – 7,5
BodenreaktionpH- Wert
extrem alkalisch> 10,0
sehr stark alkalisch10,1 -11,0
stark alkalisch9,1 – 10,0
mäßig alkalisch8,1 – 9,0
schwach alkalisch7,1 – 8,0
neutral7
schwach sauer6,9 – 6,0
mäßig sauer5,9 – 5,0
stark sauer4,9 -4,0
sehr stark sauer3,9 – 3,0
extrem sauer< 3,0

Wie kann der pH- Wert beeinflusst, eingestellt werden? Ganz einfach, denn Lauge + Säure = neutral. Also, wenn die selbe Menge Lauge und Säure und die auch noch in der selben Konzentration (pH- Wert) vermengt wird, entsteht eine neutrale Flüssigkeit. So könnt Ihr mit Kalk (alkalisch) einen sauren Boden abpuffern. Wie stark, hängt von dem pH- Wert des Bodens und pH- Wert des Zuschlagstoffes sowie deren Mengen ab und kann berechnet werden. Dabei ist es nicht immer das Ziel, einen Boden mit dem pH- Wert 7 anzustreben. Keine Angst diese Berechnungen führt die LUFA für Euch durch.

pH- wert des Bodens selber messen?

Möglich ist es, den pH- Wert selber zu bestimmen. Drei Methoden sind üblich:

  • Elektronisches pH- Meter
  • Indikatorpapiere
  • Indikatorlösungen

Um es gleich vorweg zu sagen: Elektronische pH- Meter sind nur für Profis geeignet, da sie sehr pflegeintensiv sind und der Boden in 0,01 M CaCl2– oder 0,1 M KCl- Lösungen gelöst wird. Entsprechen aufwändig müssen die Elektroden gelagert und die Bodenlösungen behandelt werden, die dürfen sich im Gebrauch nicht in ihrer Konzentration verändern.

Indikatorpapiere bzw. Indikatorsticks zeigen durch ihre Verfärbung den ungefähren pH- Wert an. Gelöst wird der Boden in destilliertem Wasser. Indikatorpapiere und Indikatorsticks sind preiswert, lagerfähig und ausreichend genau (1/2 pH- Wert). Beim Kauf auf den Messbereich achten, ideal ca. 4 – 8. Je größer der Messbereich, desto ungenauer die Messung.

Indikatorflüssigkeiten sind gebrauchsfertig. Wenige Tropfen benetzen den z.B. mit einem Teelöffel gewonnen Boden und weisen durch die Verfärbung auf den pH- Wert.

Messungen mit Indikatorpapieren, -stäbchen oder -flüssigkeiten sind immer sog. Feldmethoden. Die Genauigkeit ist nie höher als 0,5 pH. Für eine generelle Einschätzung des Bodens durchaus ausreichend. Größere Investitionen finanzieller und zeitlicher Art sind lehrreich, können Hobby werden, aber nicht nötig, da die LUFA diese Arbeit extrem genau und preiswert vornimmt und gleichzeitig den Handlungsbedarf vorschlägt.

Mein Lesetipp in Coronazeiten

Der Lockdown wird uns noch länger erhalten bleiben. Na und? Jetzt bietet sich die Chance, einmal ganz gemütlich bei einem leckeren Getränk und einem Stück Schokolade ein Buch zu lesen. Raus aus dem Tagesgeschäft und eintauchen in die spannende Lebensgeschichte des Hippologen Dr. Rudolf Lessing. Ich wette, das Buch legt Ihr halb gelesen nicht mehr aus der Hand. Danach werden einige der heutigen Probleme zu Problemchen. Vieles relativiert sich und ich weiß ganz genau, was Dr. Lessing zu Trump gesagt hätte … .

Das Buch gibt es überall im lokalen Buchhandel, im Online- Buchhandel sowie portofrei beim Verlag BOD.

Beobachtungen zum Klimawandel: +1,6°C Anstieg der Durchschnittstemperatur in Europa

Mit einem Anstieg von +1,6°C der Durchschnittstemperatur in Europa war das Jahr 2020 das wärmste Jahr, deutlich (+0,4°C) über dem Rekord- Hitzejahr 2019 (Copernicus- Klimawandeldienst).

Die globale, weltweite Durchschnittstemperatur auf der gesamten Weltkugel erhöhte sich im Jahr 2020 um 1,2°C auf 14,9°C gegenüber dem Refernzzeitraum der vorindustriellen Zeit (1850 – 1900). Wie die globale Durchschnittstemperatur sowie deren Veränderungen einzuschätzen sind, könnt Ihr auf dieser Seite der Webseite lesen.

Angesichts des deutlichen Klimawandels kann der derzeitige, berechtigte Fokus auf die Pandemie nicht als Entschuldigung herangezogen werden, den Kampf zur Begrenzung des Klimawandels zu vernachlässigen. Im Gegensatz zum Klimawandel werden die Folgen der Pandemie nur eine zeitlich begrenzte Erscheinung sein, der Klimawandel wird noch unsere Nachkommen beschäftigen.

Deutliche Worte spricht Peters Tara, der Generalsekretär der Weltorganisation für Meteorologie WMO und mahnt klimaangepasstes Handeln an:

„Wenn wir aber nicht die Treibhausgase reduzieren und den Klimawandel in Angriff nehmen, hat das auf Jahrhunderte hinaus Folgen für die Wirtschaft, die Lebensbedingungen und die Ökosysteme auf dem Land und im Meer.“

Basics: Bodenart bestimmen

Die Bodenart ist abhängig von der Zusammensetzung der drei wichtigsten Bodenfraktionen:

BodenfraktionAbkürzungKorngröße
Sand S2 mm – 63 ym
Schluff U63 ym – 2 ym
Ton T< 2 ym
Alle Teilchen größer 2 mm sind Kies und werden bei der landwirtschaftlichen Bodenprobe nicht betrachtet.

Im Labor werden die Bodenfraktionen aufwändig durch Siebung, Sedimentation und Zentrifugieren bestimmt. Dieses relativ teure Verfahren ergibt eine exakte Analyse der Anteile von Sand, Schluff und Ton eines Bodens.

Mit Hilfe des Bodenartendreiecks wird entsprechend des jeweiligen Anteils von Sand, Schluff und Ton die Bodenart festgelegt:

Beispiel: Ein Boden mit 30% Ton und 25% Schluff sowie (Differenz zu 100%) 45% Sand nennt man/frau tonig, sandiger Lehm. Der Großbuchstabe ist die Hauptname, die Kleinbuchstaben beschreiben näher. T ist immer ein Tonboden, entweder komplett Ton Tt, sandiger Ton Ts, lehmiger Ton Ts oder schliffiger Ton Ts. Merke: Ein Lehmboden besteht überwiegend aus dem harmonischen 1/3- Verhältnis von Sand, Ton und Schluff und vereint bzw. kompensiert alle Vorteile/ Nachteile der Eigenschaften der einzelnen Bodenfraktionen.

Mehr zu den Eigenschaften der Bodenfraktionen findet Ihr hier.

Die Zusammensetzung der drei Bodenfraktionen Sand, Schluff und Ton bestimmt maßgeblich die Bodeneigenschaft und damit auch die Düngeempfehlung.

Ohne Kenntnis der Bodenart ist eine zielgerichtete Düngeempfehlung nicht möglich. Weil aber die LUFA bei der Grunduntersuchung keine Bodenartbestimmung vornimmt, ist die Angabe der Bodenart auf der Bodenprobe von zentraler Bedeutung. Für die Angabe auf der Bodenprobe genügt eine einfache, auch von Euch zu handhabende Methode, die sog. Fingerprobe.

Wie der Name schon vermuten lässt, wird der kulturfeuchte Boden (nicht trocken, nicht nass) mit den Fingern palpiert, also tastend, fühlend untersucht. Kleiner Tipp, wenn die Feuchtebedingungen nicht zutreffen: zu nass > in der warmen Hand trocknen, zu trocken > draufspucken.

Bei der Palpation des Bodens könnt Ihr folgendes erfahren:

BodenartSichtprüfungFühlen
SandEinzelkörner erkennbar, körnig, kratzend, rauh. Beim Schmecken (sensorische Prüfung) knirscht es typisch
SchluffBoden bleibt in den Fingerrillen haften, Finger werden dreckig, nicht glänzendsamtig, nur einmalig ausrollbar, aber nicht formbar
Tonglänzendmehrfach ausrollbar, formbar zu Würfeln bis zu dünnen Würsten
Der Humusgehaltlässt sich anhand der Farbe schätzen: Je dunkler der Boden, desto höher ist der Humusanteil. Bei der Bedrohung von Dauergrünland ist regelmäßig davon auszugehen, dass der Boden Humus ist.

Je nach Dominanz der jeweiligen Bodenfraktion kommt Ihr dann zum Ergebnis. Beispiel: humoser, schluffiger Ton oder humoser Schluff. Möglich ist natürlich auch ein humoser, toniger Sandboden.

Basics: Bodenprobe ziehen

Bodenprobennahme mit Bohrstock

Selbst schon im Winter, wenn die Böden nicht gefroren sind, können bereits Bodenproben genommen, Fachleute sagen auch gezogen werden.

Die LUFAs (Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalten) haben auf ihrer Internetseite hervorragende Anleitungen, wie die Bodenproben zu nehmen sind. Dabei ist sorgfältiges Arbeiten Pflicht, denn 300 – 500 g Boden geben die Realität einer ganzen Parzelle, hier einer Weide/ Wiese wieder.

Beim Dauergrünland für Pferde ist eine Standard- Bodenprobe absolut ausreichend. Standard- Bodenprobe bedeutet immer: P (P2O5), K (K2O), Mg (MgO), pH- Wert für den Ca- Bedarf. Der Preis je Probe beträgt 15,00 – 20,00 €. Natürlich bietet die LUFA auch die Bedrohung zahlreicher weiterer Mineralien und Problemstoffen an. Die Analytik ist z.T. sehr aufwändig, eine einzige Analyse kostet dann bis zu 100,00 € zusätzlich. Die Ausweitung der Standard- Bodenprobe macht wirtschaftlich nur Sinn, wenn der begründete Verdacht einer Kontamination vorliegt.

Eine Nmin– Untersuchung (Nmin = mineralischer, also pflanzenverfügbarer Stickstoff) ist nicht notwendig. Bei der N- Düngung ist sowohl die Schonung der Umwelt, die Futtermittelqualität als auch die Ertragserwartung in eine vertretbare Balance zu bringen. Diese Abwägung ist ein typischer Prozess in der nachhaltigen Bewirtschaftung eines Betriebes. Es gilt die drei Faktoren Umwelt, Ökonomie und Soziales in Einklang zu bringen.

Als Idealdüngemenge eines Wachstumsjahres für den Pflanzennährstoff Stickstoff (N) gilt:

40 kg N/Jahr/Hektar (Hektar = ha = 10.000 m2)

Wer dennoch eine Bodenprobe auf den mineralischen Stickstoff (Nmin) untersuchen lassen will, muss wissen, dass die Probe gekühlt eingeliefert werden muss. Mit Kosten von 30,00 – 50,00 € ist zu rechnen.

Hier in der Eingangsbearbeitung landen Eure Bodenproben und werden in die Laborbehältnisse umgefüllt. Wer seine nicht lesbar und dauerhaft beschriftet hat, wird sie nie wiederfinden.

Praxistipp:

  • Hilfreich bei der Probennahme ist ein Grünland- Bohrstock, den die LUFA NRW für 45.- anbietet oder LUFA-Servicennummer 0251 / 2376 – 595 . Auch lohnt der Besuch beim Landhandel/ Genossenschaft, denn die verleihen oft Bohrstöcke. Alternative Beschaffung: Erdbohrer,
  • Die Probentiefe für Grünland ist 10 cm. Ackerflächen werden tiefer (30 cm) beprobt. Um die exakte Probentiefe einhalten zu können, Spaten bzw. Bohrstock mit einer 10 cm- Tiefenmarkierung z.B. mit Klebeband, Kabelbinder, usw. markieren. Bohrstöcke sind in aller Regel universell zu verwenden, die Probentiefe geht meist bis 50 cm. Um bei einem Bohrstock den Boden aus dem Hohlstab zu entnehmen, nicht die Finger benutzen, es besteht Gefahr von Schnittverletzungen. Mögliche Hilfsmittel sind ein Zimmermannsnagel, schmaler Spachtel oder auch Hufauskratzer, idealerweise mit einem Band bereits am Bohrstock fest verbunden.
  • Probe ohne Steine und Wurzeln gewinnen, kann auch später aussortiert werden.
  • Mindestens 30 (Stichproben unter n=30 sind statistisch nicht aussagefähig!) , besser mehr Einzelproben in einem Eimer sammeln. Besonderheiten meiden, wie Raufenfläche, Torausgänge, Bereich Tränke, Raufe, … .
  • Für die Probennahme hat sich bewährt, einer Diagonale der Fläche abzulaufen und z.B. alle 3, 5 oder 10 Schritte eine Probe zu ziehen.
  • Die Einzelproben landen alle in einem sauberen Eimer (z.B. 10 l- Wassereimer). Mit einem Spachtel oder ähnlichem Gerät vermischt Ihr die Einzelproben sehr sorgfältig, denn 300 g – 500 g beschreiben jetzt Eure Wiese/Weide.
  • Jede LUFA bietet kostenfreie Bodenprobentüten, Antragsformulare und gute Anleitungen an. z.B. LUFA Nord- West (Landwirtschaftskammer Niedersachsen) , LUFA NRW, Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft, Sachsen, LVLF Brandenburg .. . Auch der Landhandel/ Genossenschaft hält häufig Bodenprobentüten der LUFA kostenfrei bereit.
  • Die regionalen LUFAs Eures Bundeslandes findet Ihr hier: www.vdlufa.de . Auf der Seite könnt Ihr dann auch sehen, ob es Probentüten, Abholpunkte gibt oder Infomaterial heruntergeladen werden kann.
  • Generell könnt Ihr jede LUFA in Deutschland nutzen. Dennoch empfehle ich den regionalen Anbieter, weil die Düngeempfehlungen dann auch regional sind, denn zwischen einer Marsch- und einer Almweide gibt es mehr als minimale Unterschiede. Und ob sich die Niedersachsen mit Almen auskennen? Hinweis: Nicht alle LUFAs bieten einen Probenservice für Privatpersonen. Unter www.vdlufa.de nächst mögliche Untersuchungsanstalt wählen.
  • Ihr könnt die Probe (300g – 500g) in die Taschen/Tüten der jeweiligen Untersuchungsanstalt abfüllen, oder einen wiederverschließbare Plastiktasche (Zip- Allzweckbeutel, wie für das Flugzeug) nutzen. Aber: Niemals die wasserfeste und lesbare Beschriftung vergessen: Adresse, Parzellenname, Bodenart, Nutzung (Dauergrünland) und unterstrichen Pferdeweide bzw. Pferdewiese. Aus Erfahrung ist die Parzellenbezeichnung besonders sorgfältig zu wählen. Hintere oder vordere Weide ist nicht eindeutig, hängt vom Standort des Betrachters ab. Himmelsrichtungen sind eindeutig zu identifizieren. Bei mehreren Flächen sollte eine grobe Planzeichnung mit Bemaßung gefertigt werden. Nur dann lassen sich die Flächen eindeutig zuordnen. Die Parzellennamen sollten in den Jahren immer gleich sein, weil die Düngeverordnung teilweise die Dokumentation über viele Jahre vorschreiben kann und Ihr natürlich auch nur über die jähre Eure Bewirtschaftung analysieren und anpassen könnt. Schließlich wollt Ihr nachhaltig arbeiten.
  • Eine Bodenprobe (P,K,Mg,pH wegen Ca) kostet durchschnittlich zwischen 15 – 20 €.
  • Wenn Ihr Probleme mit der Probennahme habt, weil Euch die Erfahrung fehlt, dann fragt einfach mal bei einem gut arbeitenden Landwirtschaftsmeister nach. Der sagt Euch auch, um welche Bodenart es sich handelt.
  • Nicht verwirren lassen, wenn beim Untersuchungsauftrag P,K,Mg,Ca, P,K,Mg,pH oder P2O5, K2O, MgO, CaCO3 steht. Es ist der Auftrag zur Grunduntersuchung.
  • Nach etwa 14 Tagen erhaltet Ihr eine Analyse der Nährstoffe und gleichzeitig eine Düngeempfehlung. Es handelt sich um eine Nährstoffempfehlung und Ihr entscheidet, mit welchem Dünger Ihr die fehlenden Nährstoffe einbringt. Deshalb ist die Untersuchung einer Bodenprobe für konventionell und biologisch wirtschaftende Betriebe gleichermaßen geeignet. Die Nährstoffanalyse umbedingt aufbewahren, denn sie dokumentiert Euren Umgang mit Nährstoffen. Die Düngeverordnung schreibt z.T. Augbewahrungsfristen von 10 Jahren vor. Gleich, ob vorgeschrieben oder nicht, könnt Ihr aus den Nährstoffanalysen wichtige Erfahrungen für eine nachhaltige Weideführung im Zeichen des Klimawandels sammeln.
  • Für jede Parzelle (Wiese/Weide) ist eine separate Probe zu gewinnen, wenn sich die Parzellen offensichtlich unterscheiden (Bewuchs, Intensität, Lage, Klima, Belichtung, usw.).

Strategien: Beratung beim Grünlandmanagement

Jan B., 23.12.2020

ich schreibe Ihnen mit einer Bitte um Beratung bei unserem Pferdegrünland. Wir haben vor knapp drei Jahren einen kleinen Hof im übernommen. Auf der Weide wächst zum großen Teil eine Grassorte, die unsere Pferde weder dort, noch als Heu fressen. Wären Sie der richtige Ansprechpartner, oder könnten Sie uns an jemanden weiterverweisen, der uns beraten könnte, wie und womit wir am besten neu ansäen und danach pflegen, um das Grünland langfristig als Pferdeweide und Pferdeheuwiese nutzen zu können? Wie funktioniert eine solche Beratung? Die Weide befindet sich auf einer leichten Hanglage, relativ schweren Lehm-Ton-Steinboden, und in den letzten drei Sommern war das Grünland natürlich auch sehr trocken. Wir fahren nur den ersten Schnitt ein; danach lassen wir die Pferde, wenn genügend Aufwuchs da ist, nochmal im Spätsommer/Herbst auf die gemähten Teile. Ab November sind die Pferde nicht mehr auf der Weide. 

Dietbert Arnold, 02.01.21

Grünlandmanagement ist eine komplexe Angelegenheit und macht die Beschäftigung damit sehr spannend. Deshalb ist eine kompetente Beratung immer vorteilhaft, auch für mich gilt die Forderung zu lebensbegleitendem Lernen. Dabei habe ich erfahren, dass es im Bereich Grünlandwirtschaft keine Geheimtricks und Wundermittel gibt, sondern nur ein analytisches Vorgehen wirkliche Erfolge bringt. Und damit sind wir schon bei dem ersten Punkt: Totspritzen, Umbrechen und Neueinsaat sind keine nachhaltige Lösung, denn diese Methode ist ausgesprochen klimaschädlich und obendrein nicht wirklich zielführend, denn gegen die Natur, hier den Boden und das Klima, lässt sich Dauergrünland nicht halten. Als Beispiel nenne ich Dir die vielen Blumenwiesen, die in guter Absicht ausgesät werden und spätestens nach einem Jahr wieder verschwunden sind, weil die Wachstumsbedingungen nicht passen.

1.

Du beginnst mit der Erfassung der Ist- Situation. Das ist in diesem Fall eine Bodenprobe. Die muss fachlich korrekt genommen werden, denn ca. 300 g Boden repräsentieren am Ende Deine Weide/Wiese.

2.

Die Bodenprobe schickst Du zu einer zertifizierten Untersuchungsanstalt. Hier bietet sich auf jeden Fall eine Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt (LUFA) an. Bei Dir ist das die LUFA Hameln (LUFA Nord-West) der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Vorteilhaft ist immer der Kontakt zu einer lokalen Luft, weil die sich in Deiner Region sehr viel besser auskennen, denn Bayern und Norddeutschland unterscheiden sich auch bezüglich der Wachstumsbedingungen ein wenig. Eine Grunduntersuchung (P2O5, K2O, MgO, CaCO3 (über pH- Wert bestimmt)) ist zunächst völlig ausreichend. Wenn der Boden frostfrei ist, kannst Du das bereits jetzt im Januar schon machen.

3.

Nachdem Die nach ca. 2 Wochen die LUFA erstens eine Analyse und zweitens eine Düngeempfehlung zugeschickt hat, nimmst Du Kontakt zum Grünlandberater*in Deiner Region bei der Landwirtschaftskammer (HB, HH, Nds, SH, RhPf, SL, NRW) bzw. Landwirtschaftsamt (Rest. Bundesländer) auf und bittest um einen Beratungstermin. Für Dein Standort ist das die Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Dabei erfragst Du, was Du mitbringen kannst (Heu, Gräser, Bodenanalyse) oder ob ein Ortstermin vereinbart werden soll. Oft hilft ein vorheriger Kontakt zu einem erfahrenen Landwirt*in, die Dir bei der Pflanzenbestimmung helfen können und Dir auch sagen, ob Deine Fläche mehr oder weniger typisch für den Boden und das Klima ist. Dabei entscheidest Du, ob Du einen biologisch oder konventionell wirtschaftenden Betriebsleiter*in um Rat bittest.

4.

Wenn Du diese oben genannten Schritte bis zum Vegetationsbeginn erledigt hast, dann kannst Du schon für dieses Jahr eventuelle Düngungen und Reparaturen (Narbenlücken schließen und Schlitzsaat) vornehmen. Über die Auswahl des Saatgutes entscheidest Du. Je nach Bedingung rate ich immer dazu, Schlitzsaat und Düngung von Profis vornehmen zu lassen. Hier bietet sich der Nachbarlandwirt, ein Maschinenring oder ein Lohnunternehmen an. Wenn Du Dich für eine bestimmte Vorgehensweise entschieden hast, dann lasse Dich nicht von den Service- Anbietern umstimmen. Du als Auftraggeber bestimmst das Vorgehen. Der Idealfall ist natürlich ein Landwirt*in Deines Vertrauens, der/die Dich berät und dann die dazugehörige Arbeit leistet. Natürlich gehört die Entlohnung der Arbeit dazu. Damit wir uns richtig verstehen, es geht immer um Reparatur- bzw. Zwischensaat in den bestehende Grasbestand. Niemals Umbruch und Neusaat. Bei dem Reparatursaatgut kannst Du Dich dafür entscheiden, möglichst trockenresistente Sorten zu bevorzugen.

Wenn Du Dich jetzt an die Arbeit machst, dann bist Du so früh, dass Du auch noch Termine bekommst. Wenn es erst anfängt zu wachsen, dann stehen die Leute schlange.

Empfehlen kann ich Dir den Klassikerin der landwirtschaftlichen Berufsausbildung zum Bestimmen der Grünlandpflanzen: Deutsch, Anton: Bestimmungsschlüssel für Grünlandpflanzen während der ganzen Vegetationszeit, Verlagsunion Agrar (Österreichischer Agrarverlag), 2007

Im Übrigen wirst Du hier auf dieser Seite unter Basics bereits jetzt und in naher Zukunft die wichtigsten Infos z.B. zur Bodenbeprobung, usw. lesen können. Wir alle würden uns freuen, wenn Du uns von Deinen Erfahrungen schreiben würdest.

Beobachtungen zum Klimawandel: Deutschlandwetter Dezember 2020

Offenbach, 30. Dezember 2020 – Nach dem sonnigen Vormonat gestaltete sich die Witterung im Dezember sehr wolkenreich und trüb. Das charakteristische „Schmuddelwetter“ wurde dabei mal von mäßig kalten, mal von ungewöhnlich milden Temperaturen begleitet. Ein landesweiter Temperatursturz von gut 10 Grad sorgte zum 1. Weihnachtsfeiertag in den Mittelgebirgen für ei-ne weiße Überraschung. Am 27. brachte Tief „Hermine“ dem Westen Sturm und dem Bergland weiteren Schnee. Alles in allem verabschiedete sich das Jahr 2020 mit einem zu warmen, trockenen und sehr sonnenscheinarmen Dezember. Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2 000 Messstationen.

Vor Weihnachten ungewöhnlich mild, dann Temperatursturz
Der Temperaturdurchschnitt lag im Dezember 2020 mit 3,0 Grad Celsius (°C) um 2,2 Grad über der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Gegenüber der wärmeren Vergleichsperiode 1981 bis 2010 betrug die Abweichung 1,8 Grad. Die erste Monatsdekade zeigte sich mäßig kalt mit frostigen Nächten. Dann wurde es zunehmend milder. Am 23. erreichte die Temperaturkurve ihren Höhepunkt. In der Westhälfte Deutschlands wurde es mit über 15 °C sogar ungewöhnlich mild. Die höchste Temperatur erfasste Müllheim, südwestlich von Freiburg, mit 16,6 °C. Am Heiligen Abend drehte die Strömung auf Nord und landesweit gingen bis zum 2. Weihnachtsfeiertag die Temperaturen nach und nach um gut 10 °C zurück. Schließlich kam die Kaltluft auch im Süden des Landes an: Am 27. wurde in Oberstdorf mit -15,0 °C der niedrigste Wert, abseits der Berggipfel, gemessen.

Viel Niederschlag in den Weststaulagen, in der Osthälfte häufig erheblich zu trocken 
Mit rund 55 Litern pro Quadratmeter (l/m²) erreichte der Dezember 2020 nur 80 Prozent seines Solls von 70 l/m². Tiefs brachten immer wieder Niederschläge, die sich jedoch schwerpunktmäßig auf die Westhälfte des Landes konzentrierten. Insbesondere in Staulagen der dortigen Mittelgebirge kamen im Monatsverlauf über 150 l/m² zusammen. Spitzenreiter war Baiersbronn-Ruhestein, nordwestlich von Freudenstadt im Nordschwarzwald, mit über 220 l/m². Die höchste Tagessumme erfasste am 22. die Station Hoherodskopf im Vogelsberg mit 46,2 l/m². Deutlich trockener blieb es im Lee der zentralen Mittelgebirge sowie in den östlichen Landesteilen. Hier und da fielen keine 15 l/m². Schneefälle, die hauptsächlich im Bergland für Winterfeeling sorgten, gab es vor allem in der ersten Dekade und zum Monatsende. Besonders im Südschwarzwald und Allgäu konnte man über 20 Schneetage zählen. Lenzkirch-Ruhbühl im Südschwarzwald meldete zum Jahresende mit gut 28 cm die höchste Schneedecke abseits der Berggipfel.

Ein vielerorts sehr wolkenverhangener Dezembermonat
Mit etwa 35 Stunden verfehlte der Sonnenschein sein Soll von 38 Stunden um 10 Prozent. Am häufigsten lachte die Sonne mit über 70 Stunden Richtung Allgäu, in Sachsen sowie in der Nie-derlausitz. Der Norden Bayerns und die mittleren Landesteile kamen teilweise nur auf gut 15 Sonnenstunden.

Das Wetter in den Bundesländern im Dezember 2020
(In Klammern stehen jeweils die vieljährigen Mittelwerte der intern. Referenzperiode)

Schleswig-Holstein und Hamburg: Schleswig-Holstein kam im Dezember auf 4,3 °C (1,8 °C) sowie rund 64 l/m² (73 l/m²) Niederschlag. Hamburg erreichte 4,3 °C (2,0 °C) und erfasste abgerundet 62 l/m² (70 l/m²). Im nördlichsten Bundesland schien die Sonne 22 Stunden (35 Stunden), in der Hansestadt waren es knapp 25 Stunden (31 Stunden). Am 27. brachte Tief „Hermine“ den Küsten schweren Sturm und in der Nacht zum 29. den südlichen Regionen gebietsweise den ersten Schnee.

Niedersachsen und Bremen: Niedersachen erreichte 4,3 °C (1,9 °C), etwa 60 l/m² (70 l/m²) und gut 30 Sonnenstunden (32 Stunden). Bremen war mit 4,7 °C (2,2 °C) die wärmste und mit rund 74 l/m² (64 l/m²) eine nasse Region. Die Sonne zeigte sich 32 Stunden (33 Stunden).

Mecklenburg-Vorpommern: Hier meldete der DWD eine Temperatur von 3,1 °C (1,1 °C), knapp 48 l/m² (52 l/m²) Niederschlag und 26 Sonnenstunden (37 Stunden). Am Morgen des 29. gab es zeit- und gebietsweise die erste dünne Schneedecke des Winters.

Brandenburg und Berlin: Brandenburg erzielte 3,0 °C (0,9 °C) und trockene 25 l/m² (50 l/m²). Berlin erreichte 3,3 °C (1,2 °C) und als niederschlagsärmstes Bundesland spärliche 21 l/m (53 l/m²). Besonders trocken war es auch in der Niederlausitz. Cottbus meldete im gesamten Monat keine 15 l/m². Die Sonne zeigte sich in Berlin mit knapp 50 Stunden (35 Stunden) und in Bran-denburg mit etwa 54 Stunden (36 Stunden) recht häufig. Nach Sachsen waren diese Länder die sonnigsten Gebiete.

Sachsen-Anhalt: Sachsen-Anhalt registrierte 3,3 °C (1,2 °C). Mit etwa 25 l/m² (47 l/m²) war es ein sehr trockenes Bundesland. Bad Lauchstädt (Saalekreis) erfasste gerade einmal 13 l/m². Knapp 48 Stunden (36 Stunden) schien die Sonne.

Sachsen: Sachsen erfasste 2,5 °C (0,3 °C). Mit mageren 25 l/m² (60 l/m²) und fast 64 Stunden (41 Stunden) war der Freistaat ein niederschlagsarmes und das sonnenscheinreichste Gebiet. Um den 21. verzauberten Eisnebelschleier die Wälder im Erzgebirge in eine Winterlandschaft.

Thüringen: Thüringen war im Dezember mit 2,2 °C (0,0 °C) ein vergleichsweises kühles Gebiet und mit rund 37 l/m² (64 l/m²) in der Fläche deutlich zu trocken. Stauniederschläge brachten le-diglich im Thüringer Wald viel Nass. In Neuhaus-Steinheid gab es dabei über 120 l/m². Die Sonne schien im Mittel knapp 37 Stunden (36 Stunden).

Nordrhein-Westfalen: Im Dezember war NRW mit 4,6 °C (2,3 °C) nach Bremen das zweitwärmste Bundesland. Die Niederschlagstöpfe sammelten aufgerundet 70 l/m² (88 l/m²) ein. Zudem schien die Sonne knapp 35 Stunden (37 Stunden). Am 27. brachte Tief „Hermine“ vielerorts stürmischen Wind. Böen erreichten 75 bis 90 km/h. Aachen-Orsbach erfasste sogar 91,4 km/h.

Hessen: Hier betrug die Mitteltemperatur 3,1 °C (0,8 °C). Dazu brachten viele Wolken etwa 72 l/m² (77 l/m²). Bis auf den äußersten Norden wurden am 1. verbreitet um 5 cm Schnee gemessen. In Oberzent-Beerfelden (Odenwaldkreis) fielen sogar 10 cm. Zur Wintersonnenwende setze Dauerregen ein, der allein am 22. in Mittel- und Südhessen örtlich mehr als 40 l/m² brachte. Die deutschlandweit höchste Tagessumme meldete dabei der Hoherodskopf im Vogelsberg mit 46,2 l/m². Hessen war mit rund 23 Stunden (32 Stunden) das sonnenscheinärmste Bundesland.

Rheinland-Pfalz: Der Dezember brachte eine Temperatur von 3,7 °C (1,3 °C) und niederschlagsreiche 87 l/m² (76 l/m²). Damit war Rheinland-Pfalz die zweitnasseste Region. In der Vulkaneifel, wie in Densborn, fielen sogar über 150 l/m². Die Sonne zeigte sich in Rheinland-Pfalz gut 27 Stunden (38 Stunden).

Saarland: Hier verbuchte der DWD eine Temperatur von 4,3 °C (1,5 °C). Mit einer Niederschlagssumme von rund 130 l/m² (98 l/m²) war das kleinste Flächenland die mit Abstand nasseste und mit aufgerundet 25 Stunden (40 Stunden) eine der sonnenscheinärmsten Regionen.

Baden-Württemberg: Mit 2,6 °C (0,3 °C) war Baden-Württemberg im Dezember das zweitkühlste Bundesland. Dazu wurden 70 l/m² (82 l/m²) Niederschlag und 35 Sonnenstunden (45 Stunden) gemessen. Am 22. und 23. stiegen die Höchstwerte am Oberrhein auf ungewöhnlich milde 14 bis 17 °C. Müllheim, südlich von Freiburg, registrierte dabei mit 16,6 °C die bundesweit höchste Temperatur. Oberhalb von 700 m lag dagegen an über 20 Tagen Schnee. Lenzkirch-Ruhbühl (Südschwarzwald) meldete zum Jahresende mit gut 28 cm Schnee die höchste Schneedecke abseits der Berggipfel. Baiersbronn-Ruhestein, nordwestlich von Freudenstadt, übermittelte mit knapp über 220 l/m² den bundesweit höchsten Dezemberniederschlag.

Bayern: Der Freistaat war mit 1,2 °C (-0,6 °C) die kühlste Region. Oberstdorf meldete am 27. mit -15,0 °C nicht nur die deutschlandweit niedrigste Dezembertemperatur, sondern auch gleichzeitig den tiefsten Wert im gesamten Jahr 2020. Gerundete 48 l/m² (76 l/m²) Niederschlag fielen in Bayern vom Himmel. Im Allgäu gab es mit über 120 l/m² nicht nur höhere Mengen, sondern auch die meisten Tage mit Schnee. Hier sticht Oberstdorf hervor und meldete 27 Tage mit der weißen Pracht. Daneben zeigte sich die Sonne in Bayern rund 39 Stunden (44 Stunden). In Franken und der Oberpfalz schien sie mit unter 15 Stunden ungewöhnlich selten. Im Unterschied dazu präsentierte sich die Sonne im Alpenvorland 50 bis 70 Stunden.

(Text: DWD)

Beobachtungen zum Klimawandel: 2020 bestätigt als zweitwärmstes Jahr den fortschreitenden Klimawandel

Offenbach, 30. Dezember 2020 – Das Jahr 2020 ist in Deutschland mit einer Jahresmitteltemperatur von 10, 4 Grad Celsius (° C) das zweitwärmste Jahr seit Beginn flächendeckender Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Geringfügig wärmer war nur das Jahr 2018 mit 10,5 °C gewesen. Auf den folgenden Plätzen liegen mit knappem Abstand 2019 und 2014 mit jeweils 10,3 °C. Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2 000 Messstationen. Tobias Fuchs, Klima-Vorstand des DWD: „Das sehr warme Jahr 2020 darf uns nicht kalt lassen. Die wissenschaftlichen Klimafakten des nationalen Wetterdienstes sind alarmierend. Klimaschutz ist das Gebot der Stunde. Wir müssen jetzt handeln.“ Dies unterstrichen auch weitere Klimadaten des DWD: So seien hierzulande neun der zehn wärmsten Jahre im 21. Jahrhundert beobachtet worden, davon die vier wärmsten Jahre in der zurückliegenden Dekade 2011-2020. Diese Dekade war zugleich die wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Kennzeichnend für das vergangene Jahr war zudem: 2020 war sehr sonnenscheinreich und das Dritte zu trockene Jahr in Folge.


Milder Winter und langanhaltende Hitzewelle im August
Der Temperaturdurchschnitt lag im Jahr 2020 mit 10,4 Grad Celsius (°C) um 2,2 Grad über der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Gegenüber der Vergleichsperiode 1981 bis 2010 betrug die Abweichung 1,5 Grad. Bis auf den Mai fielen alle Monate zu warm aus. Januar, Februar, April und August zeigten dabei mit einer Abweichung von über 3 Grad die höchsten positiven Temperaturanomalien. Auch wenn mit -15,0 °C die tiefste Jahrestemperatur in Oberstdorf am 27. Dezember gemessen wurde, traten die in der Fläche kältesten Nächte in der letzten Märzdekade auf. Den ersten meteorologischen Sommertag gab es am 17. April in der Mitte und im Süden. Zwischen dem 5. und 22. August etablierte sich über Deutschland eine teils sehr heiße und feuchte Witterung. Dabei kletterten die Höchstwerte auf über 35 °C. Am höchsten stieg das Quecksilber am 9. August in Trier-Petrisberg mit 38,6 °C. Am Ende wurde 2020 nach 2018 das zweitwärmste Jahr seit Messbeginn im Jahr 1881.

Verbreitet zu trocken, insbesondere in der Westhälfte
Mit rund 710 Litern pro Quadratmeter (l/m²) erreichte 2020 nur gut 90 Prozent seines Solls von 789 l/m². Damit waren von den letzten 10 Jahren 9 zu trocken, nur 2017 war feuchter als normal. Dürre und Regen, teilweise mit Überflutungen, lagen 2020 häufig nah beieinander. Am 3. August meldete Aschau-Innerkoy, südöstlich von Rosenheim, mit 154,4 l/m² die größte Tagessumme. Die höchsten Jahresmengen gingen mit bis zu 2000 l/m² im Schwarzwald und an den Alpen nieder. Am trockensten blieb es mit unter 500 l/m² in vielen Teilen Nordostdeutschlands. Beachtenswerte Schneefälle waren eine Rarität und fokussierten sich vor allem auf das höhere Bergland. In der Südhälfte kamen Ende Februar und Anfang Dezember aber auch mal im Flachland die Schneefans auf ihre Kosten. Die mächtigste Schneedecke des Jahres weitab der Gipfellagen gab es in Zinnwald-Georgenfeld, Osterzgebirge, am 5. Februar mit 37 cm.

Deutschland erlebte das viertsonnigste Jahr seit Messbeginn
Mit etwa 1901 Stunden übertraf der Sonnenschein sein Soll von 1544 Stunden um gut 20 Prozent. Damit nahm 2020 den vierten Platz der sonnigsten Jahre seit Messbeginn 1951 ein. Über 2000 Stunden schien sie vor allem im Süden. Vergleichsweise sonnenscheinarm blieb es dagegen in der norddeutschen Tiefebene und in den zentralen Mittelgebirgen.




Das Wetter in den Bundesländern im Jahr 2020
(In Klammern stehen jeweils die vieljährigen Mittelwerte der intern. Referenzperiode)

Schleswig-Holstein und Hamburg: Im nördlichsten Bundesland betrug die Mitteltemperatur im Jahr 2020 10,5 °C (8,3 °C) und die Niederschlagsmenge fast 733 l/m² (788 l/m²). Die Sonnenscheindauer erreichte rund 1855 Stunden (1567 Stunden). In der Hansestadt lag die Temperatur bei 11,0 °C (8,8 °C), die Niederschlagssumme bei rund 687 l/m² (750 l/m²) und die Sonnenscheindauer bei abgerundet 1851 Stunden (1507 Stunden). Im Februar sorgten mehrere Sturmfluten für schwere Schäden an der Westküste von Sylt. Hamburg registrierte den nassesten Februar seit Messbeginn. Im August meldete die Station Hamburg-Neuwiedenthal an elf Tagen Höchsttemperaturen von über 30 °C und damit einen neuen Augustrekord für die Hansestadt.

Niedersachsen und Bremen: Niedersachen erreichte im Mittel 10,8 °C (8,6 °C) sowie rund 689 l/m² (746 l/m²). Mit gut 1771 Sonnenstunden (1456 Stunden) war es das sonnenscheinärmste Bundesland. Bremen war mit 11,2 °C (8,9 °C) die zweitwärmste Region. Rund 625 l/m² (727 l/m²) Niederschlag und rund 1831 Sonnenstunden (1474 Stunden) wurden gemessen. Niedersachsen und Bremen erlebten 2020 den nassesten Februar sowie insgesamt den zweitwärmsten Winter seit Datenerfassung. Trockenheit im April begünstige einen Moorbrand bei Papenburg im Emsland, bei dem am 18. April etwa 32 ha in Flammen standen. Am 14. Juni sorgten Starkregenfälle zu wetterbedingten Unfällen und Überflutungen. In Damme, Landkreis Vechta, waren zahlreiche Geschäfte und auch ein Krankenhaus betroffen. Im August gab es in Bremerhaven erstmals an acht Tagen Höchstwerte von über 30 °C.

Mecklenburg-Vorpommern: Im nordöstlichen Bundesland ermittelte der DWD 10,4 °C (8,2 °C), 551 l/m² (595 l/m²) Niederschlag und 1893 Sonnenstunden (1648 Stunden). Am 15. Januar stiegen die Tageshöchstwerte, wie in Anklam, auf ungewöhnlich milde 14,8 °C. An zahlreichen Stationen wurden neue Temperaturrekorde verzeichnet. Der Winter verabschiedete sich als wärmster seit Messbeginn im Jahr 1881. Im letzten Märzdrittel wurden die frostigsten Nächte des Winterhalbjahres beobachtet. Am 14. Oktober bewirkte ein Nordoststurm eine Sturmflut mit fünf Meter hohen Wellen. Wie in Wismar stiegen die Pegel an manchen Orten auf 1,40 Meter.

Brandenburg und Berlin: Brandenburg meldete 2020 eine Temperatur von 10,8 °C (8,7 °C). Berlin erreichte 11,4 °C (9,1 °C) und war das mit Abstand wärmste Bundesland. Mit rund 492 l/m² war die Hauptstadt (573 l/m²) die trockenste Region. In Brandenburg waren es rund 499 l/m² (557 l/m²). Stellenweise, wie in Grünow in der Uckermark, gab es keine 400 l/m² Niederschlag. Die Sonne zeigte sich in Brandenburg gut 1925 Stunden (1634 Stunden). In Berlin waren es 1941 (1635) Stunden. Trotz des wärmsten Winters seit Messbeginn musste wegen herabfallender Eiszapfen am 26. Januar das Gelände rund um den Berliner Fernsehturm gesperrt werden. In der letzten Märzdekade wurden die frostigsten Nächte des Winterhalbjahres gemessen. Erstmals in einem August meldete Potsdam an 15 Tagen Temperaturen von über 30 °C. Nach monatelanger Trockenheit schickte das Tief „Xyla“ am 26. September mit überregionalen 15 bis 45 l/m² den langersehnten Landregen.

Sachsen-Anhalt: Sachsen-Anhalt war voraussichtlich mit 10,8 °C (8,7 °C) eine vergleichsweise warme und mit rund 495 l/m² (548 l/m²) eine der trockensten Regionen. Rund 1917 Stunden (1522 Stunden) schien die Sonne. Im letzten Märzdrittel wurden die kältesten Nächte des Winterhalbjahres beobachtet. In Bottendorf/Klein Germersleben, südwestlich von Magdeburg, wurden am 13. Juni bei schweren Gewittern enorme 133,4 l/m² gemessen. Das ist eine der höchsten Tagesniederschläge seit Aufzeichnungsbeginn in Sachsen-Anhalt. Es folgten der wärmste August, ein ungewöhnlich sonniger September und einer der trockensten Novembermonate.

Sachsen: Der Freistaat kam 2020 zwar auf warme 10,3 °C (8,1 °C), gehörte aber zu den kühleren Regionen. Fast 695 l/m² (699 l/m²) prasselten vom Himmel – bei rund 1891 Sonnenstunden (1549 Stunden). Sachsen erlebte den zweitwärmsten Februarmonat seit Messbeginn, meldete aber auch am 5. Februar mit 37 cm in Zinnwald-Georgenfeld, Osterzgebirge, die höchste Schneedecke des Jahres abseits der Gipfel. Anschließend wurden Ende März die frostigsten Nächte des Jahres beobachtet. Im April konnte man in Sohland an der Spree weitere 23 Frosttage zählen. Der Sommer brachte dann einen der wärmsten Augustmonate. Der meteorologische Herbst startete mit dem drittwärmsten September. Nach einem zu trockenen Sommerhalbjahr brachte Tief „Gisela“ am 14. Oktober verbreitet zwischen 20 und 40, örtlich sogar bis 50 l/m². Dafür verfehlten der November und Dezember ihre Niederschlagsziele erheblich.

Thüringen: Thüringen war im Jahr 2020 mit 10,0 °C (7,6 °C) das zweitkühlste Gebiet. Dazu wurden rund 669 l/m² (700 l/m²) Niederschlag und gut 1839 Sonnenstunden (1486 Stunden) gemeldet. Nach dem zweitwärmsten Februar seit Messbeginn traten in den letzten Märztagen die frostigsten Nächte des gesamten Winterhalbjahres auf. Dachwig, nordwestlich von Erfurt, meldete vom 23. bis zum 25. März dreimal hintereinander -10 °C. Mit dem Sommer kamen Starkregen im Juni und ein ungewöhnlich warmer August. Der November verlief äußert trocken und ging auch als Drittsonnigster in die Geschichtsbücher ein.

Nordrhein-Westfalen: 2020 gehörte NRW mit 11,1 °C (9,0 °C) zu den wärmsten Regionen. Die Niederschlagstöpfe sammelten abgerundet 746 l/m² (875 l/m²) ein. Im Ländervergleich belegte NRW mit gut 1756 Stunden (1440 Stunden) den vorletzten Platz der sonnenscheinärmsten Regionen. Am 9. Januar lösten tiefhängende Wolken am Kölner Dom einen Großeinsatz der Feuerwehr aus. Grund: Sie wurden für Qualm eines Feuers gehalten. Am 10. 2. sorgte Sturmtief „Sabine“ verbreitet für schwere Sturmböen. Am 23. Februar wurden vor Ankunft des Sturmtiefs „Yulia“ viele Karnevalsumzüge abgesagt. Wegen großer Trockenheit brachen im April zahlreiche Brände aus. So wurden am 20. April bei Gummersbach 75 und bei einem mehreren Tage wütenden Feuer bei Niederkrüchten an der niederländischen Grenze 10 ha Wald und Heide zerstört. Auch im Mai gab es vereinzelte großflächige Waldbrände. Der Wonnemonat war der zweittrockenste seit Messbeginn. Der Sommer brachte den neben 2003 den wärmsten August. An bis zu 14 Tagen stieg das Quecksilber auf über 30 °C. Tönisvorst meldete mit 14 Hitzetagen sogar einen neuen Augustrekord. Auf einen ungewöhnlich sonnigen September folgte mit vielen Regenfällen ein extrem sonnenscheinarmer Oktobermonat.

Hessen: Hier betrug die Jahresmitteltemperatur 10,4 °C (8,2 °C). Mit fast 644 l/m² (793 l/m²) und rund 1860 Stunden (1459 Stunden) Sonnenschein war es deutlich zu trocken und sonnenscheinreich. Am 9. Februar warfen schwere Sturmböen des Sturmtiefs „Sabine“ einen Baukran auf das Dach des Frankfurter Doms. Am 17. Februar zeigte das Quecksilber um 0 Uhr in Schaafheim-Schlierbach, südwestlich von Aschaffenburg, warme 18 °C. In trockener und klarer Luft ging die Temperatur am Morgen des 1. April in Fulda auf -7,7 °C zurück. Dies ist dort ein neuer Aprilrekord in der bis 1949 zurückreichenden Reihe. Im Anschluss erlebte Hessen bei deutlichem Niederschlagsdefizit das zweitsonnigste Frühjahr. Bald wurde die Trockenheit vielerorts zum Problem. Signifikante Niederschläge und damit eine leichte Entspannung der Dürrelage brachten nur der Juni und August. Am 9. August wurden in Frankfurt sehr heiße 37,5 °C gemessen. Insgesamt brachte der Hochsommermonat dem Rhein-Main-Gebiet bis zu 12 Hitzetage. Der Sommer verabschiedete sich mit dem zweitwärmsten Augustmonat. Auf den extrem sonnigen September folgte dann ein ungewöhnlich sonnenscheinarmer Oktober. Erst im November lachte die Sonne wieder häufiger. Der Herbst endete deutlich zu trocken auch zu warm. Eine oft niederschlagsreiche Witterung stellte sich dann im Dezember ein.

Rheinland-Pfalz: Das Jahr 2020 brachte eine Temperatur von 10,9 °C (8,6 °C). Die Niederschlagsmenge erreichte fast 650 l/m² (807 l/m²) und die Sonne zeigte sich gut 1892 Stunden (1507 Stunden). Auf sehr niederschlagsreiche Wintermonate, die am 28. Februar auch mal eine Schneedecke zauberten, folgte ein sehr trockenes Sommerhalbjahr. Dieses umfasste sogar das sonnigste Frühjahr seit Messbeginn. Trockenheit wurde mehr und mehr zum Problem. Obwohl Juni und August häufiger Niederschläge brachten, verschärfte sich die Dürrelage weiter. In der Region Rheinhessen war sogar ein erhebliches Niederschlagsdefizit zu beobachten. Mit dem August kam dann der Hitzepeak. Am 9. August meldete Trier-Petrisberg mit 38,6 °C die höchste Jahrestemperatur. In der Bilanz wurde es der zweitwärmste August, auf den der sonnenscheinärmste Oktober seit 1998 und der zweitsonnigste November folgten. 2020 verabschiedete sich mit einem niederschlagsreichen Dezember.

Saarland: Hier erfasste der DWD eine Temperatur von 11,4 °C (8,9 °C). Damit gehörte das Saarland zu den wärmsten Regionen im Jahr 2020. Es fielen rund 881 l/m² (945 l/m²) im Jahresverlauf. Der April schenkte den Saarländern mit im Schnitt fast 10 Stunden am Tag außergewöhnlich viel Sonnenschein und der Sommer ließ den zweitwärmsten August zurück. Der Hochsommermonat brachte, wie in Saarbrücken-Burbach, bis zu 23 Sommer- und bis zu 13 Hitzetage. Oktober und Dezember flankierten als wolken- und niederschlagsreiche Monate den zweitsonnigsten November. Insgesamt schien die Sonne 2020 im Flächenmittel rund 1959 Stunden (1571 Stunden).

Baden-Württemberg: Die Wetterstationen erfassten 2020 im Schnitt 10,4 °C (8,1 °C) und knapp 781 l/m² (980 l/m²) Niederschlag. Damit war Baden-Württemberg eine vergleichsweise kühle und nasse, aber mit fast 2053 Stunden (1607 Stunden) auch die sonnigste Region. So begann das Jahr mit dem drittsonnigsten Januar seit Messbeginn 1951. Statt Winterwetter herrschte in der Nacht zum 9. Februar mit Temperaturen um 15 °C am ganzen Oberrhein eine frühlingshafte Wärme. Am 10. Februar verursachte Sturmtief „Sabine“ schwere Sturm- und Orkanböen. Am 16. Februar zog das Quecksilber noch einmal an und kletterte im Rheingraben tagsüber auf frühsommerliche 20 °C und mehr. Müllheim, südwestlich von Freiburg, meldete dabei 21,5 °C. Am 17. April gab es mit Tageshöchstwerten von über 25 °C den ersten Sommertag. Ende Juli brachte eine Hitzewelle Temperaturen von über 35 °C. Rheinfelden erlebte dabei am 31. Juli extrem heiße 38,5 °C. Spätsommerlich verlief auch noch der September. Entlang des Rheins wurden sogar noch einmal bis zu 18 Sommertage registriert. Auf den sonnenscheinärmsten Oktober der vergangenen 20 Jahre folgte dann der zweitsonnigste November seit Messbeginn.

Bayern: Bayern war mit 9,5 °C (7,5 °C) das mit Abstand kühlste und mit rund 849 l/m² (941 l/m²) das zweitnasseste Bundesland. Im Sonnenscheinranking nahm der Freistaat mit fast 1965 Stunden (1595 Stunden) den zweiten Platz ein. Wiederholte sehr milde Witterungsabschnitte machten Schneefälle und strenge Fröste in den diesjährigen Wintermonaten zur Seltenheit. Am 10. Februar verursachte Sturmtief „Sabine“ verbreitet schwere Sturm- und Orkanböen. In Fürstenzell bei Passau wurden sogar 154 km/h gemessen. Am 20. März sorgte eine markante Kaltfront zu großen Temperaturunterschieden. Während die Temperatur in Hof um 15 Uhr 6 °C anzeigte, waren es in Regensburg noch ungewöhnlich milde 20°C. Am 14. Juni mussten in Grainau, Landkreis Garmisch-Partenkirchen, hunderte Menschen von der Feuerwehr evakuiert werden, nach dem wegen heftiger Starkregengewitter der Hammersbach über die Ufer getreten war. Anfang und Ende August verursachten im Süden Bayerns Dauerniederschläge Überflutungen und Hochwasser. Am 3. August meldete Aschau-Innerkoy, südöstlich von Rosenheim, mit 152,4 l/m² den deutschlandweit höchsten Tagesniederschlag im Jahr 2020. Mit fast 2200 l/m² Jahresniederschlag waren die Chiemgauer Alpen die nasseste Region. Ein Föhnsturm brachte am 3. Oktober nochmals sehr milde Temperaturen. In Kiefersfelden-Gach, Landkreis Rosenheim, wurden 24,6 °C erreicht. Die bundesweit tiefste Jahrestemperatur betrug -15,0 °C und wurde am 27. Dezember aus Oberstdorf gemeldet.
(Text und Bilder: DWD)

Basics: Mitigation und Adaption

Beim Klimahandeln von Pferdehaltern*innen haben zwei Begriffe eine zentrale Bedeutung: Mitigation und Adaption. Die Beschäftigung mit diesen Begriffen kann zum sinnvollen Handeln im Zeichen des Klimawandels beitragen.

Mitigation: Hier geht es um die Verminderung des Treibhausgasausstoßes (Emissionen), wie z.B. Reduzierung von Treibhausgasen (Kohlenstoffdioxid, Methan, Lachgas, usw.) durch Nutzung alternativer Energien, Abholzung von Wäldern, Reduzierung übermäßiger, bodenflächenunabhängiger Tierhaltung, intensive Düngung, usw..

Definition Mitigation: Maßnahme, mit der man/frau die Ursachen oder Folgen von Problemen und Gefahren abschwächt, Abmilderung, Verringerung

Adaption: Bei der Adaption, also der Anpassung an den Klimawandel, geht es um Möglichkeiten, sich erfolgreich an den Klimawandel anzupassen, also Strategien zu entwickeln, auf drohende bzw. vorhandene Veränderungen durch den Klimawandel erfolgreich zu reagieren. Adaptionsstrategien sind z.B. Deicherhöhungen, Wasserbewirtschaftung, Pflanzenzüchtungen, Sortenwahl, Anbaumethoden, Raum- und Stadtplanung, usw..

Definition Adaption: Anpassung, sich auf veränderte Situationen einstellen, es wird unterschieden zwischen geplanter (z.B. Deichbau) und spontaner Adaption (Migration, Mutationen).

Sowohl die Mitigation als auch die Adaption hat internationale, nationale, regionale und persönliche Ebenen und Handlungsfelder.