Basics: Düngemitteletikett und Verpackung

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Die Düngemittelverordnung DüMv regelt in Deutschland das Inverkehrbringen von Düngemitteln. Diese Verordnung sollt Ihr jetzt nicht auswendig lernen. Der Vorteil dieser gesetzlichen Vorgaben garantiert Euch aber einheitliche, genormte Beschriftungen (Deklaration), die Euch die Orientierung im Düngemittelmarkt erleichtert. Wer sich in diesem Bereich halbwegs fehlerfrei bewegen kann, signalisiert dem Verkäufe eine gewisse Fachkunde. Die führt dazu, dass Ihr nicht als Amateure, sondern als Profis beraten werdet und, das ist das Wichtigste, auch die Preise der Profis bezahlt. Als Amateure bekommt Ihr leicht den Apothekenpreis. Und vermeidet das Wort Pferd. Dann wird es noch teurer.

Düngemittel in Deutschland dürfen nur verpackt und ordnungsgemäß deklariert (beschriftet) verkauft werden. Dabei muss die Deklaration unablösbar und unveränderbar an der Verpackung befestigt sein. Ein loser Verkauf, z.B. direkt in den Düngerstreuer muss ebenfalls komplett deklariert sein, dann aber auf den Begleitpapieren.

Auf dem Etikett bzw. Begleitpapieren müssen sowohl der der Düngemitteltyp sowie alle Nährstoffe in festgelegter Reihenfolge und festgelegter Schreibweise deutlich sichtbar und in Deutscher Sprache angegeben sein:

Nährstoff in WortenNährstoff in chemischem Symbol und FormelElementform
StickstoffN
PhosphatP2O5x0,436 = P
KaliumoxidK2Ox0,83 = K
CalciumCa
CalciumoxidCaOx0,715 = Ca
CalciumcarbonatCaCO3x0,56 = Ca
MagnesiumMg
MagnesiumoxidMgOx0,6 = Mg
MagnesiumcarbonatMgCO3x0,478 = MgO
x0,288 = Mg
NatriumNa
SchwefelS
BorB
EisenFe
KobaltCo
KupferCu
ManganMn
MolybdänMo
ZinkZn
Nicht vorhandene Nährstoffe werden ausgelassen und nicht genannt.
  • Nicht fehlen dürfen die der Norm entsprechenden Gefahrstoffkennzeichen und Gefahrstoffgruppe
  • äußere Merkmale (z.B. Korngröße)
  • Gewicht und Volumen
  • Name der Firma (Inverkehrbringer)
  • Hinweise zur sachgerechten Lagerung und Behandlung
  • Nährstoffverfügbarkeit
  • Nährstoffformen
  • Wirkung von Nebenbestandteilen.

Spezielles zu Mehrnährstoffdüngern

Bei den Mehrnährstoffdüngern ist das wie beim Tanken. Da die Qualität des Produktes gesetzlich festgelegt ist, ist es völlig gleich, ob Ihr bei Esso, Aral, Shell oder einer Nonametankstelle tankt. Und genauso ist es bei den Düngemitteln. Deshalb kaufen Profis nicht Nitrophoska, sondern einen N P K- Dünger mit Magnesium und Schwefel in genau der selben Zusammensetzung der 5 Pflanzennährstoffe. Und wie das bei den Tankstellen so ist, es kommt nicht auf den Namen, sondern auf den Preis an. Um diesen Vorteil nutzen zu können, müssen wir uns noch mit den Düngemitteltypen und deren firmeneutrale Deklaration beschäftigen. Diese Investition lohnt sehr oft.

Ein Kürzelsystem nennt die Inhaltsstoffe (Kernnährstoffe) und deren Nährstoffgehalt (%).

  • 1. Regel

Die Nährstoffe werden immer in folgender Reihenfolge genannt: N-P-K-Mg + (andere). N bedeutet N, P entspricht P2O5, K entspricht K2O und Mg entspricht MgO.

  • 2. Regel

Die Inhaltsstoffe in Prozent (%) werden in der selben Reihenfolge genannt. Deshalb nennen Profis, die keine Vorträge beim Einkauf halten wollen, lediglich die Prozentangaben. Ein 10-15-20 Dünger ist also ein Dreinährstoffdünger mit einem Gehalt von 10% N, 15% P2O5 und 20% K2O.

  • Düngemitteltypen

Es gibt Mehrnährstoffdünger N P, N K, P K, N P K, N P K Mg, N P K Mg+(andere aus der Liste der Deklarationsvorschrift)

  • Beispiele
24-8-8 DüngerN P K-Dünger mit 24% N, 8% P205, 8% K2O
20-0-20 DüngerN K- Dünger mit 20% N, 20% K2O
20-20-0 DüngerN P- Dünger mit 20% N, 20% P2O5
13-9-16-4 +7S DüngerN P K Mg-Dünger +Schwefel mit 13% N, 9%P2O5, 16% K2O, 4% MgO + 7% S
20-20-O+2S DüngerN P+S-Dünger mit 20% N, 20% P2O5, 2% S
9-4+35+9 DüngerK Mg- Dünger+Na+S mit 9 % K2O, 4 % MgO + 35 % Na + 9 % S

Da mit vorgefertigten Nährstoffzusammensetzungen es oft schwierig ist, die durch eine Bodenprobe erstellte Düngeempfehlung zu erfüllen, bietet der Landhandel immer öfter persönlich gemischte Düngemittel entsprechend der Düngeempfehlung an, vergleichbar mit der Farbmischanlage im Baumarkt. Düngeempfehlung mitbringen und die Mitarbeiter im Landhandel mischen das Düngemittel zu. Üblicherweise gleich in einen Düngestreuer, der teilweise im Landhandel ausgeliehen werden kann.

Basics: Düngemittel sortieren

Wenn Ihr die in die für die Pflanzenernährung relevanten Düngemittel nicht einordnen könnt, kommt Ihr leicht ins Schleudern. Deshalb hier ein paar Hilfen, wie Düngemittel sortiert werden können. Mehrere Methoden stehen zur Verfügung:

1.

HandelsdüngemittelWirtschaftsdünger
Stickstoffdünger (N)Festmist (Stallmist)
Phosphordünger (P2O5)Gülle (Kot + Urin)
Kalidünger (K2O)Jauche (Urin)
Kalkdünger (CaO)Ernterückstände (Nebenprodukte), z.B. Stroh
Magnesiumdünger (MgO)Kompost (Laub, Mulch, Hackschnitzel, Strauchschnitt, …)
Mehrnährstoffdünger (N-P-K)Biogassubstrat
Volldünger (N-P-K-Mg-+)Klärschlamm
SteinmehlPilzsubstrat
Knochen-, But- und Hornmehl
Düngemittel unterliegen dem Düngemittelgesetz und der Düngeverordnung, dort wird auch Kennzeichnung und Verpackung vorgeschrieben.

2.

Mineralischer DüngerOrganischer Dünger
Stickstoffdünger (N)Festmist (Stallmist)
Phosphordünger (P2O5)Gülle (Kot + Urin)
Kalidünger (K2O)Jauche (Urin)
Kalkdünger (CaO)Ernterückstände (Nebenprodukte), z.B. Stroh
Magnesiumdünger (MgO)Kompost (Laub, Mulch, Hackschnitzel, Strauchschnitt, …)
Mehrnährstoffdünger (N-P-K)Knochen-, But- und Hornmehl
Volldünger (N-P-K-Mg-+)Biogassubstrat (Biogasgülle)
SteinmehlKlärschlamm
Pilzsubstrat
Mineralischer Dünger ist wurzeldurchgängig und steht der Pflanze rasch zur Verfügung. Anders Organischer Dünger, denn der muss erst durch das Bodenleben in Mineralischen Dünger umgewandelt werden. Das dauert länger und auch nur dann, wenn die Lebensbedingungen (Sauerstoff, Wärme, Feuchtigkeit, …) für das Bodenleben garantiert sind. Faustzahl: Die Nährstoffe eines Organischer Düngers werden im ersten Jahr nur zu 50% und im zweiten Jahr ebenso zu 50% pflanzenverfügbar.

3.

EinnährstoffdüngerMehrnährstoffdünger
Stickstoffdünger (N)Mehrnährstoffdünger (N-P-K)
Phosphordünger (P2O5)Volldünger (N-P-K-Mg-+)
Kalidünger (K2O)Steinmehl
Kalkdünger (CaO)Festmist (Stallmist)
Magnesiumdünger (MgO)Gülle (Kot + Urin)
Jauche (Urin)
Ernterückstände (Nebenprodukte), z.B. Stroh
Kompost (Laub, Mulch, Hackschnitzel, Strauchschnitt, …)
Knochen-, But- und Hornmehl
Biogassubstrat (Biogasgülle)
Klärschlamm
Pilzsubstrat
Alle drei Listen haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, behandeln aber die gebräuchlichen Düngemittel.

Merke:

Mancher*e von Euch wird jetzt den Begriff „Kunstdünger“ vermissen. Stimmt, den gibt es auch gar nicht, denn nicht jedes im Sack abgefüllte Düngemittel ist künstlich, wie z.B. der Kalidünger, fachlich besser als Kalisalz bezeichnet. Das wird nämlich im Untertagebau gefördert und ist ein reines Naturprodukt aus der Erdgeschichte. Reines Naturprodukt. Ähnlich Kalziumcarbonat. Das ist der Stoff aus den Kreidefelsen von Rügen. Fossile Muschelbänke. Reine Natur. Und natürlich gibt es auch industriell gefertigte Düngemittel, die durch chemische Prozesse hergestellt werden, wie z.B. Kalkammonsalpeter, ein Stickstoffdüngemeittel.

Mein Rat: Wenn Ihr Düngemittel einsetzen wollt und dann diese im Landhandel, z.B. bei einer Genossenschaft einkaufen wollt, dann signalisiert durch eine landwirtschaftliche Fachsprache, dass Ihr keine Amateure seid dann auch noch Pferdefreunde seid. Dann nämlich hört der Händler schon das Rattern der Kasse in seiner Vorstellung und Ihr befindet Euch innerhalb weniger Sekunden nicht mehr im Landhandel, sondern in einer Apotheke. Jedenfalls preislich. Zieht Eure alten Klamotten an, kommt mit dem Wagen Eurer Kinder und benutzt die Begriffe, die die Fachleute da immer benutzen. Ihr wollt nur die Weiden düngen. Welche Tiere da draufstehen, das müssen die gar nicht wissen. Und bekehren muss die im Landhandel auch keiner. Einen guten Preis, den sollen sie machen. Und da dürft Ihr schon fragen, ob es günstigere Alternativen gibt.

Und genau das ist der Grund, warum ich Euch auch ein wenig die Fachsprache nahebringen möchte. Natürlich nur, wer von Euch möchte.