{"id":683,"date":"2021-03-15T13:55:28","date_gmt":"2021-03-15T12:55:28","guid":{"rendered":"https:\/\/pferdegruenland.de\/?p=683"},"modified":"2021-05-16T20:26:04","modified_gmt":"2021-05-16T18:26:04","slug":"strategie-trockenresistenz-des-gruenlands-durch-regelmaessige-kalkung-erhoehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pferdegruenland.de\/?p=683","title":{"rendered":"Strategien: Trockenresistenz des Gr\u00fcnlands durch regelm\u00e4\u00dfige Kalkung erh\u00f6hen"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/pferdegruenland.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Ruegen26-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-686\" srcset=\"https:\/\/pferdegruenland.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Ruegen26-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/pferdegruenland.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Ruegen26-300x200.jpg 300w, https:\/\/pferdegruenland.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Ruegen26-768x512.jpg 768w, https:\/\/pferdegruenland.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Ruegen26-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/pferdegruenland.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Ruegen26-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 706px) 89vw, (max-width: 767px) 82vw, 740px\" \/><figcaption>Auch das ist kohlensaurer Kalk: Die Kreidefelsen von R\u00fcgen. <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Ihre N\u00e4hrstoffe nimmt die Pflanze in aller Regel durch die Wurzel auf. Daf\u00fcr m\u00fcssen die Pflanzenn\u00e4hrstoffe als Ionen im Bodenwasser gel\u00f6st sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Ionen sind Molek\u00fclteile, die entweder elektrisch positiv<sup>+<\/sup> (Kationen) oder negativ<sup>&#8211;<\/sup> (Anionen) geladen sind. <\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Kationen sind Ca<sup>2+<\/sup>, Mg<sup>2+<\/sup>, K<sup>+<\/sup>, Al<sup>3+<\/sup>, H<sup>+<\/sup>, NH<sub>4<\/sub><sup>+<\/sup> und an negativ<sup>&#8211;<\/sup> geladenen Bodenteilchen angeheftet, wie z.B. an Ton<sup>&#8211;<\/sup><\/li><li>Anionen sind PO<sub>4<\/sub><sup>3-<\/sup>, SO<sub>4<\/sub><sup>2-<\/sup>, NO<sub>3<\/sub><sup>&#8211;<\/sup>, Cl<sup>&#8211;<\/sup>, die an positiv<sup>+<\/sup> geladenen Verbindungen und Huminstoffen angelagert sind. <\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Damit die Pflanze nicht nur an frei im Bodenwasser verf\u00fcgbare N\u00e4hrstoffe gelangt, kann sie sich auch im Boden festgeheftete N\u00e4hrstoffionen abl\u00f6sen und f\u00fcr sich nutzbar machen. <\/p>\n\n\n\n<p>Normalerweise ist es in der Chemie nicht m\u00f6glich, dass zwei verschieden konzentrierte L\u00f6sungen nebeneinander existieren. Die Diffusion, also die selbst\u00e4ndige Vermischung, w\u00fcrde daf\u00fcr sorgen, dass es kein Konzentrationsgef\u00e4lle eines bestimmten N\u00e4hrstoffes geben w\u00fcrde. Es w\u00e4re also unm\u00f6glich, dass in der Pflanzenwurzel eine h\u00f6here N\u00e4hrstoffkonzentration als im Bodenwasser sich befindet. <\/p>\n\n\n\n<p>Um dennoch an eine h\u00f6here N\u00e4hrstoffkonzentration als im Bodenwasser zu gelangen, bedarf es seitens der Pflanzenwurzel eines Kraftaktes, der nat\u00fcrlich Energie erfordert. Folglich muss die Pflanze einen Teil ihres durch Photosynthese erzeugten Traubenzucker in der Wurzel unter Zuhilfenahme von Sauerstoff verbrennen. Dabei entsteht, wie bei jedem Feuer, Abgase: Kohlendioxid (CO<sub>2<\/sub>) und Wasser (H<sub>2<\/sub>O).<\/p>\n\n\n\n<p>Diese beiden Abgase werden nicht entsorgt, sondern trickreich genutzt: Aus zwei Verbrennungsr\u00fcckst\u00e4nden wird eine neue Verbindung:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table is-style-stripes\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td>Kohlen-dioxid<\/td><td>CO<sub>2<\/sub><\/td><td>+<\/td><td>Wasser<\/td><td>H<sub>2<\/sub>O<\/td><td>=&gt;<\/td><td>Kohlen-s\u00e4ure<\/td><td>H<sub>2<\/sub>CO<sub>3<\/sub><\/td><\/tr><tr><td><\/td><td><\/td><td><\/td><td><\/td><td><\/td><td><\/td><td><\/td><td><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><figcaption>Kohlens\u00e4ure und Wasser werden zu Kohlens\u00e4ure<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Es folgt Schritt zwei: Die Kohlens\u00e4ure wird wieder aufgespalten in zwei neue Stoffe. Das sind jetzt Molek\u00fclreste und die sind nicht mehr elektrisch neutral wie die Molek\u00fcle, sondern elektrisch geladen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table is-style-stripes\"><table><tbody><tr><td>Wasserstoff<\/td><td>H<sup>+<\/sup><\/td><td>Kation, elektrisch positiv<\/td><\/tr><tr><td><\/td><td><\/td><td><\/td><\/tr><tr><td>Hydrogencarbonat<\/td><td>HCO<sub>3<\/sub><sup>&#8211;<\/sup><\/td><td>Anion, elektrisch negativ<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p>Damit hat die Pflanze in ihrer Wurzel die M\u00f6glichkeit, an zus\u00e4tzliche N\u00e4hrstoffionen zu gelangen. Sie bekommt im Tausch f\u00fcr ein HCO<sub>3<\/sub><sup>&#8211;<\/sup> Ion ein anderes Anionen<sup>&#8211;<\/sup> aus der Bodenl\u00f6sung und f\u00fcr ein H+ Ion ein anderesKation aus der Bodenl\u00f6sung.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table is-style-stripes\"><table><tbody><tr><td>H<sup>+<\/sup> aus der Wurzel<\/td><td>wird getauscht gegen<br>ein N\u00e4hrstoffkation<\/td><td>Ca<sup>2+<\/sup><br>Mg<sup>2+<\/sup><br>K<sup>+<\/sup><br>Al<sup>3+<\/sup><br>NH<sub>4<\/sub><sup>+<\/sup><\/td><td>aus der Bodenl\u00f6sung<\/td><\/tr><tr><td><\/td><td><\/td><td><\/td><td><\/td><\/tr><tr><td>HCO<sub>3<\/sub>&#8211; aus der Wurzel<\/td><td>wird getauscht gegen<br>ein N\u00e4hrstoffanion<\/td><td>PO<sub>4<\/sub><sup>3-<\/sup><br>SO<sub>4<\/sub><sup>2-<\/sup><br>NO<sub>3<\/sub><sup>&#8211;<\/sup><br>Cl<sup>&#8211;<\/sup><\/td><td>aus der Bodenl\u00f6sung<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><figcaption>Gespr\u00e4ch zwischen Pflanzenwurzel und Boden: &#8222;Gibst Du mir ein H<sup>+<\/sup>, gebe ich Dir ein K<sup>+<\/sup>, brauchst Du noch ein NO<sub>3<\/sub><sup>&#8211;<\/sup>, dann bekomme ich ein HCO<sub>3<\/sub><sup>&#8211;<\/sup> daf\u00fcr.&#8220;<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Durch den 1:1 Ionenaustausch bleibt das Verh\u00e4ltnis von negativen und positiven Ionen im Boden trotz der Tauscherei gleich. Das Verh\u00e4ltnis von Kationen und Anionen in Pflanze und Bodenl\u00f6sung bleibt unver\u00e4ndert, ge\u00e4ndert hat sich aber die Zusammensetzung der N\u00e4hrstoffionen in der Pflanze und im Boden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Boden enth\u00e4lt nach dem Tausch weniger N\u00e4hrstoffionen, daf\u00fcr aber mehr H<sup>+<\/sup> und HCO<sub>3<\/sub><sup>&#8211;<\/sup> Ionen, die Pflanze daf\u00fcr mehr N\u00e4hrstoffionen und weniger H<sup>+<\/sup> und HCO<sub>3<\/sub><sup>&#8211;<\/sup> Ionen.<\/p>\n\n\n\n<p>Welche folgen hat der Ionen- Austausch f\u00fcr Pflanzen und B\u00f6den?<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table is-style-stripes\"><table><thead><tr><th>Pflanze<\/th><th>Boden<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Energieverlust durch Traubenzuckerverbrennung<\/td><td>N\u00e4hrstoffverarmung<\/td><\/tr><tr><td>H\u00f6here N\u00e4hrstoffkonzentration als in der Bodenl\u00f6sung<\/td><td>H- Ionenkonzentration steigt = Boden wird saurer<\/td><\/tr><tr><td>Fossiertes Wachstum\/ Fruchtbildung<\/td><td>H\u00f6here Bodens\u00e4ure l\u00f6st mehr N\u00e4hrstoffe aus den Steinen<\/td><\/tr><tr><td>Wurzelatmung wird durch Bodenvers\u00e4urung behindert<\/td><td>Bodenleben wird durch Bodens\u00e4ure reduziert<\/td><\/tr><tr><td>Weniger N\u00e4hrstoffe aus Mineralisierung<\/td><td>Geringere Umwandlung organischer Masse in mineralische Masse<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p>Da Dauergr\u00fcnland zu den biologisch aktivsten Kulturen mit der st\u00e4rksten Pflanzendichte z\u00e4hlt, ist die Steigerung der Wasserstoffionenkonzentration im Boden nicht zu vernachl\u00e4ssigen. Das ist der Grund, warum bei nahezu jedem in Nutzung befindlichen Dauergr\u00fcnland der pH- Wert reguliert werden muss. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Eine Kalkung ist f\u00fcr bewirtschaftetes Dauergr\u00fcnland unumg\u00e4nglich. Nur die regelm\u00e4\u00dfige \u00dcberpr\u00fcfung und Abpufferung der Bodenl\u00f6sung sorgt daf\u00fcr, dass die Pflanze eine h\u00f6here Kalium- Ionenkonzentration als die der Bodenl\u00f6sung speichern kann und damit die Wasserspeicherf\u00e4higkeit bei Trockenphasen deutlich h\u00f6her als die des Bodens ist. <br>Fazit: Durch Kalkung wird die Trockenresistenz der Pflanze deutlich erh\u00f6ht.  <\/h2>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ihre N\u00e4hrstoffe nimmt die Pflanze in aller Regel durch die Wurzel auf. Daf\u00fcr m\u00fcssen die Pflanzenn\u00e4hrstoffe als Ionen im Bodenwasser gel\u00f6st sein. Ionen sind Molek\u00fclteile, die entweder elektrisch positiv+ (Kationen) oder negativ&#8211; (Anionen) geladen sind. 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