{"id":638,"date":"2021-03-10T11:15:05","date_gmt":"2021-03-10T10:15:05","guid":{"rendered":"https:\/\/pferdegruenland.de\/?p=638"},"modified":"2021-03-10T13:30:45","modified_gmt":"2021-03-10T12:30:45","slug":"beobachtungen-zum-klimawandel-und-die-wissenschaftler-haben-wieder-einmal-recht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pferdegruenland.de\/?p=638","title":{"rendered":"Beobachtungen zum Klimawandel: Und die Wetterfr\u00f6sche haben wieder einmal recht"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">WMO-Pr\u00e4sident: Wir sollten wissenschaftliche Klimawandelszenarien sehr ernst nehmen<\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"458\" src=\"https:\/\/pferdegruenland.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/20210309_pm_abbildung1_klima_pk-1-1024x458.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-643\" srcset=\"https:\/\/pferdegruenland.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/20210309_pm_abbildung1_klima_pk-1-1024x458.jpg 1024w, https:\/\/pferdegruenland.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/20210309_pm_abbildung1_klima_pk-1-300x134.jpg 300w, https:\/\/pferdegruenland.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/20210309_pm_abbildung1_klima_pk-1-768x343.jpg 768w, https:\/\/pferdegruenland.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/20210309_pm_abbildung1_klima_pk-1-1536x687.jpg 1536w, https:\/\/pferdegruenland.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/20210309_pm_abbildung1_klima_pk-1-2048x916.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 706px) 89vw, (max-width: 767px) 82vw, 740px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Offenbach, 9. M\u00e4rz 2021&nbsp;<\/em>&#8211; \u201cIch bin immer wieder erstaunt, wie treffend der Weltklimarat schon in der 1990er Jahren unser jetziges Klima und die aktuellen Wetterextreme beschrieben hat. Heute liegen uns deutlich verbesserte wissenschaftliche Szenarien zur k\u00fcnftigen Entwicklung des Klimas und den Auswirkungen auf unsere Umwelt vor. Wir sollten sie deshalb sehr ernst nehmen\u201c, erkl\u00e4rt Prof. Dr. Gerhard Adrian, Pr\u00e4sident der Weltorganisation f\u00fcr Meteorologie (WMO) und des Deutschen Wetterdienstes (DWD) anl\u00e4sslich der j\u00e4hrlichen Klima-Pressekonferenz des nationalen Wetterdienstes.<br><br>Trotz der weltweiten Pandemie mit ausgebremster Wirtschaft und reduzierter Mobilit\u00e4t sei die Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosph\u00e4re auch 2020 wieder gestiegen. Der Anstieg gehe also ungebremst weiter.<strong> <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eDamit werden wir die im Paris-Abkommen vereinbarte Temperaturerh\u00f6hung von deutlich unter 2 Grad \u00fcber dem vorindustriellen Niveau bis zum Jahr 2100 nicht erreichen. Leider sieht es im Moment sogar nach einem Plus von 3 bis 4 Grad aus.\u201c<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p>Zudem sei die globale Jahresmitteltemperatur seit Ende des 19. Jahrhunderts bereits um 1,1 Grad gestiegen. In Deutschland sind es 1,6 Grad. Die Folgen konnten, so Adrian, auch 2020 beobachtet werden: Das vergangen Jahr war weltweit das zweitw\u00e4rmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Meereisfl\u00e4che in der Arktis erreichte im September 2020 nach 2012 ihren zweitniedrigsten Wert. Auch im vergangen Jahr konnte weltweit wieder eine Intensivierung und Zunahme von Wetterextremen beobachtet werden. Der&nbsp;WMO-Pr\u00e4sident nannte zwei markante Beispiele. In der Sahel-Region, um das Horn von Afrika sowie in Indien, Pakistan und China gab es 2020 besonders viel Niederschlag. Regional lag er um 500 Prozent \u00fcber dem vielj\u00e4hrigen Mittel. Vom 1. Januar bis 17. November 2020 wurden weltweit 96 tropische St\u00fcrme registriert. Im Nordatlantik waren es mit 30 St\u00fcrmen mehr als doppelt so viele wie dort typisch sind.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ist ein Wetterextrem schon vom menschengemachten Klimawandel beeinflusst?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p><br>Solche Wetterextreme und ihr zumindest gef\u00fchlt h\u00e4ufigeres Auftreten f\u00fchren inzwischen immer h\u00e4ufiger zu der Frage, ob ein bestimmtes Extremereignis durch den vom Menschen verursachten Klimawandel beeinflusst wurde. \u201eDiese spannende Frage k\u00f6nnen wir inzwischen oft beantworten\u201c so Tobias Fuchs, Vorstand Klima und Umwelt des&nbsp;DWD. M\u00f6glich mache das die junge Wissenschaft der Extremwetterattribution. Dabei st\u00fcnden zwei Fragen im Vordergrund: Werden bestimmte Extremereignisse, wie zum Beispiel Hitzewellen, h\u00e4ufiger auftreten? Und: Sind diese Extremereignisse heutzutage intensiver als in der Vergangenheit? Um eine Extremwetterattribution durchzuf\u00fchren, sind Modellsimulationen zweier verschiedener Welten erforderlich. Diese Simulationen beschreiben einerseits die Welt, in der wir aktuell leben und welche alle Einfl\u00fcsse des Menschen beinhaltet. Anderseits beschreibe eine Simulation eine Welt ohne menschlichen Einfluss auf die Treibhausgase und andere Einflussfaktoren. Vergleiche man beide simulierten Welten, zeige sich, ob der Klimawandel die H\u00e4ufigkeit und Intensit\u00e4t des untersuchten Extremereignisses beeinflusst hat. Leider k\u00f6nnten, schr\u00e4nkt Fuchs ein, noch nicht alle Wetterextreme so untersucht werden. F\u00fcr Deutschland k\u00e4men bisher nur gro\u00dfr\u00e4umige Extremniederschl\u00e4ge, Hitze- und K\u00e4ltewellen sowie D\u00fcrren, die sich \u00fcber mehrere Bundesl\u00e4nder erstrecken, in Frage. Als erfolgreiches Beispiel nannte der Klimatologe die langanhaltende D\u00fcrre im Nordosten Deutschlands im Jahr 2018. Ein solches Ereignis hatte es, zeigt ein Blick ins&nbsp;DWD-Klimaarchiv, in den vergangenen 140 Jahre dort noch nicht gegeben. Die Attributionsanalyse ergebe nun, dass sich durch den Klimawandel die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr derart starke D\u00fcrren in der Region mindestens verdoppelt hat und dass zugleich deren Intensit\u00e4t zunimmt. Fuchs: \u201eDas ist ein alarmierender Hinweis zum Beispiel f\u00fcr die Land- und Forstwirtschaft in dieser Region.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Attributionsanalysen machen den Klimawandel greifbar<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p><br>Noch sei jede Attributionsanalyse sehr arbeits- und damit zeitintensiv. Der&nbsp;DWD&nbsp;arbeite deshalb mit Partnern daran, die notwendigen Schritte zu operationalisieren und in den Routinebetrieb zu \u00fcberf\u00fchren. Dadurch soll es k\u00fcnftig m\u00f6glich sein, schon wenige Tage nach einem Wetterextrem sagen zu k\u00f6nnen, ob der menschengemachte Klimawandel f\u00fcr eine intensivere Auspr\u00e4gung gesorgt hat. Fuchs: \u201eUnser Ziel ist, das Attributionsanalysen von Wetterextremen so selbstverst\u00e4ndlich sind, wie deren Vorhersage. Unsere Analysen sind dabei ein Bindeglied zwischen dem heute erlebten Wetter und der ablaufenden Klimaver\u00e4nderung. Sie machen den Klimawandel f\u00fcr uns Menschen greifbar &#8211; und zwar mit wissenschaftlichen Fakten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/pferdegruenland.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/20210309_pm_abbildung2_klima_pk-1-1024x576.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-641\" srcset=\"https:\/\/pferdegruenland.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/20210309_pm_abbildung2_klima_pk-1-1024x576.png 1024w, https:\/\/pferdegruenland.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/20210309_pm_abbildung2_klima_pk-1-300x169.png 300w, https:\/\/pferdegruenland.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/20210309_pm_abbildung2_klima_pk-1-768x432.png 768w, https:\/\/pferdegruenland.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/20210309_pm_abbildung2_klima_pk-1.png 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 706px) 89vw, (max-width: 767px) 82vw, 740px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>DWD&nbsp;verwendet zwei Klimareferenzperioden<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p><br>Klimareferenzperioden erm\u00f6glichen, die aktuelle Witterung mit dem gegenw\u00e4rtigen Klimazustand und der langfristigen Klimaver\u00e4nderung zu vergleichen. Seit Beginn des Jahres 2021 ist der Zeitraum 1991-2020 die neue&nbsp;WMO-Referenzperiode. Bisher war der weltweite Standard die Periode 1961-1990. Der&nbsp;DWD&nbsp;wird, wenn der l\u00e4ngerfristige Klimawandel sichtbar gemacht werden soll, entsprechend der Empfehlung der&nbsp;WMO&nbsp;weiterhin den Zeitraum 1961-1990 verwenden &#8211; also zum Beispiel bei der Frage, ob ein Monat oder eine Jahreszeit zu warm oder zu kalt war. Bei der zeitnahen Klima\u00fcberwachung und zum Beispiel Analysen f\u00fcr den Einsatz erneuerbarer Energien kommt immer die aktuellste verf\u00fcgbare Periode zum Einsatz.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>2020 war in Deutschland das zweitw\u00e4rmste Jahr seit 1881<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"><br>In Deutschland war 2020 mit einer Mitteltemperatur von 10,4 Grad Celsius (\u00b0C) das zweitw\u00e4rmste Jahr seit Beginn der inzwischen 140-j\u00e4hrigen Temperaturzeitreihe des&nbsp;DWD, berichtet Dr. Thomas Deutschl\u00e4nder, Klimaexperte des&nbsp;DWD. Damit fielen neun der zehn w\u00e4rmsten Jahre in Deutschland ins 21. Jahrhundert. Wie schon 2019 waren elf der zw\u00f6lf Monate zu warm &#8211; verglichen mit der Referenzperiode 1961-1990. Zwar wurden im Sommer 2020 Spitzenwerte von \u00fcber 40&nbsp;\u00b0C&nbsp;wie 2019 nicht erreicht. Die hochsommerlichen Temperaturen hatten aber wieder negative Auswirkungen. In der Landwirtschaft litten in Verbindung mit zu geringen Niederschl\u00e4gen vor allem Obstgeh\u00f6lze und Wein, regional auch Mais, Zuckerr\u00fcben und Gr\u00fcnland unter der Trockenheit. F\u00fcr die W\u00e4lder hielt die Trockenstresssituation in manchen Regionen selbst im November an. Dadurch war auch die Waldbrandgefahr wieder deutlich erh\u00f6ht. Das vergangene Jahr war mit einer Niederschlagsmenge von 705 l\/m2 im Fl\u00e4chenmittel f\u00fcr Deutschland 10,6 Prozent zu trocken. Besonders niederschlagsarm war das Fr\u00fchjahr mit einem Defizit von 43 Prozent. So lag die nutzbare Feldkapazit\u00e4t \u2013 oft auch Bodenwasservorrat genannt \u2013 im April mit rund 68 Prozent markant unter dem vielj\u00e4hrigen Mittel von etwa 87 Prozent. Sie war damit so niedrig wie noch nie im Zeitraum 1991-2019. Dank des leicht wechselhaften Wetters mit etwas \u00fcberdurchschnittlichen Niederschlagsmengen im Mai und August spitzte sich die Situation im vergangenen Sommer aber nicht wieder so zu wie in den beiden Vorjahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter dem Strich dominierte auch 2020 in der f\u00fcr das Pflanzenwachstum besonders wichtigen Zeit von April bis September die Trockenheit das Witterungsgeschehen. Deutschl\u00e4nder: \u201eInsgesamt betrachtet verst\u00e4rken die vergangenen drei Jahre die Bef\u00fcrchtungen der Klimaforschung, dass wir k\u00fcnftig immer \u00f6fter mit Wetter- und Klimaextremen rechnen m\u00fcssen.\u201c In der warmen Jahreszeit w\u00fcrden sich dabei Hitze und Trockenheit regelm\u00e4\u00dfig mit Starkniederschlagsepisoden abwechseln &#8211; zu Lasten gem\u00e4\u00dfigter und wechselhafter Witterung.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/pferdegruenland.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/20210309_pm_abbildung3_klima_pk-1024x768.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-642\" srcset=\"https:\/\/pferdegruenland.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/20210309_pm_abbildung3_klima_pk-1024x768.png 1024w, https:\/\/pferdegruenland.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/20210309_pm_abbildung3_klima_pk-300x225.png 300w, https:\/\/pferdegruenland.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/20210309_pm_abbildung3_klima_pk-768x576.png 768w, https:\/\/pferdegruenland.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/20210309_pm_abbildung3_klima_pk-1536x1152.png 1536w, https:\/\/pferdegruenland.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/20210309_pm_abbildung3_klima_pk.png 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 706px) 89vw, (max-width: 767px) 82vw, 740px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pferdegruenland.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/DWD-Logo.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-651\" width=\"126\" height=\"94\" srcset=\"https:\/\/pferdegruenland.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/DWD-Logo.jpg 800w, https:\/\/pferdegruenland.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/DWD-Logo-300x225.jpg 300w, https:\/\/pferdegruenland.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/DWD-Logo-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 126px) 100vw, 126px\" \/><figcaption>Text und Abbildungen: Virtuelle\u2018 Klima-Pressekonferenz 2021 des Deutschen Wetterdienstes<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>WMO-Pr\u00e4sident: Wir sollten wissenschaftliche Klimawandelszenarien sehr ernst nehmen Offenbach, 9. 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