Beobachtungen zum Klimawandel: Trockenheit im Sommerhalbjahr 2020

Sommer 2020 – staubtrockene Böden das dritte Jahr in Folge

Offenbach, 14. Oktober 2020 – Obwohl sich der Sommer 2020 über weite Strecken wechselhaft präsentierte, waren ausgetrocknete Böden und deren Auswirkungen vor allem für die Landwirtschaft erneut ein großes Thema. Ursache der Trockenheit war das sehr niederschlagsarme Frühjahr 2020. Es brachte nur etwa die Hälfte der üblichen Regenmenge und war damit das sechsttrockenste seit Aufzeichnungsbeginn 1881. Der Sommer erreichte dann zwar – über Deutschland gemittelt – fast das vieljährige Niederschlagsmittel, konnte damit aber das Bodenwasserdefizit kaum verringern. Im Vergleich zu den üblichen Werten fiel der Sommer im Westen Deutschlands am trockensten aus. Das berichtet der Deutsche Wetterdienst (DWD) über die Entwicklung der Bodenfeuchte im Sommerhalbjahr 2020.

Im Frühling 2020 abermals starke Trockenheit
Nach dem sehr nassen Februar waren die Bodenwasservorräte im Großteil Deutschlands zumindest bis in 60 cm Tiefe aufgefüllt, nur etwa vom Thüringer Becken bis zur Lausitz erfolgte in dieser Schicht keine komplette Auffüllung. Von Mitte März bis Ende April setzte sich jedoch sehr niederschlagsarme, sonnige und häufig windige Witterung durch. Sie sorgte für erneute Wasserknappheit in der Vegetationsperiode 2020. Bis Ende April trockneten vor allem die obersten Bodenschichten stark aus. Im Deutschlandmittel lag die Bodenfeuchte (unter Gras und sandigem Lehm) im April in 0 bis 60 cm Tiefe mit nur 68 Prozent nutzbarer Feldkapazität (nFK) (*) so niedrig wie noch nie in einem April seit 1991. Wintergetreide zeigte im Laufe des Aprils erste Trockenstresssymptome und die frisch ausgesäten Sommerkulturen liefen vielerorts nur langsam und ungleichmäßig auf. Vor allem in der zweiten Monatshälfte kam es zu mehreren, teils großflächigen Waldbränden. Im Mai 2020 schwächten besonders in der Südosthälfte gelegentliche Niederschläge die Trockenheit etwas ab. Aufgrund der insgesamt deutlich unterdurchschnittlichen Regenmengen im Mai verringerte sich das Defizit der Bodenfeuchte gegenüber dem April aber kaum.

Sommer 2020: Durchwachsen aber trotzdem vielerorts zu trocken
Der Sommer erhielt zwar rasch das Etikett „typisch mitteleuropäischer Schaukelsommer“. Dies galt aber vor allem für die Temperaturen – weniger für die Niederschläge – und schloss den heißen August noch nicht mit ein. Letztlich lagen die Temperaturen um fast 2 Grad höher als im Mittel 1961-1990. Zu Sommerbeginn waren die Böden deutlich trockener als üblich. Der durchschnittlich nasse und nur leicht zu warme Juni konnte das Bodenwasserdefizit verringern und vielerorts Ernteeinbußen bei Raps und Getreide verhindern. Im Gegensatz dazu war der Juli mit nur rund zwei Dritteln des Niederschlagssolls im Deutschlandmittel markant zu trocken. Somit sank die Bodenfeuchte deutlich ab. Mais, Zuckerrüben, Grünland, Obstgehölze und die Wälder litten zunehmend unter der Trockenheit, Getreide war hingegen kaum noch betroffen. Am stärksten waren die Auswirkungen in den besonders trockenen Regionen vom Südwesten Deutschlands bis nach Sachsen. In Südbayern und im äußersten Norden war die Wasserversorgung der Pflanzen hingegen meist gut.

Im heißen und zunächst sehr niederschlagsarmen August verschärfte sich die Bodentrockenheit rasch. Die Feuchte sank auf die niedrigsten Werte der Saison 2020 – im Flächenmittel auf 53 Prozent nFK in den obersten 60 cm. In weiten Landesteilen waren die Böden noch etwas trockener, südlich der Donau hingegen weitaus feuchter. Im zweiten Monatsdrittel sorgten zahlreiche Gewitter vielerorts, aber nicht überall für leichte Entspannung. Lokal führte Starkregen sogar zu Überflutungen und Erosion, weil der ausgedörrte Boden die plötzlichen Wassermassen kaum aufnehmen konnte. Gegen Monatsende feuchtete kühles und teils nasses Wetter die obersten Bodenschichten an und begünstigte die Rapsaussaat.

Die Trockenheit zog sich bis in den Herbst
Im September setzt sich jedoch nochmals anhaltend trockenes und sehr warmes bis heißes Wetter durch. Die Feuchtigkeit in den obersten Bodenschichten verdunstete rasch wieder, darunter blieben die Böden weiterhin stark ausgetrocknet. Damit dauerte die Durststrecke bei den Wäldern an. Erst im letzten Monatsdrittel stellte sich eher nasses Herbstwetter ein, womit die Feuchte in den obersten Bodenschichten nachhaltig zunahm. Es bestanden gute Bedingungen zur Aussaat von Wintergetreide. Allerdings sind tiefere Bodenschichten derzeit vielerorts immer noch sehr trocken. Der Witterungsverlauf der kommenden Wochen und Monate wird darüber entscheiden, wie schnell und in welchem Ausmaß diese Schichten mit Bodenwasser aufgefüllt werden und wann der Trockenstress für die Wälder endet.

Mittlere Bodenfeuchte August 2018 (in 0 – 60 cm Tiefe unter Gras und sandigem Lehm) in % nutzbare Feldkapazität (% nFK). Mehr Infos über nFK

Mehr Infos über nFK

Mittlere Bodenfeuchte August 2019 (in 0 – 60 cm Tiefe unter Gras und sandigem Lehm) in % nutzbare Feldkapazität (% nFK).
Mittlere Bodenfeuchte August 2020 (in 0 – 60 cm Tiefe unter Gras und sandigem Lehm) in % nutzbare Feldkapazität (% Trockenheit nFK).

Quelle: DWD

Beobachtungen zum Klimawandel: Deutschlandwetter im Herbst 2020

Einer der wärmsten, ein zu trockener und sonnenreicher Herbst

Offenbach, 30. November 2020 – Im Herbst 2020 führten reichlich Hochdruckgebiete oft milde oder mäßig warme Luftmassen nach Deutschland. Nur im Oktober zeigte sich das Wetter unbeständig. Tiefdruckgebiete brachten wenig Sonnenschein, viele Niederschläge sowie abwechselnd milde und kühle Witterung. Erst Ende November läuteten dann Temperaturen um den Gefrierpunkt und verbreitet Nachtfrost den nahenden Winter ein. Unter dem Strich war der Herbst 2020 in Deutschland mit 10,3 Grad Celsius (°C) im Mittel der viertwärmste seit 1881 – hinter 2006 (12,0°C), 2012 (11,1 °C) und 1982 (10,4 °C). Die Jahreszeit war zudem zu trocken und recht sonnig. Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2000 Messstationen. 

Warm bis in den November, erst zum Ende dieses Monats kühler
Mit 10,3 Grad Celsius (°C) lag im Herbst der Temperaturdurchschnitt um 1,5 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Im Vergleich zur wärmeren Periode 1981 bis 2010 betrug das Plus 1,3 Grad. Die erste Septemberhälfte fiel meist spätsommerlich warm aus, zur Monatsmitte gab es noch einmal Höchstwerte von deutlich über 30 °C. Trier-Petrisberg meldete am 15. September hochsommerliche 34,8 °C. Erst zur zweiten Monatsdekade stellte sich im Oktober ein recht kühler Witterungsabschnitt mit örtlich leichten Nachtfrösten ein. Der Beginn des Novembers brachte besonders im Südwesten ungewöhnlich hohe Tages- und Nachtwerte. Im letzten Novemberdrittel sorgte Ex-Hurrikan „Eta“ für ein Ende der zu milden Temperaturen. Den bundesweit tiefsten Herbstwert registrierte Bad Königshofen am 30. mit -9,5 °C. 

Meist deutlich zu trocken, nur im Oktober überdurchschnittlich nass
Mit rund 150 Litern pro Quadratmeter (l/m²) unterschritt der Herbst seinen Klimawert von 183 l/m² mit nur 82 Prozent recht deutlich. Nachdem es im September unter Hochdruckeinfluss meist trocken blieb, brachten Tiefdruckgebiete zum Monatsende flächendeckende Niederschläge, die in den Mittelgebirgen für die erste Schneedecke sorgten. Die größte Tagessumme meldete Baiersbronn-Ruhestein, nordwestlich von Freudenstadt, am 26. September mit 107,0 l/m². Die Ausläufer von Tief „Gisela“ sorgten Mitte Oktober auch in den östlichen Landesteilen für die lang ersehnten kräftigen Niederschläge. Anhaltender Hochdruckeinfluss führte zum fünfttrockensten November seit Messbeginn 1881. Der meiste Niederschlag im gesamten Herbst mit bis zu 480 l/m² fiel im Schwarzwald sowie am unmittelbaren Alpenrand. Die Gebiete mit dem geringsten Niederschlag lagen in der Mitte Deutschlands.

Viel Sonnenschein, vor allem im November
Im Herbst lag die Sonnenscheindauer mit rund 365 Stunden um 15 Prozent über ihrem Soll von 311 Stunden. Am längsten zeigte sich die Sonne im äußersten Süden sowie in der Leipziger Tieflandbucht mit örtlich über 450 Stunden. Relativ wenig Sonnenschein erhielt der äußerste Norden Deutschlands mit teils unter 270 Stunden.

Das Wetter in den Bundesländern im Herbst 2020
(In Klammern stehen jeweils die vieljährigen Mittelwerte der intern. Referenzperiode) 

Schleswig-Holstein und Hamburg: Im Herbst 2020 registrierte der DWD für Schleswig-Holstein 10,9 °C (9,2 °C), gut 150 l/m² (232 l/m²) und knapp 345 Sonnenstunden (292 Stunden). Am 19. November sorgte Ex-Hurrikan „Eta“ in List auf Sylt für orkanartige Böen bis zu 114 km/h. Im Ländervergleich zählte Hamburg mit knapp 11,3 °C (9,6 °C) zu den wärmsten Bundesländern. Der Niederschlag akkumulierte sich auf rund 135 l/m² (195 l/m²). Mit annähernd 330 Stunden lag der Stadtstaat deutlich über seinem Klimawert (285 Stunden). Dennoch war es die sonnenscheinärmste Region.

Niedersachsen und Bremen: Für Niedersachsen errechneten die Klimaexperten 10,9 °C (9,3 °C) und nahezu 145 l/m² (182 l/m²). Das nordwestlichste Bundesland zählte mit knapp 335 Sonnenstunden (284 Stunden) zu den sonnenscheinarmen Gebieten. Sturmtief „Roswitha“ führte am 15. November in Bremerhaven zu Orkanböen mit bis zu 122 km/h. Mit 11,3 °C (9,6 °C) war Bremen im Herbst 2020 die zweitwärmste und mit knapp 120 l/m² (186 l/m²) die niederschlagsärmste Region. Diese Niederschlagssumme entsprach nur 64 Prozent des dortigen Solls. In dem Staat an der Weser schien die Sonne gut 340 Stunden (282 Stunden). 

Mecklenburg-Vorpommern: Mecklenburg-Vorpommern erreichte eine Durchschnittstemperatur von 11,0 °C (9,0 °C). Mit einer Niederschlagsmenge von aufgerundet 125 l/m² (145 l/m²) war es das zweittrockenste und mit über 330 Sonnenstunden (312 Stunden) auch das zweitsonnenscheinärmste Bundesland.

Brandenburg und Berlin: Der DWD errechnete für Brandenburg durchschnittlich 11,1 °C (9,2 °C), abgerundet 135 l/m² (127 l/m²) und beinahe 360 Sonnenstunden (316 Stunden). Berlin war im Herbst 2020 vor Bremen und Hamburg mit einer Mitteltemperatur von 11,5 °C (9,5 °C) die wärmste Region Deutschlands. In der Hauptstadt fielen rund 140 l/m² (128 l/m²) und die Sonne schien annähernd 355 Stunden (315 Stunden). Die Ausläufer von Tiefdruckgebiet „Xyla“ brachten am 26. nach monatelanger Trockenheit mit überregionalen 15 bis 40 l/m² den lang erwarteten Landregen.

Sachsen-Anhalt: In Sachsen-Anhalt lag die Mitteltemperatur bei 11,1 °C (9,2 °C). Der Niederschlag lag mit knapp 130 l/m² (120 l/m²) leicht über seinem Klimawert. Mit abgerundet 370 Stunden (299 Stunden) gab es ein Sonnenscheinplus von 24 Prozent.

Sachsen: Sachsen präsentierte sich im Ranking der Bundesländer mit beinahe 395 Stunden (319 Stunden) als das sonnenscheinreichste Gebiet Deutschlands. Hier lag die durchschnittliche Temperatur bei 10,3 °C (8,8 °C) und die Niederschlagssumme bei aufgerundet 165 l/m² (155 l/m²).

Thüringen: Thüringen präsentierte sich im Herbst 2020 mit knapp 10,0 °C und einer Abweichung von 1,8 Grad gegenüber dem 30-jährigen Mittel (8,2 °C) als das zweitkühlste Bundesland. Die Niederschlagsmenge summierte sich auf rund 140 l/m² (155 l/m²) und die Sonnenscheindauer auf gut 365 Stunden (299 Stunden). 

Nordrhein-Westfalen: Im Herbst 2020 gehörte Nordrhein-Westfalen mit 165 l/m²(208 l/m²) zu den niederschlagsreichen Bundesländern. Die DWD-Klimaexperten errechneten eine Durchschnittstemperatur von 11,1 °C (9,5 °C) und eine Sonnenscheindauer von beinahe 350 Stunden (294 Stunden).

Hessen: Hier lag die Mitteltemperatur im Herbst bei 10,3 °C (8,6 °C). Mit fast 125 l/m², dies waren 67 Prozent des Solls (188 l/m²), zählte Hessen zu den niederschlagsarmen Regionen. Die Sonne schien rund 345 Stunden (285 Stunden).

Rheinland-Pfalz: Für Rheinland-Pfalz registrierte der DWD durchschnittlich 10,8 °C(8,9 °C), gut 140 l/m² (199 l/m²) und gut 350 Sonnenstunden (308 Stunden). Die bundesweit höchste Temperatur im Herbst registrierte Trier-Petrisberg am 15. September mit hochsommerlichen 34,8 °C.

Saarland: Im Ländervergleich war das Saarland mit nahezu 220 l/m² (241 l/m²) und damit deutlichem Abstand zu Baden-Württemberg das niederschlagsreichste Bundesland. Hier lag die Mitteltemperatur bei 10,8 °C (9,2 °C) und die Sonnenscheindauer summierte sich auf über 345 Stunden (317 Stunden).

Baden-Württemberg: Baden-Württemberg präsentierte sich mit 10,0 °C (8,5 °C) als ein kühles und mit gut 390 Stunden (344 Stunden) als das zweitsonnenscheinreichste Bundesland. Der Niederschlag erreichte rund 160 l/m²(220 l/m²). Die deutschlandweit größte 24-stündige Niederschlagsmenge im Herbst fiel am 26. September mit 107,0 l/m² in Baiersbronn-Ruhestein, nordwestlich von Freudenstadt. Der Schwarzwald gehörte mit gebietsweise bis zu 480 l/m² zu den niederschlagsreichsten Regionen. 

Bayern: Der Freistaat war im Herbst 2020 mit 9,2 °C (7,9 °C) die kühlste Region Deutschlands. Am kühlsten war es bundesweit am Morgen des 30. November in Bad Königshofen, nordwestlich von Bamberg, mit -9,5 °C. Bayern war mit gut 165 l/m² (204 l/m²) die zweitniederschlagsreichste Region. Mit einer Sonnenscheindauer von beinahe 380 Stunden (335 Stunden) gehörte es zu den sonnenreichen Bundesländern. Der Alpenrand zählte mit örtlich bis zu 480 l/m² zu den niederschlagsreichsten Gebieten. (Quelle: DWD)

Beobachtungen zum Klimawandel: Deutschlandwetter November 2020

Drittsonnigster November seit 1951

Offenbach, 30. November 2020 – Anhaltender Hochdruckeinfluss über Südosteuropa hielt Tiefdruckgebiete weitgehend von Mitteleuropa fern und sorgte so mit gut 85 Stunden Sonnenschein für den drittsonnigsten November in Deutschland seit Messbeginn im Jahr 1951. Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2000 Messstationen. Da tiefer Luftdruck über den britischen Inseln immer wieder milde Luftmassen aus Südwesten nach Deutschland brachte, war der Monat auch deutlich zu warm. Zugleich fiel er viel zu trocken aus.

Überwiegend milde Temperaturen, erst zum Monatsende kühler
Mit 6,0 Grad Celsius (°C) lag im November der Temperaturdurchschnitt um 2,0 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Im Vergleich zur wärmeren Periode 1981 bis 2010 betrug die Abweichung +1,6 Grad. Zum Monatsbeginn zeigte das Quecksilber besonders im Südwesten ungewöhnlich hohe Tages- und Nachtwerte. In der Nacht auf den 2. sanken das Thermometer verbreitet nicht unter 15 °C. Tagsüber wurden zahlreiche Temperaturrekorde übertroffen: Spitzenreiter war Bad Dürkheim, am Rande des Pfälzerwaldes, wo am 2. mit 24,0°C der bundesweit höchste Wert verzeichnet wurde. Hoher Luftdruck sorgte besonders in den Flusstälern für zähen Nebel oder Hochnebel und führte im Vergleich zu anderen sonnigen Regionen zu großen Temperaturkontrasten. Zu Beginn der letzten Monatsdekade sorgte Ex-Hurrikan „Eta“ zu einer Umstellung der Großwetterlage und dem Ende der seit Wochen zu milden Temperaturen. Bad Königshofen, nordwestlich von Bamberg, registrierte am 30. mit frostigen -9,5 °Cden deutschlandweit tiefsten Novemberwert.

Landesweit viel zu trocken, im Norden und Westen kurzzeitig stürmisch
Bereits zum dritten Mal in Folge konnte der November seinen Klimawert von 66 Litern pro Quadratmeter (l/m²) Niederschlag nicht erfüllen: Mit knapp 20 l/m²erreichte er 2020 nur 32 Prozent des Solls. Somit zählte der Monat zu den niederschlagsärmsten Novembern seit Messbeginn 1881. Im Thüringer Becken, dem Lee des Harzes sowie der Nieder- und der Oberlausitz fielen örtlich weniger als 5 l/m². Zur Monatsmitte brachten das Sturmtief „Roswitha“ und der Ex-Hurrikan „Eta“ dem Norden und Westen Deutschlands schwere Sturm-, vereinzelt auch Orkanböen. Zu Beginn der letzten Monatsdekade reichte es kurzzeitig bis ins Alpenvorland für eine dünne Schneedecke. Den insgesamt meisten Niederschlag erhielt der Schwarzwald mit örtlich bis zu 80 l/m². Dort wurde mit 37,1 l/m² am 1. in Baiersbronn-Mitteltal vom DWD auch die bundesweit größte Tagesmenge verzeichnet.

Drittsonnenscheinreichster November seit 1951
Der November lag mit gut 85 Stunden um 57 Prozent über seinem Soll von 54 Stunden und war 
damit nach 1989 (100) und 2011 (99) der drittsonnigste seit Messbeginn 1951. Am längsten zeigte sich die Sonne im Allgäu sowie im Südschwarzwald mit örtlich rund 140 Stunden. Vorpommern verzeichnete dagegen teils nur knapp 45 Sonnenstunden.

Das Wetter in den Bundesländern im November 2020
(In Klammern stehen jeweils die vieljährigen Mittelwerte der intern. Referenzperiode)

Schleswig-Holstein und Hamburg: In Schleswig-Holstein betrug die Mitteltemperatur 7,5 °C (5,0 °C). Mit aufgerundet 35 l/m² (83 l/m²) präsentierte es sich als die zweitniederschlagsreichste Region. Das nördlichste Bundesland zählte mit rund 65 Stunden (50 Stunden) zu den sonnenscheinarmen Gebieten. Hamburg war mit 7,8 °C (5,2 °C) das wärmste und mit nahezu 65 Stunden (49 Stunden) das zweitsonnenscheinärmste Bundesland. Es fielen nur knapp 20 l/m² (67 l/m²) Regen. 

Niedersachsen und Bremen: Der November kam in Niedersachsen auf 7,4 °C (4,9 °C), rund 25 l/m² (66 l/m²) und gut 70 Sonnenstunden (49 Stunden). Das Sturmtief „Roswitha“ führte am 15. in Bremerhaven zu Orkanböen bis zu 122 km/h. Bremen war mit 7,7 °C (5,2 °C) die zweitwärmste Region Deutschlands. Die Klimaexperten errechneten abgerundet 25 l/m² (66 l/m²) und beinahe 75 Sonnenstunden (51 Stunden).

Mecklenburg-Vorpommern: Mecklenburg-Vorpommern war im November 2020 mit nahezu 55 Stunden das sonnenscheinärmste Bundesland und lag trotzdem noch knapp über seinem Monatssoll (52 Stunden). In Vorpommern zeigte sich die Sonne mit teils nur annähernd 45 Stunden bundesweit am wenigsten. Die Durchschnittstemperatur betrug 7,2 °C (4,5 °C). Es fielen annähernd 15 l/m² (52 l/m²) Regen. 

Brandenburg und Berlin: Laut DWD zählte Brandenburg mit etwa 10 l/m² (45 l/m²) zu den niederschlagarmen Regionen. Die Mitteltemperatur betrug 6,8 °C (4,4 °C) und die Sonne schien gut 70 Stunden (50 Stunden). Für Berlin verbuchten die Meteorologen durchschnittlich 7,1 °C (4,7 °C), eine Niederschlagsmenge von aufgerundet 20 l/m² (48 l/m²) und eine Sonnenscheindauer von annähernd 70 Stunden (50 Stunden).

Sachsen-Anhalt: Bei einer Durchschnittstemperatur von 6,9 °C (4,5 °C) meldete Sachsen-Anhalt im November eine Sonnenscheindauer von beinahe 80 Stunden (51 Stunden). Mit einer Niederschlagssumme von knapp 10 l/m² (43 l/m²) war es das zweitniederschlagärmste Bundesland.

Sachsen: Für Sachsen ermittelten die Wetterfachleute des DWD eine Mitteltemperatur von 5,6 °C (3,8 °C) und eine Sonnenscheindauer von nahezu 100 Stunden (54 Stunden). Der Freistaat zeigte sich mit aufgerundet 10 l/m² (52 l/m²) als das niederschlagsärmste Bundesland. Das waren nur 17 Prozent seines Monatssolls. 

Thüringen: Thüringen präsentierte sich mit einer mittleren Temperatur von 5,4 °C(3,3 °C) als eine vergleichsweise kühle Region. Der Niederschlag akkumulierte sich auf aufgerundet 15 l/m² (56 l/m²), was nur 22 Prozent des Monatssolls entsprach. Deshalb gehörte der November 2020 auch in Thüringen zu den trockensten seit Messbeginn 1881. Die Sonne schien über 90 Stunden (49 Stunden). Das war dort nach 2011 und 1989 der drittsonnigste November seit Aufzeichnungsbeginn 1951.

Nordrhein-Westfalen: Nordrhein-Westfalen zeigte sich im November 2020 mit 7,6 °C (5,1 °C) als ein warmes und mit rund 30 l/m² (78 l/m²) als ein niederschlagsreiches Bundesland. Mit über 100 Stunden und fast der doppelten Summe seines Klimawertes (53 Stunden) war es das zweitsonnigste Gebiet Deutschlands.

Hessen: Im Ländervergleich verbuchten die Klimaexperten für Hessen eine Durchschnittstemperatur von 5,7 °C (3,8 °C), eine Niederschlagssumme von knapp 20 l/m² (71 l/m²) sowie eine Sonnenscheindauer von über 75 Stunden (43 Stunden). 

Rheinland-Pfalz: Für Rheinland-Pfalz notierten die Meteorologen 6,3 °C (4,1 °C), nur knapp 25 l/m² (75 l/m²) und gut 95 Sonnenstunden (53 Stunden). Zu Beginn des Monats sorgte eine südwestliche Strömung besonders im Südwesten für spätsommerliche Wärme: Bad Dürkheim, am Rande des Pfälzerwaldes, registrierte am 2. mit 24,0°C den bundesweit höchste Novemberwert. An einigen DWD-Station wurden hierbei neue Temperaturrekorde für den November verzeichnet. Nach 1989 war der Monat der zweitsonnigste seit Messbeginn 1951.

Saarland: Im Saarland lag die mittlere Temperatur im November 2020 bei 6,4°C (4,3 °C). Mit über 35 l/m² (95 l/m²), die nur 37 Prozent des Monatssolls entsprachen, präsentierte es sich als das niederschlagsreichste Bundesland. In der Gegenüberstellung der Länder war es mit über 100 Stunden (53 Stunden) eine sonnenscheinreiche Region. Der Monat war nach 1989 der zweitsonnigste November seit Messbeginn 1951.

Baden-Württemberg: Im November war Baden-Württemberg mit durchschnittlich 5,3 °C (3,5 °C) das zweitkühlste und mit nahezu 105 Stunden (62 Stunden) das sonnigste Bundesland. In der Nacht auf den 2. sank das Quecksilber am Oberrhein und in den mittleren Landesteilen verbreitet nicht unter 15 °C. In Müllheim, südwestlich von Freiburg, sogar nicht unter 17,7 °C. Der Monat war nach 2011 der zweitsonnigste November. Im Südschwarzwald schien die Sonne bis zu 140 Stunden mit am meisten. Es fielen etwa 25 l/m² (82 l/m²) Niederschlag. Der Schwarzwald war mit örtlich bis zu 80 l/m² die niederschlagsreichste Region Deutschlands. Hier wurde mit 37,1 l/m² am 1. in Baiersbronn-Mitteltal, auch die bundesweit größte Tagessumme verzeichnet.

Bayern: Bayern war im November deutschlandweit mit 4,3 °C (2,8 °C) das kühlste Bundesland. Am Morgen des 30. meldete Bad Königshofen, nordwestlich von Bamberg, mit -9,5 °C den bundesweiten Tiefstwert. Die Niederschlagsmenge betrug annähernd 20 l/m² (70 l/m²), die Sonnenscheindauer lag bei knapp 85 Stunden (57 Stunden). Am 21. sank die Schneefallgrenze im Alpenvorland kurzzeitig bis auf rund 700 Meter: Holzkirchen, südlich von München, meldete eine Schneehöhe von 2 cm. (Quelle: DWD)

Beobachtungen zum Klimawandel: Deutschlandwetter Oktober 2020

Ein sehr sonnenscheinarmer, niederschlagsreicher und zu warmer Oktober

Offenbach, 30.10.2020 – Im Oktober 2020 standen die Zeichen auf Unbeständigkeit. Tiefdruckgebiete mit feuchten Luftmassen brachten neben sehr vielen Wolken wiederholte, teils auch kräftige Niederschläge, mit vereinzelten Gewittern, sowie einen Wechsel zwischen kurzen kühlen und milden Witterungsabschnitten. Aber auch eine Sturmflut an der Ostsee, sowie ein Föhnsturm in den Alpen, gehörten mit zum Wetterprogramm. Im Ergebnis war der Oktober zu warm, zu nass und ungewöhnlich wolkenreich. Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2000 Messstationen. 

Oft mild, in der zweiten Monatsdekade länger kühl mit leichten Nachfrösten
Mit 10,2 Grad Celsius (°C) lag im Oktober der Temperaturdurchschnitt für Deutschland um 1,2 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Im Vergleich zur wärmeren Periode 1981 bis 2010 betrug die Abweichung 1,0 Grad. Der Monat startete mit Werten von über 20 °C recht mild. Unter Föhneinfluss wurde am 3. aus Kiefersfelden-Gach, im Landkreis Rosenheim, mit 24,6 °C die deutschlandweit höchste Temperatur gemessen. Ab der zweiten Monatsdekade drehte sich das Blatt und es stellte sich ein kühler Witterungsabschnitt ein. Bei Höchsttemperaturen von teils unter 10 °C traten vor allem in den östlichen und südlichen Regionen leichte Nachtfröste auf. Oberstdorf meldete mit -4,4 °C am 14. den bundesweit tiefsten Wert. In der dritten Monatsdekade stieg das Quecksilber wieder an. Zeit- und gebietsweise gab es dann sogar noch einmal Höchsttemperaturen über 20 °C. 

Ein nasser Oktober mit besonders hohen Niederschlagsmengen in den Mittelgebirgen
Aufgrund wiederholtem Tiefdruckeinfluss erreichte der Oktober 2020 mit über 75 Litern pro Quadratmeter (l/m²) 139 Prozent seines Klimawerts von 56 l/m². Zu Beginn des Monats konzentrierten sich die Regenwolken vor allem auf die westlichen Landesteile. Zur Monatsmitte aber sandte das Tief GISELA von Polen und Tschechien her auch den östlichen Bereichen kräftige Niederschläge. Dabei wurde am 14. die höchste Tagessumme von 64,4 l/m² an der Station Wernigerode-Schierke, im Landkreis Harz, gemessen. Mehrere Starkregenereignisse führten in Sachsen und Sachsen-Anhalt in der Monatsbilanz zu doppelt so hohen Mengen als zu erwarten wäre. Die höchsten Summen aber prasselten im Monatsverlauf mit über 200 l/m² im Südschwarzwald und Harz vom Himmel. Andererseits gab es im Lee von Hunsrück, Eifel und Rhön, sowie an der Ostseeküste, regional nur um 30 l/m². 

Ein ungewöhnlich wolkenreicher Oktober
Im Oktober lag die Sonnenscheindauer mit fast 70 Stunden deutlich unter ihrem Soll von 109 Stunden. Damit war es der fünftsonnenscheinärmste Oktober seit 1951. Besonders in den westlichen Gebieten schien die Sonne so selten wie seit 1998 nicht mehr. In den dortigen Mittelgebirgen gab es örtlich im gesamten Monat keine 40 Sonnenstunden. Aber auch sonst blieb die Sonne sehr zurückhaltend. Nur an den Küsten sowie im Alpenvorland zeigte sie sich mit rund 100 Stunden häufiger zwischen den Wolken. 

Das Wetter in den Bundesländern im Oktober 2020
(In Klammern stehen jeweils die vieljährigen Mittelwerte der intern. Referenzperiode)

Schleswig-Holstein und Hamburg: Im Oktober meldete das nördlichste Bundesland eine Temperatur von 10,9 °C (9,5 °C), eine Niederschlagsmenge von gut 80 l/m² (73 l/m²) und als sonnigstes Gebiet fast 90 Sonnenstunden (98 Stunden). Hamburg war mit 11,2 °C (9,8 °C) nach Berlin die zweitwärmste Region. Neben rund 75 l/m² (60 l/m²) Niederschlag zeigte sich in der Hansestadt die Sonne aufgerundet 70 Stunden (97 Stunden).

Niedersachsen und Bremen: Niedersachsen registrierte im Oktober 11,0 °C (9,6 °C), rund 75 l/m² (56 l/m²) und etwa 70 Sonnenstunden (99 Stunden). Bremen erreichte 11,1 °C (9,8 °C). Mit einer Niederschlagsmenge von rund 65 l/m² (58 l/m²) und einer Sonnenscheindauer von etwa 80 Stunden (98 Stunden) war die Hansestadt die zweitsonnigste Region. 

Mecklenburg-Vorpommern: In Mecklenburg-Vorpommern ermittelte der DWD eine Temperatur von 11,1 °C (9,3 °C). Mit 55 l/m² (42 l/m²) Niederschlag landete es als trockenstes Bundesland auf dem letzten Platz im Niederschlagsranking. Die Sonne zeigte sich 75 Sunden (105 Stunden). Am 14. bewirkte ein Nordoststurm mit Böen bis 100 km/h eine Sturmflut mit 5 Meter hohen Wellen. Wie in Wismar stiegen die Pegel an manchen Orten auf 1,40 Meter.

Brandenburg und Berlin: Brandenburg erreichte eine Mitteltemperatur von 11,0 °C(9,3 °C). Die Hauptstadt meldete 11,3 °C (9,6 °C) und war die wärmste Region in Deutschland. Brandenburg mit knapp 65 l/m² (37 l/m²) und Berlin mit etwa 55 l/m²(35 l/m²) erlebten 2020 einen recht nassen Oktober. Die Sonne zeigte sich sowohl in Brandenburg (110 Stunden) als auch in Berlin (109 Stunden) fast 70 Stunden.

Sachsen-Anhalt: Der Oktober 2020 erwies sich in Sachsen-Anhalt mit einer Temperatur von 11,1 °C (9,4 °C) als zu warm und mit einer Niederschlagsausbeute von etwa 75 l/m² (36 l/m²) als deutlich zu nass. Am 14. meldete Wernigerode-Schierke, im Landkreis Harz, mit 64,4 l/m² die höchste Tagessumme. Im gesamten Monat fielen dort fast 250 l/m². Der Brocken kam sogar auf über 350 l/m². Die Sonne schien in Sachsen-Anhalt rund 70 Stunden (104 Stunden).

Sachsen: Sachsen erreichte eine Durchschnittstemperatur von 10,3 °C (9,0 °C). Mitte des Monats brachte das Tief GISELA ordentlich Regen. Dabei fielen alleine am 14. verbreitet zwischen 20 und 40, örtlich sogar bis 50 l/m². Insgesamt konnten bis zum Monatsende in der Fläche fast 100 l/m² (47 l/m²) gemessen werden und damit das Doppelte der zu erwartenden Niederschlagsmenge. Sachsen war die zweitnasseste, aber mit etwa 75 Stunden (118 Stunden) auch eine der sonnigen Regionen.

Thüringen: Hier betrug die Temperatur im Oktober 9,9 °C (8,4 °C). Damit gehört Thüringen zu den kühleren Gebieten. Hinzu kamen im Flächenmittel nasse 80 l/m²(48 l/m²). Im Thüringer Wald fielen sogar über 150 l/m². Die Sonne zeigte sich rund 65 Stunden (107 Stunden). 

Nordrhein-Westfalen: Im einwohnerreichsten Bundesland ermittelte der DWD eine Durchschnittstemperatur von 10,7 °C (9,8 °C). Dazu fielen abgerundet 80 l/m² (62 l/m²) Niederschlag. Mit nur etwa 50 Stunden (107 Stunden) schien die Sonne so selten wie seit 1998 nicht mehr. 

Hessen: In Hessen betrug die Temperatur im Oktober 10,2 °C (8,9 °C) und die Niederschlagsmenge rund 70 l/m² (59 l/m²). Nach dem zweitsonnigsten September zeigte sich der Oktober mit mageren 50 Stunden (100 Stunden) ungewöhnlich sonnenscheinarm.

Rheinland-Pfalz: Hier erreichte die Oktobertemperatur im Mittel 10,1 °C (9,2 °C) und mit rund 75 l/m² (63 l/m²) war es etwas zu nass. Mit 55 Stunden (105 Stunden) wurde der sonnenscheinärmste Oktober seit 1998 registriert.

Saarland: Das kleinste Flächenland meldete im Oktober durchschnittlich 10,0 °C(9,4 °C) und etwa 125 l/m² (77 l/m²). Dazu zeigte sich die Sonne ungewöhnlich selten. Lediglich 45 Stunden (106 Stunden) wurden erreicht und damit so wenig wie seit 1998 nicht mehr. Im Ländervergleich war das Saarland so das nasseste und sonnenscheinärmste Bundesland.

Baden-Württemberg: Hier wurde eine Temperatur von 9,4 °C (8,7 °C) gemeldet. Damit war Baden-Württemberg das zweitkühlste Bundesland. Im Flächenmittel fielen rund 85 l/m² (68 l/m²) Niederschlag. Der Südschwarzwald erreichte über 200 l/m². Die Sonne schien etwa 75 Stunden (117 Stunden). Es war der sonnenscheinärmste Oktober der letzten 20 Jahre. 

Bayern: Im größten Bundesland wurde im Oktober eine Temperatur von 8,9 °C (8,1 °C) ermittelt. Somit war der Freistaat die kühlste Region in Deutschland. Ein Föhnsturm brachte am 3. sehr milde Temperaturen. Dabei erreichte Kiefersfelden-Gach, im Landkreis Rosenheim, mit 24,6 °C die bundesweit höchste Temperatur. Auch der tiefste Wert stammt aus Bayern und wurde am Morgen des 14. mit frostigen -4,4 °C in Oberstdorf gemessen. Bei einer Niederschlagsmenge von rund 80 l/m² (61 l/m²), schien die Sonne in Bayern etwa 75 Stunden (118 Stunden). Quelle: DWD

Beobachtung zum Klimawandel: Deutschlandwetter Sommer 2020

Offenbach, 31. August 2020 – Der Sommer 2020 zeigte sich oft wechselhaft. Zeitweise stabile Wetterlagen brachten dabei nur kurzzeitig hochsommerliche Wärme. Erst im August drehte der Hochsommer voll auf. In tropischer Luft stiegen die Temperaturen über mehrere Tage hinweg auf 30 Grad Celsius (°C) und mehr. Hier und da entluden sich schwere Starkregengewitter, mancherorts blieb es aber weiterhin sehr trocken. Unter dem Strich war der Sommer 2020 bei ausgeglichener Sonnenscheindauer zu warm und etwas zu trocken. Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2 000 Messstationen.

Im Juni und Juli „Schaukelsommer“ mit schwankenden Temperaturen
Mit 18,2 °C lag der Sommer 2020 um 1,9 Grad über dem Mittel der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Gegenüber der wärmeren Vergleichsperiode 1981 bis 2010 betrug die positive Abweichung 1,1 Grad. In den Monaten Juni und Juli waren stabile hochsommerliche Phasen eine Seltenheit. Kühle und warme Witterungsphasen wechselten sich ab, sodass die ersten Sommermonate eher einem „Schaukelsommer“ glichen. Erst im August führte eine mehrtägige Hitzewelle mit Temperaturen von über 35 °C zu einer landesweiten hohen bis extremen Wärmebelastung. Die deutschlandweit höchste Temperatur wurde am 9.8. mit 38,6 °C in Trier-Petrisberg gemessen. Die niedrigsten Frühtemperaturen wurden vom DWD Anfang Juni registriert. Am 1.6. übermittelte die Station Oberharz am Brocken-Stiege frische 0,5 °C.

Starkregen, Überflutungen, Hochwasser und regional weiterhin sehr trocken
Mit rund 230 Litern pro Quadratmeter (l/m²) Niederschlag im bundesweiten Mittel verfehlte der Sommer 2020 sein Soll (239 l/m²) nur leicht. Oftmals lagen Starkregenfälle mit Überflutungen und anhaltende Trockenheit nah beieinander. In einigen Regionen, wie der Uckermark, der Leipziger Tieflandbucht, dem Saarland und entlang des Rheins fielen mit 70 bis 100 l/m² weniger als die Hälfte der dort typischen Niederschlagsmenge. Zugleich gab es Dauerregenfälle, wie Anfang August mit bis zu 150 l/m² in 24 Stunden in Oberbayern, die auch Hochwasser brachten. Insgesamt wurden an den Alpen über den Sommer hinweg über 700 l/m²gemessen und damit zehnmal so viel, wie in den trockenen Regionen Deutschlands.

Ausgewogene Sonnenscheinbilanz
Mit rund 675 Stunden übertraf die Sonnenscheindauer im Sommer ihr Soll von 614 Stunden um etwa 10 Prozent. Über 700 Stunden Sonnenschein verzeichneten die Küstenregionen. In den westlichen Mittelgebirgen wurden vom DWD dagegen nur um 500 Stunden gemessen. 

Das Wetter in den Bundesländern im Sommer 2020
(In Klammern stehen jeweils die vieljährigen Mittelwerte der intern. Referenzperiode) 

Schleswig-Holstein und Hamburg: Im Sommer erfassten die Stationen des DWDin Schleswig-Holstein eine Mitteltemperatur von 17,4 °C (15,8 °C) und 225 l/m² (222 l/m²) Niederschlag. Damit war das nördlichste Bundesland die kühlste und eine nasse Region. In der Hansestadt war es mit 18,3 °C (16,5 °C) und 195 l/m² (218 l/m²) deutlich zu warm und auch zu trocken. Die Sonne schien sowohl in Hamburg (618 Stunden) als auch in Schleswig-Holstein (645 Stunden) rund 710 Stunden. Es waren nach Berlin die zweitsonnenscheinreichsten Regionen.

Niedersachsen und Bremen: In Niedersachsen wurden im Sommer warme 18,0 °C(16,2 °C), 205 l/m² (219 l/m²) Niederschlag und 625 Stunden (583 Stunden) Sonnenschein gemessen. Bremen erreichte 18,4 °C (16,4 °C), trockene 185 l/m²(219 l/m²) und 665 Sonnenstunden (589 Stunden). 

Mecklenburg-Vorpommern: Im nordöstlichsten und vergleichsweise kühlen Bundesland betrug die Sommertemperatur 17,9 °C (16,3 °C). Dazu fielen in der Fläche etwa 200 l/m² (187 l/m²) Niederschlag. Die Sonne schien abgerundet 700 Stunden (676 Stunden).

Brandenburg und Berlin: Im Sommer 2020 war die Bundeshauptstadt mit einer Temperatur von 20,0 °C (17,7 °C), einer Niederschlagssumme von 135 l/m² (182 l/m²) und einer Sonnenscheindauer von gut 710 Stunden (664 Stunden) die wärmste, trockenste und sonnigste Region Deutschlands. Brandenburg war mit 19,3 °C (17,3 °C) das zweitwärmste Bundesland. Hier wurden 155 l/m² (177 l/m²) Regen und gut 695 Sonnenstunden (662 Stunden) aufgezeichnet.

Sachsen-Anhalt: Mit einer Mitteltemperatur von 19,0 °C (16,9 °C) gehörte Sachsen-Anhalt im Sommer 2020 zu den wärmeren Gebieten. Bei gut 690 Sonnenstunden (610 Stunden) fielen im Sommer rund 155 l/m² (174 l/m²). In Bottmersdorf / Klein Germersleben, südwestlich von Magdeburg, wurden am 13.6. bei schweren Gewittern enorme 133,4 l/m² in 24 Stunden erfasst. Das ist der höchste Tagesniederschlag seit Messbeginn in diesem Bundesland. Die deutschlandweit niedrigste Temperatur wurde am 1.6. von der Station Oberharz am Brocken-Stiege mit 0,5 °C übermittelt. 

Sachsen: Für das Bundesland Sachsen berechnete der DWD ein Temperaturmittel von 18,7 °C (16,5 °C). Dazu fielen in der Summe karge 210 l/m² (222 l/m²) Niederschlag. Besonders trocken blieb es in den nördlichen Regionen. Die Sonne schien landesweit gut 670 Stunden (609 Stunden). 

Thüringen: Thüringen meldete warme 18,1 °C (15,8 °C), als zweitsonnenscheinärmste Region 620 Sonnenstunden (592 Stunden) und mit 220 l/m² (210 l/m²) ausreichend Niederschlag. Die meisten Niederschläge gab es dabei im Thüringer Wald. 

Nordrhein-Westfalen: Im bevölkerungsreichsten Bundesland lag die Sommertemperatur bei 18,3 °C (16,3 °C) und die Sonnenscheindauer bei gut 590 Stunden (554 Stunden). Somit war NRW das sonnenscheinärmste Bundesland. Dabei blieb es mit 190 l/m² (240 l/m²) Niederschlag deutlich zu trocken.

Hessen: In Hessen erreichte der Sommer 2020 bei gut 645 Sonnenstunden (586 Stunden) eine Temperatur von 18,2 °C (16,2 °C). Mit einem Flächenniederschlag von 170 l/m² (222 l/m²) blieb es weiterhin zu trocken. Starkregengewitter brachten vor allem im August vielerorts eine leichte Entspannung bei der Trockenheit, wenngleich vor allem Richtung Rhein die Niederschläge nur spärlich fielen. 

Rheinland-Pfalz: In Rheinland-Pfalz verlief der Sommer 2020 mit 18,6 °C (16,3 °C) zu warm und mit mageren 150 l/m² (218 l/m²) überregional deutlich zu trocken. Die Station Mainz-Lerchenberg erfasste im Sommer gerade einmal knapp 75 l/m². Die deutschlandweit höchste Temperatur wurde am 9.8. mit 38,6 °C in Trier-Petrisberg gemessen. Die Sonne schien 653 Stunden (595 Stunden).

Saarland: Das kleinste Flächenland erlebte mit einer Niederschlagsbilanz von 140 l/m² (226 l/m²) den trockensten Sommer in der Region seit 1983. Bei warmen 18,7 °C (16,7 °C) schien die Sonne rund 680 Stunden (631 Stunden). 

Baden-Württemberg: Im Sommer 2020 ermittelte der DWD für Baden-Württemberg eine Temperatur von 18,1°C (16,2 °C). Der Flächenniederschlag erreichte zu trockene 255 l/m² (292 l/m²). Insbesondere in der oberrheinischen Tiefebene fällt die klimatische Niederschlagsbilanz stark negativ aus. Trotzdem war Baden-Württemberg im Vergleich die zweitnasseste Region. Die Sonne schien 710 Stunden (636 Stunden).

Bayern: Der Freistaat war im Sommer 2020 mit einer Durchschnittstemperatur von 17,5 °C (15,8 °C) die zweitkühlste Region. Starkregengewitter und Dauerniederschläge führten zu einer Niederschlagsmenge von rund 350 l/m² (314 l/m²). Damit war Bayern das niederschlagsreichste Bundesland. In Oberbayern fielen Anfang August innerhalb von 24 Stunden 100 bis 150 l/m². Aschau-Innerkoy meldete am 3. 8. mit 152,4 l/m² den höchsten Tagesniederschlag. In den bayerischen Alpen fingen die Stationen des DWD über den Sommer hinweg örtlich über 700 l/m² auf. Bayern kam auf 685 Stunden (623 Stunden) Sonnenschein. (Quelle DWD)

Beobachtungen zum Klimawandel: Deutschlandwetter September 2020

Offenbach, 29. September 2020 – Der September 2020 verwöhnte die Bundesbürger wochenlang mit sonnigem und warmem Outdoor-Wetter. Erst zum Monatsende sorgte ein Großwetterlagenwechsel pünktlich zum astronomischen Herbstanfang für kühle und nasse Witterung. Unter dem Strich war der erste klimatologische Herbstmonat zu warm, zu trocken und sehr sonnig – verglichen mit vieljährigen Mittelwerten. Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2 000 Messstationen.

Ein überwiegend sommerlich warmer September endet mit herbstlicher Kühle
Mit 14,8 Grad Celsius (°C) lag der Temperaturdurchschnitt im September um 1,5 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Im Vergleich zur wärmeren Periode 1981 bis 2010 betrug die Abweichung +1,3 Grad. Die ersten drei Wochen zeigten sich unter Hochdruckeinfluss meist spätsommerlich warm. Im Südwesten gab es 10 bis 18 Sommertage mit 25 Grad und mehr. Mitte September drehte die Strömung auf südliche Richtungen, wodurch die Temperaturen regional noch mal auf deutlich über 30 °C kletterten. Den höchsten Wert erreichte Trier-Petrisberg am 15. mit 34,8 °C. In den darauffolgenden Nächten wurde es aber empfindlich kalt. Im Nordosten Deutschlands sanken die Frühwerte am 19. sogar in den leichten Frostbereich. Die deutschlandweit tiefste Temperatur trat am 28. in Messstetten, Zollernalbkreis, mit -2,0 °C auf. (Nur auf der fast 3000 m hohen und nicht repräsentativen Zugspitze war es am 26. mit -10,9 °C kälter).

Erst nach drei Wochen Trockenheit reichlich Niederschläge
Der September lag mit knapp 50 Litern pro Quadratmeter (l/m²) etwa 20 Prozent unter dem vieljährigen Durchschnitt von 61 l/m². Nachdem es unter Hochdruckeinfluss vielerorts wochenlang trocken blieb, sandten Tiefdruckgebiete in der letzten Septemberwoche flächendeckende und reichliche Niederschläge. Sie brachten in den Mittelgebirgen sogar den ersten Schnee der Saison. Am Alpenrand sowie im Südschwarzwald fielen mit über 150 l/m² die höchsten Monatssummen. Auch der in den Vormonaten vom Regen ausgesparte Osten der Republik erhielt nun endlich signifikanten Regen. Die bundesweit höchste Tagessumme wurde aber am 26. in Baiersbronn-Ruhestein, 20 km südlich von Baden-Baden, mit 107 l/m² gemessen. Viel zu trocken blieb es dagegen in Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Hessen, wo in der Fläche gerade einmal 50 Prozent der zu erwartenden Monatssummen eingesammelt wurden.

Der September 2020 war ein sehr sonniger Monat
Mit 206 Sonnenstunden übertraf der September 2020 sein Sonnenscheinsoll von 150 Stunden um gut ein Drittel. Dabei gab es in den ersten beiden Monatsdekaden verbreitet Sonnenschein von früh bis spät. Am sonnigsten war es mit über 230 Stunden in Mitteldeutschland. Im Nordseeumfeld zeigte sich die Sonne etwa 50 Stunden weniger.   

Das Wetter in den Bundesländern im September 2020
(In Klammern stehen jeweils die vieljährigen Mittelwerte der intern. Referenzperiode)  

Schleswig-Holstein und Hamburg: Schleswig-Holstein war im September 2020 mit einer Temperatur von 14,2 (13,2 °C) und einer mageren Niederschlagsausbeute von gut 40 l/m² (75 l/m²) nicht nur das kühlste, sondern auch ein trockenes Gebiet. In Kiel-Holtenau wurden mit knapp über 10 l/m² noch nicht einmal 20 Prozent des Solls erreicht. Hamburg registrierte einen Mittelwert von 14,8 °C (13,7 °C). Auch hier blieb es mit einem Flächenniederschlag von rund 40 l/m² (68 l/m²) deutlich zu trocken. Mit rund 190 Sonnenstunden zählten sowohl die Hansestadt (139 Stunden) als auch Schleswig-Holstein (143 Stunden) zu den sonnenscheinärmeren Regionen.

Niedersachsen und Bremen: In Niedersachsen bestimmte der DWD eine Mitteltemperatur von 14,5 °C (13,5 °C). Bremen kam auf 14,8 °C (13,7 °C). Mit aufgerundeten 30 l/m² fiel in Bremen weniger als die Hälfte der zu erwartenden Niederschlagsmenge (61 l/m²). Damit war die Hansestadt die trockenste Region Deutschlands. Niedersachsen kam auf gut 45 l/m² (60 l/m²). Nicht nur Niedersachsen (135 Stunden), sondern auch Bremen (136 Stunden) meldeten gut 195 Sonnenstunden.

Mecklenburg-Vorpommern: In Mecklenburg-Vorpommern betrug die Temperatur 14,8 °C (13,4 °C). Die Niederschlagsmenge erreichte rund 55 l/m² (51 l/m²). Die Sonne zeigte sich 195 Stunden (154 Stunden). An der Station Barth, im Landkreis Vorpommern-Rügen, wurden am frühen Morgen des 19. frostige -1,1 °C gemessen. 

Berlin und Brandenburg: Die Hauptstadt war im September mit einer Temperatur von 15,9°C (14,1 °C) die bundesweit wärmste Region. Aus Brandenburg wurden 15,4 °C (13,8 °C) gemeldet. Nach monatelanger Trockenheit schickte das Tiefdruckgebiet Xyla am 26. mit überregionalen 15 bis 40 l/m² den langersehnten Landregen. Im Landkreis Märkisch-Oderland wurden sogar 40 bis knapp über 50 l/m² beobachtet. In der Monatsbilanz sammelten die Niederschlagstöpfe in Berlin gut 55 l/m² (46 l/m²) und in Brandenburg aufgerundete 60 l/m² (45 l/m²) ein. Brandenburg gehörte damit zu den nassen Regionen Deutschlands. Die Sonne schien in Berlin und Brandenburg rund 210 Stunden (156 Stunden).

Sachsen-Anhalt: In Sachsen-Anhalt lag die Mitteltemperatur bei 15,4 °C (13,7 °C). Trotz eines überdurchschnittlichen Flächenniederschlags von 50 l/m² (42 l/m²) schien die Sonne mit rund 210 Stunden (144 Stunden) ungewöhnlich lang.

Sachsen: Die Durchschnittstemperatur erreichte in Sachsen 15,0 °C (13,4 °C). Dazu fielen durchschnittliche 55 l/m² (55 l/m²) Niederschlag. Mit einer auffallend hohen Sonnenscheindauer von rund 225 Stunden (148 Stunden) war der Freistaat das sonnenscheinreichste Bundesland.   

Thüringen: Im Ländervergleich war Thüringen mit 14,5 °C (12,8 °C) verhältnismäßig kühl. Die Niederschlagsmenge betrug 45 l/m² (51 l/m²). Mit 215 Stunden (143 Stunden) zeigte sich die Sonne im zweitsonnigsten Bundesland ungewöhnlich häufig.

Nordrhein-Westfahlen: In NRW datierten die Meteorologen 14,9 °C (13,6 °C) und trockene 50 l/m² (67 l/m²). Die Sonne schien sehr oft und zeigte sich in der Bilanz 200 Stunden (135 Stunden).

Hessen: Hessen meldete eine Temperatur von 14,9 °C (13,2 °C) und rund 210 Sonnenstunden (142 Stunden). Damit dürfte das Jahr 2020 nach 1959 für den zweitsonnigsten September in Hessen seit Messbeginn sorgen. Mit 30 l/m² Niederschlag fiel im zweittrockensten Bundesland die Hälfte des zu erwartenden Solls (57 l/m²).

Rheinland-Pfalz: Mit 15,8 °C (13,5 °C) war Rheinland-Pfalz eine warme Region. In Trier-Petrisberg wurde am 15. mit 34,8 °C die deutschlandweit höchste Temperatur im September 2020 gemessen. Mit rund 45 lm/² (60 l/m²) blieb es weiterhin zu trocken. Die Sonne schien 200 Stunden (151 Stunden).

Saarland: Hier, in der vergleichsweise zweitwärmsten Region, ermittelte der DWD eine Temperatur von 15,9 °C (13,7 °C), gut 60 l/m² (70 l/m²) Niederschlag und rund 190 Sonnenstunden (158 Stunden). Am 15. wurde es nochmal richtig heiß. Saarbrücken-Burbach meldete mit 34,1 °C einen neuen Monatsrekord für das kleinste Flächenland.

Baden-Württemberg: In Baden-Württemberg erfassten die Wetterstationen des DWD 15,1 °C(13,3 °C). Entlang des Rheins wurden nochmal bis zu 18 Sommertage registriert. Die deutschlandweit tiefste Temperatur trat am 28. in Messstetten mit -2,0 °C auf. Dazu blieb es mit rund 50 l/m² (70 l/m²) verbreitet zu trocken. Nur der Schwarzwald stach mit deutlich höheren Niederschlagsmengen von teils über 100 l/m² hervor. Hier kam es zwischen dem 24. und 26. nicht nur zu stärkeren Regenfällen, auch winterlich wurde es kurzzeitig oberhalb von 1000 Metern. Die bundesweit höchste Tagessumme wurde am 26. in Baiersbronn-Ruhestein, südlich von Baden-Baden, mit 107 l/m² erfasst. Die Sonne schien in Baden-Württemberg rund 205 Stunden (166 Stunden).

Bayern: Der Freistaat war mit 14,3 °C (12,8 °C) das zweitkühlste und mit rund 65 l/m² (72 l/m²) das nasseste Bundesland. Am niederschlagsreichsten waren die Alpen mit über 150 l/m². In Ruhpolding-Seehaus, Chiemgauer Alpen, wurden sogar über 200 l/m² gemessen. Am 25. sank mit einsetzenden kräftigen Niederschlägen und zurückgehenden Temperaturen die Schneefallgrenze auf 1000 Meter. Auf der Zugspitze und dem Nebelhorn gab es am 26. sogar 70 cm Neuschnee. Die Sonne schien in Bayern gut 205 Stunden (160 Stunden). Quelle DWD

Beobachtungen zum Klimawandel: Deutschland- Wetter im August 2020

Ein facettenreicher und extrem warmer Hochsommermonat

Offenbach, 31. August 2020 – Der letzte Sommermonat 2020 war hierzulande an Wettervielfalt kaum zu übertreffen. Zeitweilige Dauerniederschläge mit Hochwasser im Süden, eine ungewöhnlich heiße Witterung im Norden und Starkregengewitter in der Mitte gehörten genauso zu seinem Repertoire, wie regional anhaltende Trockenheit und das Sturmtief „Kirsten“ zum Ende des Monats. In der Bilanz war der August 2020 extrem warm sowie leicht zu nass und sonnig. Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2 000 Messstationen.

Lange Hitzewelle Mitte des Monats sorgte für einen extrem warmen August
Mit 19,9 Grad Celsius (°C) lag der Temperaturdurchschnitt im letzten klimatologischen Sommermonat um 3,4 Grad über dem Mittel der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Im Vergleich zur wärmeren Periode 1981 bis 2010 betrug die positive Abweichung 2,4 Grad. Der August 2020 war damit nach dem August 2003 mit 20,6 °C gemeinsam mit 2015 und 2018 der zweitwärmste seit 1881. Dieses große Temperaturplus ist insbesondere auf eine sehr heiße und feuchte Witterung zwischen dem 5. und 22. zurückzuführen. Zeitweise stiegen die Höchstwerte auf über 35 °C. Dabei wurden aus dem Südwesten und Nordosten des Landes an bis zu 15 Tagen Höchstwerte von über 30 °C (Hitzetage) gemeldet. Die höchste Temperatur wurde am 9. mit 38,6 °C in Trier-Petrisberg registriert, nachdem in Deutschneudorf-Brüderwiese am 5. noch frische 3,5 °C gemessen wurden.

Hochwasser im Süden, Überflutungen in der Mitte, gebietsweise sehr trocken
Mit rund 90 Litern pro Quadratmeter (l/m²) erreichte der August 115 Prozent seines Klimawertes von 77 l/m². Dauerregen brachte Anfang des Monats dem Südosten Deutschlands Hochwasser. Innerhalb von 24 Stunden fielen in Oberbayern 100 bis 150 l/m². Aschau-Innerkoy meldete am 3. mit 152,4 l/m² den höchsten Tagesniederschlag. Nach einer kurzen deutschlandweit niederschlagsfreien Phase entluden sich in der zweiten Monatsdekade in zunehmend feuchter Luft besonders über der Mitte des Landes heftige Starkregengewitter. Lokal wurden Stundensummen von über 50 l/m² gemessen. Während es dort zu Überflutungen kam, blieb es wenige Kilometer abseits der Unwetter knochentrocken. Im westlichen Saarland und am Niederrhein fielen im Monat lokal gerade einmal 15 l/m². Im letzten Drittel des August konnten dann auch im zuvor vom Niederschlag ausgesparten Norden und Osten Deutschlands bedeutsame Mengen gemessen werden. Ab 2000 Metern gab es in den Alpen sogar Schnee.

Leicht positive Sonnenscheinbilanz
Der Sonnenschein lag im letzten Sommermonat mit rund 220 Stunden etwa zehn Prozent über dem Soll von 200 Stunden. Am häufigsten zeigte sich die Sonne an den Küsten. Hier wurden teilweise über 290 Stunden erfasst. Etwa 100 Stunden weniger zeigte sie sich im Sauerland.

Das Wetter in den Bundesländern im August 2020
(In Klammern stehen jeweils die vieljährigen Mittelwerte der intern. Referenzperiode) 

Schleswig-Holstein und Hamburg: Der August 2020 war in Schleswig-Holstein mit 19,5 °C (16,2 °C) und in Hamburg mit 20,6 °C (16,8 °C) deutlich zu warm. An der Station Hamburg-Neuwiedenthal gab es an 11 Tagen Höchsttemperaturen von über 30 °C. Für die Hansestadt ein neuer Augustrekord. Rund 70 l/m² (73 l/m²) Niederschlag fielen dabei im nördlichsten Bundesland, während die Hansestadt nur etwa 40 l/m² (71 l/m²) erreichte. Die Sonne schien in Schleswig-Holstein rund 265 Stunden (210 Stunden) und in Hamburg gut 250 Stunden (201 Stunden). Damit waren sie die sonnenscheinreichsten Regionen Deutschlands.

Niedersachsen und Bremen: Niedersachsen verzeichnete im August 2020 bei 220 Sonnenstunden (192 Stunden) und annähernd 65 l/m² (70 l/m²) zu warme 20,1 °C(16,5 °C), Bremen sogar 20,6 °C (16,7 °C). Dazu meldete die Hansestadt noch 75 l/m² (71 l/m²) Niederschlag und 235 Stunden (193 Stunden) Sonnenschein. In Bremerhaven gab erstmals in einem August acht Tage mit Höchstwerten von über 30 °C. 

Mecklenburg-Vorpommern: Der August 2020 brachte dem nordöstlichsten Bundesland eine ungewöhnlich lange und heiße Witterung. Abseits der Küsten wurden an bis zu 13 Tagen, wie in Boizenburg, Höchstwerte von über 30 °Cgemeldet. Augustrekord! In der Bilanz war der August 2020 mit 19,8 °C (16,6 °C) deutlich zu warm. Bei nassen 70 l/m² (59 l/m²) Niederschlag und rund 250 Sonnenstunden (270 Stunden) war das nordöstlichste Bundesland eine der sonnigsten Regionen deutschlandweit.

Brandenburg und Berlin: Im August 2020 waren Berlin und Brandenburg die wärmsten Regionen. Rekordverdächtige 21,8 °C (17,8 °C) wurden in der Hauptstadt und 21,1 °C (17,4 °C) in Brandenburg im Mittel registriert. Verbreitet gab es 10 bis 14 heiße Tage. Potsdam meldete sogar erstmals in einem August 15 Tage mit Höchsttemperaturen von über 30 °C. Hinsichtlich der Niederschlagsbilanz zählten Brandenburg mit 55 l/m² (59 l/m²) und die Hauptstadt mit 45 l/m² (59 l/m²) zu den trockeneren Gebieten. Überdurchschnittlich lang schien die Sonne. Berlin kam auf rund 240 (214 Stunden) und Brandenburg auf gut 235 Sonnenstunden (213 Stunden). 

Sachsen-Anhalt: Das Bundesland erlebte mit einer Mitteltemperatur von 21,0 °C(17,2 °C) seinen wärmsten August seit Messbeginn. In der Altmark, wie in Seehausen, wurden zum Teil 15 Hitzetage erfasst. Bei 225 Sonnenstunden (198 Stunden) und 55 l/m² (59 l/m²) Flächenniederschlag war es recht sonnig und leicht zu trocken.

Sachsen: Der Freistaat erlebte mit 20,4 °C (16,8 °C) den drittwärmsten August. Dabei war es bei rund 100 l/m² (77 l/m²) recht nass und mit 220 Sonnenstunden (199 Stunden) dennoch sonnig. Deutschneudorf-Brüderwiese meldete am Morgen des 5. mit frischen 3,5 °C die tiefste Monatstemperatur. 

Thüringen: Thüringen erlebte mit einer Temperatur von 19,8 °C (16,0 °C) einen der wärmsten Augustmonate. Im Schnitt fielen 90 l/m² (69 l/m²) Niederschlag. Die Sonne zeigte sich 190 Stunden (192 Stunden) – der niedrigste Wert in Deutschland.

Nordrhein-Westfalen: NRW verbuchte im August 20,3 °C (16,6 °C). Am Niederrhein, wie in Tönisvorst, gab es mit 14 Hitzetagen einen neuen Augustrekord. Zahlreiche Schauer und Gewitter brachten in der zweiten Monatsdekade zwar Starkregen, dennoch blieb es im Flächenmittel mit 60 l/m² (73 l/m²) zu trocken. Insbesondere am Niederrhein fielen örtlich keine 20 l/m². Die Sonne zeigte sich mit rund 195 Stunden (183 Stunden) weniger als in vielen anderen Regionen Deutschlands. 

Hessen: Hessen meldete gut 20,0 °C (16,4 °C) und damit seinen zweitwärmsten August. Mit 65 l/m² (70 l/m²) blieb es weiterhin zu trocken. In der vergleichsweise sonnenscheinarmen Region wurden gut 195 Sonnenstunden (190 Stunden) gemessen.

Rheinland-Pfalz: Hier betrug die August-Temperatur im Mittel 20,5 °C (16,6 °C). Es ist nach 2003 der zweitwärmste Wert seit Aufzeichnungsbeginn in Rheinland-Pfalz. Das höchste Tagesmaximum wurde am 9. mit 38,6 °C in Trier-Petrisberg registriert. Bei trockenen 60 l/m² (70 l/m²) schien die Sonne rund 200 Stunden (193 Stunden).

Saarland: Der August war im Saarland mit 20,7 °C (16,9 °C) der zweitwärmste seit Messbeginn. Als trockenste Region erfasste das kleinste Flächenland mit einer Niederschlagsmenge von abgerundet 40 l/m² (73 l/m²) gerade einmal etwas mehr als die Hälfte des Mittelwertes. Insgesamt wurden 210 Sonnenstunden (202 Stunden) registriert. 

Baden-Württemberg: Baden-Württemberg war im August mit 19,5 °C (16,4 °C) zwar sehr warm, im Vergleich aber dennoch eine kühle und mit knapp 115 l/m² (94 l/m²) die zweitnasseste Region, wenngleich in der oberrheinischen Tiefebene das Niederschlagsdefizit fortbesteht. Die Sonne schien 220 Stunden (206 Stunden). 

Bayern: Im August 2020 war der Freistaat mit 18,8 °C (16,0 °C) die kühlste Region Deutschlands. Zu Beginn und am Ende des Monats verursachten im Süden des Landes Dauerniederschläge Überflutungen und Hochwasser. Oberhalb von 2000 Meter fiel sogar Schnee. Am 4. meldete Aschau-Innerkoy mit 152,4 l/m² den höchsten Tagesniederschlag. In der Summe erfassten die bayerischen Niederschlagsmesser des DWD ein Monatsflächenmittel von 135 l/m² (101 l/m²) und somit deutlich mehr, als in allen anderen Bundesländern. Die höchsten Summen wurden mit über 250 l/m² an den Alpen gemessen. Die Sonne zeigte sich 225 Stunden (202 Stunden). 

Alle in dieser Pressemitteilung genannten Monatswerte sind vorläufige Werte. Die für den letzten Tag des Monats verwendeten Daten basieren auf Prognosen. Bis Redaktionsschluss standen nicht alle Messungen des Stationsnetzes des DWD zur Verfügung.
Hinweis: Die bundesweiten Spitzenreiter bei Temperatur, Niederschlag und Sonnenscheindauer finden Sie jeweils am zweiten Tag des Folgemonats als „Thema des Tages“ unter www.dwd.de. Einen umfassenden klimatologischen Rückblick und eine Vorschau finden Sie ab dem 10. des Folgemonats unter www.dwd.de/klimastatus.
Quelle: DWD

Aus extrem wurde normal: Sommer in Deutschland, der Schweiz und Österreich immer heißer

Pressemitteilung des Deutschen Wetterdienstes, 02.07.2020

Eine der deutlichsten Auswirkungen des Klimawandels ist die stetige Erwärmung. In den Sommern führt das zu einer deutlichen Zunahme von Hitzewellen.

Auswertungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD), des Bundesamts für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz und der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) zeigen, dass die Sommer in allen Regionen und in allen Höhenlagen deutlich heißer geworden sind. Was früher ein extrem heißer Sommer war, ist heute ein durchschnittlicher Sommer. Selbst die kühlsten Sommer der letzten 25 Jahre blieben meist deutlich über dem langjährigen Durchschnitt vor 1990.

„Deutschland, die Schweiz und Österreich stehen im Bereich Klimawandel vor ähnlichen Herausforderungen, daher arbeiten MeteoSchweiz, die Zentralanstalt für Meteorologie und der Deutsche Wetterdienst in vielen Bereichen eng zusammen“, sagt Prof. Dr. Gerhard Adrian, Präsident des DWD. „In den Sommern sind vor allem die zunehmende Hitzebelastung, Dürre, Starkregen und Waldbrandgefahr ein Thema sowie die Gletscherschmelze und das Tauen des Permafrosts in den Alpen. Die Ursachen und Auswirkungen des Klimawandels können wir nur effektiv bekämpfen, wenn wir über die Grenzen von Staaten und Fachgebieten hinweg zusammenarbeiten.“

In den letzten Jahren zahlreiche Rekordsommer
In den letzten 40 Jahren zeichnet sich ein Trend zunehmender Hitze-Extrema ab. Die jüngste Vergangenheit brachte in Deutschland, der Schweiz und Österreich fast durchwegs Sommer im Rekordbereich. Die drei heißesten Sommer der Messgeschichte waren alle in den 2000er-Jahren: In der Schweiz und in Österreich sind das die Sommer 2003, 2015, 2019, in Deutschland die Sommer 2003, 2018 und 2019. Für die Gesundheit besonders relevant sind die immer häufigeren und längeren Hitzewellen sowie die immer geringere Abkühlung in den Nächten.

Die wärmsten Sommer der Messgeschichte
PlatzierungDeutschland
(Messreihe seit 1881)
Schweiz
(Messreihe seit 1864)
Österreich
(Messreihe seit 1767)
1.200320032003
2.201820152019
3.201920192015
4.194720182017
5.199420172018
6.201519941992
7.198319471811
8.199220122012
9.200619831994
10.200219502013

Neues Sommerklima: aus extrem wird normal
Der Sommer ist in der Schweiz, in Deutschland und Österreich ab den 1990er-Jahren massiv wärmer geworden. Dabei fällt ein drastisches Phänomen auf: Die Temperatur der extremsten Sommer vor dem Jahr 1990 ist in den letzten 30 Jahren zum Durchschnitt eines Sommers geworden. Was früher ein extrem heisser Sommer war, ist heute ein normaler (durchschnittlicher) Sommer. Selbst die kühlsten Sommer der letzten 25 Jahre blieben meist deutlich über dem langjährigen Durchschnitt vor 1990.

In Österreich war beispielsweise der Sommer 2014 ein für das aktuelle Klima durchschnittlicher Sommer. Vor 1990 wäre er einer der 15 wärmsten Sommer der Messgeschichte gewesen.

Diese Entwicklung setzt sich mit sehr großer Wahrscheinlichkeit in den nächsten Jahrzehnten fort. Bei weltweit unverändertem Ausstoß von Treibhausgasen werden Sommer, die heute für uns extrem heiß sind, Ende des Jahrhunderts der Normalfall sein. Die „Ausreißer“ einzelner Hitzesommer werden dann noch extremer sein als heute. 

Heiße Tage immer häufiger, auch in höheren Lagen
Ein Indikator für die Zunahme von Hitze ist die Zahl der Tage mit mindestens 30 °C („Heiße Tage“ oder „Hitzetage“). Die Zahl der Hitzetage ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen, und hat sich zum Beispiel in Berlin und Wien in etwa verdoppelt. Selbst in Lagen oberhalb von 1000 Meter Seehöhe wurden Temperaturen über 30 °C immer häufiger.

Beispiele für die Zunahme der Tage mit mindestens 30 °C
Im Schweizer Mittelland waren Hitzetage in der Referenzperiode 1961-1990 noch eine seltene Erscheinung. Am Messstandort Bern-Zollikofen wurden im Mittel 3 Hitzetage pro Jahr registriert, im Zeitraum 1990-2019 lag der Durchschnitt bei 9 Tagen pro Jahr. Das Maximum mit 29 Hitzetagen wurde in Bern im Jahr 2003 erreicht.

Auf einer Höhe von rund 1000 Meter Seehöhe gab es in der Schweiz früher nur vereinzelt Hitzetage. Zum Beispiel gab es im Zeitraum der 30 Jahre der Klimareferenzperiode 1961 bis 1990 in Chateau d‘Oex (1028 m Seehöhe) nur zwei Jahre mit Temperaturen über 30 °C: 1983 (6 Hitzetage) und 1984 (1 Hitzetag). Der Zeitraum von 1990 bis 2019 brachte hingegen 19 Jahre mit Temperaturen über 30 °C, die meisten 2003 (11 Hitzetage) und 2015 (8 Hitzetage).

Ähnliches gilt für Deutschland und Österreich:
In Berlin/Brandenburg hat die Zahl der Hitzetage von früher durchschnittlich 6,5 pro Jahr (Klimaperiode 1961-1990) auf mittlerweile 11,5 Tage zugenommen (1990-2019).

In Österreich registrierte die ZAMG in Seefeld auf rund 1200 Meter Seehöhe im Zeitraum 1961 bis 1990 nur in fünf Jahren Höchsttemperaturen mit mindestens 30 °C (durchschnittlich 0,3 Hitzetage pro Jahr). Im Zeitraum 1990 bis 2019 gab es in Seefeld in 13 Jahren zumindest einen Hitzetag (durchschnittlich 0,6 pro Jahr).

Entwicklung der heißen Tage in der Vergangenheit(durchschnittliche Zahl der Tage mit mindestens 30 °C pro Jahr)
 Zeitraum 1961-1990Zeitraum 1990-2019Rekord
Berlin/Brandenburg (D) 6,5 Hitzetage pro Jahr11,5 Hitzetage pro Jahr28 Hitzetage (2018)
Frankfurt am Main(D, 112 m)8,7 Hitzetage pro Jahr16,3 Hitzetage pro Jahr43 Tage (2018)
Wien Hohe Warte (A)10 Hitzetage pro Jahr21 Hitzetage pro Jahr42 Hitzetage im Jahr 2015
Seefeld
(A,  1198 m)
0,3 Hitzetage pro Jahr1 Hitzetag pro Jahr8 Hitzetage im Jahr 2013
Bern-Zollikofen (CH)3 Hitzetage pro Jahr9 Hitzetage pro Jahr29 Hitzetage im Jahr 2003
Chateau d‘Oex (CH, 1028 m)0,2 Hitzetage pro Jahr2 Hitzetage pro Jahr11 Hitzetage im Jahr 2003

Konsequenter Klimaschutz wirkt deutlich
In den nächsten Jahrzehnten ist bei einem weltweit unveränderten Ausstoß von Treibhausgasen („ungünstigstes“ oder „worst-case-“ Szenario, RCP 8.5) eine weitere deutliche Zunahme der Hitzetage in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu erwarten. Bei Einhaltung der Pariser Klimaziele (RCP 2.6) könnte sich die Entwicklung der Hitzetage in den nächsten Jahrzehnten auf dem aktuell hohen Niveau stabilisieren. Die Bandbreite der Klimamodelle (von-bis) ist dabei ein Hinweis auf die Unsicherheit der Berechnungen.

An der Messstation Bern-Zollikofen sind im worst-case-Szenario gegen Ende des Jahrhunderts ca. 30 bis 60 Hitzetage pro Jahr zu erwarten. Konsequenter globaler Klimaschutz (Einhaltung der Pariser Klimaziele, RCP 2.6) würde die Zunahme auf etwa 10 bis 20 Hitzetage pro Jahr eingrenzen.

Im Gebiet von Berlin und Brandenburg sind beim Klimaschutz-Szenario (RCP 2.6) Ende des Jahrhunderts 10 bis 16 Heiße Tage pro Jahr zu erwarten, im worst-case Szenario dagegen muss man mit 21 bis 35 Hitzetagen im Jahr rechnen.

Mögliche Entwicklung der Hitzetage bis Ende des Jahrhunderts
(durchschnittliche Zahl der Tage mit mindestens 30 °C pro Jahr)
 Unveränderter Ausstoß von Treibhausgasen
(worst-case- Szenario, RCP 8.5)
Konsequenter Klimaschutz
(Einhaltung der Pariser Klimaziele, RCP 2.6)
(Berlin, D)ca. 20-35 Hitzetage pro Jahr
(Klimaperiode 2071-2100)
ca. 10-16 Hitzetage pro Jahr
(Klimaperiode 2071-2100)
(Wien Hohe Warte, A)ca.  30-73 Hitzetage pro Jahr
(Klimaperiode 2071-2100)
ca. 12-25 Hitzetage pro Jahr
(Klimaperiode 2071-2100)
Bern-Zollikofen (CH)ca. 30-60 Hitzetage pro Jahr
(um das Jahr 2085)
ca. 10-20 Hitzetage pro Jahr
(um das Jahr 2085)

Hitzewellen werden häufiger
Hitzewellen sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz in den letzten Jahrzehnten häufiger und länger geworden.

Hitzewellen lassen sich unterschiedlich definieren. Eine Möglichkeit, um sehr extreme und lange Hitzewellen zu analysieren, ist folgende Definition: Eine Serie von mindestens 14 Tagen, an denen der Durchschnitt der täglichen Höchsttemperatur mindestens 30 °C beträgt.

Nach dieser Definition waren markante lange Hitzewellen in Deutschland, der Schweiz und Österreich vor dem Jahr 1990 relativ selten (siehe Grafik unten). In den letzten Jahren wurden sie immer häufiger und kommen in vielen großen Städten mittlerweile ungefähr alle zwei bis vier Jahre vor, zum Beispiel in Wien, Klagenfurt, Innsbruck, Genf, Lugano, Basel, München und Frankfurt/Main. Selbst das relativ weit im Norden liegende Berlin erlebte seit der Jahrtausendwende bereits die vierte dieser markanten Hitzewellen.

Belastung durch sehr warme Nächte
Hitzewellen haben besonders in Städten eine große Auswirkung auf die Gesundheit der Bevölkerung. Eine Ursache dafür ist auch, dass es in den Nächten weniger abkühlt als auf dem Land und daher zum Beispiel die Belastung für das Herz-Kreislaufsystem sehr hoch ist.

Die Zahl der Tropennächte (Tiefstwert nicht unter 20 °C) hat in den letzten Jahrzehnten in Deutschland, der Schweiz und Österreich deutlich zugenommen. Dieser Trend dürfte sich in den nächsten Jahren fortsetzen.

Tropennächte: Beispiel Schweiz
Tropennächte wurden vor allem im Süden der Schweiz deutlich häufiger. Vor dem Jahr 2000 bewegte sich die maximale Zahl der Tropennächte meist bei 5 und nur selten bei 10 oder mehr. Seither liegt die Zahl meist zwischen 10 und 20. Die Tendenz ist in den letzten Jahren eindeutig steigend. 

Nördlich der Alpen traten in der Schweiz Tropennächte vor dem Jahr 2000 an den klassischen Messstandorten außerhalb der Stadtzentren nur vereinzelt auf. Seither gab es mehrere Sommer mit über 3 Tropennächten. In den Extremsommern 2003 und 2015 lagen die Werte lokal auch zwischen 6 und 15. 

Messungen im Stadtzentrum von Zürich lieferten für die Extremsommer 2003 und 2015 20 bis 30 Tropennächte.

Tropennächte: Beispiel Wien
In Wien gab es im Zeitraum 1971-2000 durchschnittlich ein bis zwei Tropennächte pro Jahr, im Zeitraum 1981-2019 waren es durchschnittlich vier Tropennächte pro Jahr. Der Rekord an der Wetterstation Wien Hohe Warte liegt bei 23 Tropennächten im Jahr 2015, an der Wetterstation Wien Innere Stadt bei 41 Tropennächte in den Jahren 2018 und 2019.

Tropennächte: Beispiel Frankfurt
In Deutschland waren Tropennächte bis in die 1990er Jahre ausgesprochen seltene Ereignisse. Zum Beispiel wurde im Bundesland Hessen im Zeitraum 1961-1990 ca. alle fünf Jahre eine Tropennacht registriert. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts werden immer häufiger Tiefsttemperaturen nicht unter 20 °C gemessen. In Frankfurt am Main etwa, wo durch die dichte städtische Bebauung eine Abkühlung in der Nacht zusätzliche gestört wird, wurden im Jahr 2015 acht, im Jahr 2018 sechs und im Jahr 2019 vier Tropennächte gezählt.

Erwärmung verstärkt Dürreperioden
Bei der Entstehung von Dürreperioden spielt neben dem Niederschlag auch die Temperatur eine große Rolle. Je wärmer es ist, desto mehr Feuchtigkeit verdunstet aus dem Boden. Außerdem verlängern höhere Temperaturen die Vegetationszeit und somit die Zeit, in der Pflanzen dem Boden Wasser entnehmen.

Untersuchungen für Deutschland zeigen eine Abnahme der Bodenfeuchte im Frühling und im Sommer. In Österreich hat sich die klimatische Wasserbilanz im Sommerhalbjahr besonders im Osten und Norden des Landes zu trockeneren Verhältnissen verschoben.

In der Schweiz zeigen Messungen in Bern, dass die letzten 12 Jahre während der Vegetationsperiode allesamt trockener waren als im langjährigen Durchschnitt. Das ist einzigartig in dieser Messreihe seit 1864. Die anhaltende und oft ausgeprägte Sommertrockenheit der letzten Jahre ist offenbar eine typische Folge der zunehmend heißeren und verdunstungsintensiveren Sommer in der Schweiz.

Gletscher schmelzen, Nullgradgrenze steigt
Die stetige Erwärmung wirkt sich auch deutlich im Gebirge aus. Zwei Beispiele:
Österreichs Gletscher haben seit dem letzten Maximalstand der Alpengletscher im Jahr 1850 (letzter Höhepunkt der sogenannten „kleinen Eiszeit“) knapp 60 Prozent an Fläche verloren.

In der Schweiz betrug die mittlere Höhe der Nullgradgrenze im Sommer (JJA) in der Referenzperiode 1961-1990 noch knapp 3350 Meter. Im Zeitraum 1959-2019 stieg sie um durchschnittlich 93 Meter pro 10 Jahre und erreicht heute regelmäßig Werte um 3800 Meter Seehöhe.

Waldbrandgefahr steigt
Durch die Klimaerwärmung steigt die Gefahr von Wald- und Flurbränden. In Deutschland hat die von Waldbrand betroffene Fläche im Zeitraum 1991 bis 2017 signifikant zugenommen (DAS Monitoringbericht, 2019). Bei einem weiter fortschreitenden Klimawandel ist zu erwarten, dass sich die Zahl der Tage mit hoher bis sehr hoher Waldbrandgefahr weiter erhöhen wird.

Seen und Flüsse werden wärmer
Auch die Seen und Flüsse werden immer wärmer und die Zusammensetzung der darin lebenden Tiere und Pflanzen ändert sich. Eine Studie der ZAMG für zwölf Seen in Österreich zeigt, dass die Wassertemperaturen seit 1880 gestiegen sind, am stärksten seit den 1980er-Jahren im Frühling und im Sommer (bis zu 2 Grad Erwärmung).

Nach einer Studie aus Deutschland (KLIWAS, 2015), an der der DWD beteiligt war, ist es wahrscheinlich, dass bis zum Ende des 21. Jahrhunderts die Flusswassertemperaturen um 1 bis 2 °C steigen werden. In Kombination mit häufigeren Niedrigwasserständen in den Sommermonaten hat dies vielfache Auswirkungen auf die Flussökologie, Binnenschifffahrt und Energiewirtschaft.

Abbildung: Markante Hitzewellen, mit einer Serie von mindestens 14 Tagen, an denen der Durchschnitt der täglichen Höchsttemperatur mindestens 30 °C beträgt, wurden in Deutschland, der Schweiz und Österreich seit den 1990er-Jahren deutlich häufiger. Quelle: DWD

Abbildung: Markante Hitzewellen, mit einer Serie von mindestens 14 Tagen, an denen der Durchschnitt der täglichen Höchsttemperatur mindestens 30 °C beträgt, wurden in Deutschland, der Schweiz und Österreich seit den 1990er-Jahren deutlich häufiger. Quelle: DWD

Beobachtungen zum Klimawandel: Deutschland- Wetter im Juli 2020

Im Rahmen der Beobachtungen zum Klimawandel in Deutschland berichtet der Deutsche Wetterdienst über den Juli 2020:

Der Juli 2020 war im Mittel etwas zu warm (im Vergleich zur internationalen Referenzperiode 1961-1990) und sehr trocken mit einer leicht überdurchschnittlichen Anzahl von Sonnenscheinstunden. Allerdings gab es einen deutlichen Nord-Süd-Gradient. Während die Temperaturen im Norden etwas unter den vieljährigen Mittelwerten lagen, war es im Süden etwa 1 – 2 K wärmer als normal. Der Juli begann etwas wärmer, doch schon nach dem ersten Juliwochenende sanken die Temperaturen im Norden unter die vieljährigen Mittelwerte und schwankten im weiteren Monatsverlauf um diese. Im Süden war der Beginn der zweiten Monatsdekade sehr kühl, aber in der dritten Monatsdekade meist sommerlich warm. Nur ganz im Norden und im Südwesten wurde das Niederschlagssoll erreicht oder übertroffen. Im Südwesten wurden weniger als 30 % des Niederschlags registriert. Besonders trocken war es in Rheinland-Pfalz und im Saarland, sowie im südlichen Baden-Württemberg. Auch in Teilen Thüringens und Sachsens sind weniger als 25 mm Niederschlag beobachtet worden. Die Anomalie der Sonnenscheindauer ähnelt der der Temperaturverteilung. Im Norden wurde im Vergleich zu den vieljährigen Mittelwerten etwas weniger Sonnenschein beobachtet und im Süden etwas mehr. Im Süden wurden über 300 Stunden registriert.

Das Gebietsmittel der Temperatur für Deutschland betrug 17,7 °C. Gegenüber dem vieljährigen Mittelwert des neuen Vergleichszeitraums 1981-2010 war der Juli 2020 somit 0,3 K zu kalt und im Vergleich zur internationalen klimatologischen Referenzperiode 1961-1990 0,8 K zu warm. Damit ordnet sich der Juli 2020 als 48.-wärmster seit 1901 und als 53.-wärmster seit 1881 (ebenso wie die Jahre 2002, 1989, 1972, 1963, 1957, 1943) unter die etwas wärmeren Julimonate ein.

Im Gebietsmittel von Deutschland wurde eine monatliche Niederschlagshöhe von 51,8 mm gemessen. Das sind 32,6 mm oder 38,6 % weniger als im Mittel des Zeitraums 1981-2010 und 25,7 mm oder 33,2 % weniger als in der Referenzperiode 1961-1990. Der Juli 2020 war damit der 16.-trockenste Juli in Deutschland seit 1901 und seit 1881 und zählt damit beim Niederschlag zu den sehr trockenen Julimonaten.

Das Gebietsmittel der Sonnenscheindauer lag bei 232,9 Stunden. Das sind 11,4 Std. oder 5,1 % mehr als im Vergleichszeitraum 1981-2010 und 22,2 Std. oder 10,5 % mehr als im Mittel der Jahre 1961-1990. Damit ordnet sich der Monat als 26.-sonnenscheinreichster Monat seit 1951 zu den etwas freundlicheren Julimonaten ein.